Zahl der Hausarztpraxen in Mecklenburg-Vorpommern konstant
Im Nordosten ist der Weg zur nächsten Arztpraxis oft weit. Dennoch
sieht die Kassenärztliche Vereinigung Erfolge ihrer Bemühungen.
Sorgen bereitet der Mangel an Fachangestellten.
Schwerin (dpa/mv) - Die Versorgung mit Hausarztpraxen in
Mecklenburg-Vorpommern liegt auf dem Niveau des Vorjahres. Die Zahl
der Hausärztinnen und Hausärzte habe sich stabilisiert, erklärt die
Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern (KVMV) auf Anfrage
der Deutschen Presse-Agentur.
Mitte Dezember weise der Stand der Bedarfsplanung demnach noch 47,5
nicht besetzte Stellen aus, für die Hausärzte zugelassen werden
können. Anfang 2025 seien es noch rund 80 offene Stellen gewesen. Der
größere Anteil des Rückgangs sei zwar auf eine Anpassung der
Einwohnerzahlen zurückzuführen. «Dennoch können wir davon sprechen,
dass die verschiedenen Maßnahmen, die die KVMV bereits vor 20 Jahren
eingeleitet hat, Wirkung entfalten», sagt Sprecherin Grit Büttner.
Wege zum Arzt oft weiter als anderswo
In Anbetracht der demografischen Entwicklung sei diese Stabilisierung
bereits ein Erfolg. Auch das Durchschnittsalter der Hausärzte
stabilisiere sich, sagt Büttner. In Bezug auf die Arztdichte bei
Hausärzten weise Mecklenburg-Vorpommern einen im Bundesvergleich
guten Wert auf. Gleichwohl seien aufgrund der dünnen Besiedelung im
Flächenland die Wege zum Arzt weiter.
Im Bundesland arbeiten derzeit 1.145 Hausärztinnen und Hausärzte,
sagt der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Mecklenburg-Vorpommern,
Dr. Stefan Zutz, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Diese Zahl
liege auf dem Niveau des Vorjahres. Insgesamt lägen die
Niederlassungszahlen seit über 10 Jahren auf konstantem Niveau.
Überversorgung in den Städten
Offene Sitze gebe es, wenn in den Planungsbereichen der
Versorgungsgrad unter 110 Prozent liege. Bei einer Versorgung von
über 110 Prozent trete eine Sperre in Kraft. «Nach unseren
Informationen sind vor allem die städtischen Bereiche gesperrt, also
formal überversorgt», sagt Zutz. Dies seien neben den beiden
Universitätsstädten Rostock und Greifswald vor allem die Bereiche
Stralsund, Güstrow und Schwerin.
Demgegenüber gebe es in einigen Bereichen offene hausärztliche Sitze.
Dies betreffe in erster Linie ländliche Regionen abseits der Zentren,
unter anderem die Regionen Hagenow, Parchim und Neubrandenburg. Dort
gibt es jeweils etwa 7 bis 8 freie Sitze.
Im Bundesvergleich sei die Zahl der niedergelassenen Hausärzte
positiv, sagt der Verbandsvorsitzende. Pro Hausarzt würden rund 1.149
Einwohner in Mecklenburg-Vorpommern versorgt. Das liege unter dem
bundesweiten Durchschnitt von 1.264. Auch für die Jahre 2030 bis 2040
sei keine Unterversorgung in MV prognostiziert.
Zu wenige Augenärzte und Dermatologen
In der fachärztlichen Grundversorgung sind nach Angaben der KVMV vor
allem in der Augenheilkunde, der Dermatologie und der HNO-Heilkunde
mehrere Sitze unbesetzt. Dies seien auch die typischen Mangelbereiche
in anderen Bundesländern. «Hier sehen wir auch zukünftig noch eine
weitere Verschärfung der Situation und vor allem Handlungsbedarf in
Bezug auf eine bedarfsgerechte Weiterbildung», sagt KVMV-Sprecherin
Büttner.
Einen spürbaren Mangel an Fachärzten gebe es in vielen Bereichen,
insbesondere bei der Versorgung von akuten und komplexen Patienten,
erklärt auch der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Stefan Zutz.
Dies sei zum Teil regional sehr unterschiedlich.
Gesucht: Medizinische Fachangestellte
Medizinische Fachangestellte (MFA) seien essenziell wichtig für
Arztpraxen, sagt Zutz. Die Ausbildungszahlen im Land hätten in den
vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen und in diesem Lehrjahr
2025/26 mit über 200 neuen Auszubildenden einen Höchststand erreicht.
Arztpraxen stünden als Arbeitgeber aber in Konkurrenz zu
Pflegediensten, Krankenhäusern oder Krankenkassen. Hier sei aber
hauptsächlich durch die Lohnsteigerungen ein Ungleichgewicht
entstanden. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband baue auf
qualifizierte MFA, die mehr Versorgung übernehmen und Hausärztinnen
und Hausärzte entlasten können.
Auch die KVMV bekommt die Rückmeldung ihrer Mitglieder, dass das
Finden und Halten von MFA ein zunehmendes Problem darstelle. Die KVMV
hat deshalb auch eine Ausbildungsinitiative ins Leben gerufen.
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