Action, Rituals & Co.: Niederländer erobern die Innenstädte Von Christian Rothenberg, dpa

Etliche niederländische Ketten wie der Discounter Action expandieren
in Deutschland. Andere Unternehmen haben den Schritt schon vor
längerer Zeit gewagt - doch nicht alle waren erfolgreich.

Den Haag/Düsseldorf (dpa) - Tausende Einzelhandelsgeschäfte schließen

jedes Jahr in Deutschland. Nur wenige Ketten bauen ihre Filialnetze
aus. Besonders auffällig sind dabei Unternehmen aus den Niederlanden
wie Action, Rituals oder Coolblue. Ein Zufall? Ein Überblick über die
Konkurrenz aus dem deutschen Nachbarland: 

Action ist am größten 

Der 1993 gegründete Non-Food-Discounter aus Medemblik-Zwaagdijk-Oost
eröffnete 2009 seine erste Filiale direkt an der niederländischen
Grenze - in Schüttorf, im Südwesten Niedersachsens. Heute betreibt
Action in Deutschland rund 650 Geschäfte und beschäftigt knapp 15.000
Menschen. Damit hat die Kette mehr Filialen als Media Markt, Obi,
Müller, H&M oder C&A.

Wie viele werden es noch? Action nennt keine Zahlen. Auf Nachfrage
heißt es: «Deutschland bleibt ein sehr wichtiger Wachstumsmarkt für
uns und wir sehen großes Potenzial.» Die Kette wirbt mit dem Slogan
«mehr als du erwartest». Das Sortiment reicht von Wohnaccessoires und
Deko über Haushalts-, Büro- und Baumarktartikel bis hin zu Spielzeug,
Pflegeprodukten, Mode und Lebensmitteln wie Süßwaren, Snacks und
Getränken. 

Koen Hazewinkel, Handelsexperte an der EFMI Business School im
niederländischen Baarn, sagt: «Action ist sehr günstig. Preislastige

Formate lassen sich gut expandieren - besonders nach Deutschland, dem
Land des Discounts.» Die Menschen seien außerordentlich preisbewusst.
Zum Erfolg trügen zudem eine offensive Expansionsstrategie und ein
hocheffizientes Logistiksystem bei. 

Rituals fordert Douglas heraus 

Kosmetik-, Körperpflege- und Lifestyleprodukte sind Kern des
Rituals-Sortiments, ergänzt um Haushalts- und Einrichtungsartikel.
Das Unternehmen aus Amsterdam ist seit 2008 in Deutschland und hat
inzwischen nach eigenen Angaben gut 260 Geschäfte. Marktführer
Douglas kommt auf rund 340. 

Deutschland ist einer der größten Märkte des Unternehmens. Im
Onlinegeschäft verzeichnete Rituals 2024 ein Umsatzplus von 16
Prozent. Das Unternehmen, das weltweit investiert, betont, dass
hierzulande «eine bedeutende Zahl neuer Geschäfte» geplant sei.
Verkauft werden ausschließlich Produkte der eigenen Marke. 

Und sonst? 

Darüber hinaus sind weitere Unternehmen mit niederländischen Wurzeln
in Deutschland aktiv: 

* Hunkemöller, ein Fachhändler für Wäsche, Strümpfe und Dessous
,
ist bereits seit 1987 auf dem deutschen Markt tätig und betreibt
heute mehr als 330 Filialen.
* Die Modemarke G-Star Raw - 1989 gegründet - hat in Deutschland 40
Geschäfte.
* Der niederländische Textildiscounter Zeeman ist hierzulande
bereits seit 1981 aktiv und hat mehr als 100 Filialen.
* Der Elektronikhändler Coolblue aus Rotterdam eröffnete 2021 seine
erste Filiale in Deutschland. Aktuell gibt es sieben Geschäfte, bis
2029 sollen rund 30 weitere hinzukommen.
* Dille & Kamille - eine Handelskette für Haus, Garten und Küche -
wurde 1974 in Utrecht gegründet. Seit vier Jahren ist sie hierzulande
vertreten, inzwischen mit elf Geschäften. «Dille & Kamille wird in
Deutschland auf jeden Fall weiter expandieren», heißt es.
* In den Niederlanden gegründet wurde auch Picnic. Seit 2018 gibt
es den Lebensmittel-Lieferdienst, an dem Edeka beteiligt ist, auch in
Deutschland. Picnic beliefert Kunden in 250 Städten.
* Ebenfalls ausschließlich online präsent ist die Shop Apotheke.
Die Versandapotheke, die zum niederländischen Konzern Redcare
Pharmacy gehört, zählt zu den umsatzstärksten Onlineshops in der
Bundesrepublik.
* Eine Verbindung ins Nachbarland hat auch Lieferando. Die
Bestellplattform gehört zum niederländischen Lieferdienst Just Eat
Takeaway.
* Niederländische Wurzeln haben zudem Spar und Euronics. Beide
zählen inzwischen jedoch zu deutschen Gesellschaften.

Was Experten sagen

Was bringt niederländische Unternehmen dazu, nach Deutschland zu
expandieren? «Der Heimatmarkt Niederlande ist mit 18 Millionen
Einwohnern überschaubar», sagt Janine Damm von der
deutsch-niederländischen Handelskammer. Deutschland sei aufgrund
kultureller Nähe und ähnlicher Mentalität mit über 80 Millionen
Einwohnern attraktiv. Hinzu kommt die logistisch günstige Lage.
Deutschland kann direkt aus den Niederlanden beliefert werden. «Das
unternehmerische Risiko ist also verhältnismäßig klein.» 

Unterschiede sieht sie vor allem in der Geschäftskommunikation. «In
den Niederlanden sind die Hierarchien flacher, die Umgangsformen,
auch unter Geschäftspartnern, lockerer», sagt Damm. Deutsche legten
großen Wert auf Vorbereitung, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit. Der

formellere Umgang könne zu Missverständnissen und Konflikten führen.
 

«Nähe allein reicht nicht für Erfolg», sagt Handelsexperte
Hazewinkel. Niederländische Einzelhändler seien bei Trends und
Stilen, etwa in der Mode, manchmal einen Schritt voraus. «Aufgrund
der geringen Größe des Landes mussten wir Niederländer uns immer
anpassen. Deshalb sind wir vielleicht etwas aufgeschlossener für
Neuheiten.» 

Für Johannes Berentzen von der Handelsberatung BBE ist der Erfolg
vieler niederländischer Ketten kein Zufall. «Er basiert auf
fokussierten Konzepten, Kaufmannsgeist und der cleveren Nutzung der
kulturellen Nähe. Was wir vom niederländischen Pragmatismus lernen
können, ist der Mut zum Testen.» Niederländische Händler seien oft

«Meister der Nische». Sie definierten ein klares Kundenversprechen -
bei Service, Design oder Preis - und setzten es konsequent um. 

Nicht alle schaffen es 

Einige Expansionsversuche sind allerdings gescheitert. Die
Warenhauskette Hema hatte größere Expansionspläne, verfolgte diese
jedoch nicht weiter. Aktuell betreibt sie noch knapp 20 Filialen in
Deutschland. Auch die Non-Food-Kette Blokker versuchte es
hierzulande, zog sich jedoch wieder zurück. 

Deutsche Filialen gab es auch von der Supermarktkette Albert Heijn.
Die letzten schlossen 2018 - «weil das Format nur ein bescheidenes
Wachstum verzeichnete und kein ausreichendes Potenzial für ein
nachhaltiges Geschäft bot», wie es heißt. Der Non-Food-Discounter
Xenos stellte seine Aktivitäten ebenfalls ein, die Filialen wurden
von Tedi übernommen.

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