Patientenschützer: Fachärzte müssen Befunde erläutern
Die Koalition plant eine gezieltere Terminvergabe über
Hausarztpraxen, um die Versorgung effizienter zu machen und
Wartezeiten zu verkürzen. Es gibt aus Patientensicht aber auch andere
akute Probleme.
Berlin (dpa) - Die Deutsche Stiftung Patientenschutz dringt auf
Verbesserungen bei der Versorgung in den Praxen. Es sei absurd, dass
sich viele Fachärzte mittlerweile davon verabschiedet hätten,
Befunde und Therapieempfehlungen direkt mit den
Kranken zu besprechen, sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen
Presse-Agentur. Patienten seien so gezwungen, danach den Hausarzt zu
konsultieren, der zum «Erklärbären» mutiere. Gesundheitsministerin
Nina Warken (CDU) müsse Fachärzte verpflichten, Befunde auch zu
erläutern.
Brysch forderte außerdem, Ungleichgewichte zwischen Stadt und Land
bei der Verteilung von Praxisstandorten anzugehen. Er sprach sich für
die Abschaffung von Vermittlungsvergütungen für Hausärzte aus, wenn
sie direkt Termine bei Fachärzten vereinbaren. «Was als gut gemeinte
Ausnahmeregelung eingeführt wurde, ist zu einer sprudelnden
Einnahmequelle ohne Mehrwert geworden.»
Was bringt die geplante Reform für Termine?
Der Patientenschützer warnte vor hohen Erwartungen an die von Warken
geplante stärkere Steuerung von Terminen bei Fachärzten über
Hausärzte. Diese «Erst-Hausarzt-Pflicht» solle zum Allheilmittel f
ür
alle Probleme der ambulant-ärztlichen Versorgung werden, sagte
Brysch. Völlig ungeklärt sei aber unter anderem, wie zusätzliche
Patienten von Hausärzten betreut werden könnten. «Schließlich geh
en
in den nächsten Jahren mehr Hausärztinnen und Hausärzte in den
Ruhestand oder wollen ihre Arbeitszeit reduzieren.»
Union und SPD wollen ein verbindliches System einführen, bei dem
Patienten primär in eine Hausarztpraxis gehen, die sie bei Bedarf -
mit Termin in einem bestimmten Zeitraum - an Fachärztinnen und
Fachärzte überweist. Brysch bezweifelt, dass eine solche
«Termingarantie» tatsächlich greift. «Die schwarz-rote
Koalition läuft Gefahr, mit der Zwangsregelung ein ähnliches
politisches Fiasko zu erleben wie die gescheiterte Ampelregierung
mit ihrem Heizungsgesetz.»
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