Söder: Menschen in Deutschland müssen länger arbeiten

Bei der Rente und den Gesundheitskosten gibt es
Finanzierungsprobleme. Vor diesem Hintergrund macht CSU-Chef Söder
eine deutliche Ansage. Sogleich kassiert der bayerische
Ministerpräsident Gegenwind.

Berlin (dpa) - Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hält es
für nötig, dass die Deutschen länger arbeiten und sich seltener und
kürzer krankschreiben lassen. Mit Blick auf die Finanzierungsprobleme
der Rentenkasse sagte er der «Bild am Sonntag»: «Wenn wir immer mehr

ältere und immer weniger jüngere Menschen haben, kann man das nur
ausgleichen, indem Deutschland länger arbeitet. Und zwar generell in
der Lebenszeit.»

Nach Ansicht des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Bayern wird in
Deutschland bereits heute viel gearbeitet. Vollzeitbeschäftigte kämen
im Schnitt auf 41,4 Wochenstunden.

«Schweizer arbeiten viel länger»

Söder zufolge muss das Kernziel sein, Strukturen zu finden und
Gesetze anzupassen, damit wieder länger gearbeitet wird. «Das gilt in
der Woche, das gilt im Jahr. Schweizer arbeiten zum Beispiel viel
länger», meinte Söder. «Man muss nicht ein ganzes Leben länger
arbeiten, wenn man in der Woche länger arbeitet. Deswegen werden
vielleicht Lebensarbeitszeitkonten spannend», sagte er. Letztlich
gelte aber: «Im Endeffekt muss man länger arbeiten.»

Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit der Beschäftigten ist
in Deutschland wie auch EU-weit in den vergangenen Jahren leicht
gesunken. Zugleich ist aber die Zahl der Erwerbstätigen gestiegen.

Die schwarz-rote Bundesregierung hatte Ende vergangenen Jahres
beschlossen, eine Rentenkommission einzusetzen. Sie soll bis Mitte
des laufenden Jahres Vorschläge machen, wie die Altersvorsorge
gesichert und eine Überlastung von Beitrags- und Steuerzahlern
vermieden werden kann - auch nach dem immer zahlreicheren
Renteneintritt der Babyboomer.

Söder für Karenztage und frühere Pflicht zur Krankschreibung

Söder beklagte mit Blick auf steigende Gesundheitskosten auch, es
werde «zu oft und zu schnell krankgeschrieben in Deutschland».
«Deswegen wäre es wichtig, dass wir im Gesundheitssystem darüber
nachdenken, Karenztage wieder einzuführen, also dass die
Lohnfortzahlung erst später stattfindet, dass die
Krankschreibepflicht früher stattfinden muss, also zum Beispiel ab
dem dritten Tag», sagte Söder, der auch CSU-Chef ist. 

In der Bundesrepublik gilt - anders als in einigen anderen Ländern -
seit Jahrzehnten die Lohnfortzahlung ab dem ersten Krankheitstag.
Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung müssen Arbeitnehmer in
Deutschland bislang spätestens am vierten Krankheitstag vorlegen. 

Der Vorsitzende des DGB Bayern, Bernhard Stiedl, sagte dazu: «Die
Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall ist ein zentrales soziales
Schutzrecht.» Einschränkungen würden dazu führen, dass mehr Mensche
n
krank zur Arbeit gingen - mit höheren Unfallrisiken, mehr Fehlern und
langfristig steigenden Kosten für Betriebe und Sozialversicherungen.
«Wer den Krankenstand senken will, muss über Arbeitsbedingungen,
Personalnot und steigenden Leistungsdruck sprechen - nicht über
Sanktionen bei Krankheit.»

Söder sprach sich zudem dafür aus, Teil-Krankschreibungen nach
skandinavischem Vorbild einzuführen. «Das heißt, bei leichten
Beschwerden nicht den ganzen Tag krank bleiben, sondern nur den
halben Tag. Das wäre manchmal wichtiger als manche Debatten, die es
jetzt über Zuzahlungen gibt.»

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