Arbeitgeber: Lohnfortzahlung stärker begrenzen
Mehr als 14 Krankheitstage pro Kopf: Die Arbeitgeber fordern
Einschnitte bei der Lohnfortzahlung und sehen in der telefonischen
Krankschreibung ein «Einfallstor für Missbrauch».
Berlin (dpa) - Angesichts hoher Krankenstände dringen die Arbeitgeber
auf eine stärkere Begrenzung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
sowie auf ein Ende der telefonischen Krankschreibung. Die
Lohnfortzahlung sollte auf sechs Wochen pro Jahr statt jährlich pro
Krankheit begrenzt werden, fordert der Präsident der
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Rainer
Dulger, in der «Welt». Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Mehrarbe
it
sollten nicht mehr fortgezahlt werden.
«Internationale Erfahrungen zeigen: Je großzügiger die
Lohnfortzahlung, desto höher die Fehlzeiten, vor allem bei leichten
Erkrankungen», erklärt Dulger.
Er erneuert auch eine andere bekannte Forderung der Arbeitgeber: «Die
telefonische Krankschreibung gehört abgeschafft», sagte der
Verbandspräsident. «Sie war ein Notinstrument in der Pandemie, ist
heute aber ein Einfallstor für Missbrauch.» Videosprechstunden seien
eine Alternative.
Hintergrund der Debatte ist ein Anstieg der Fehlzeiten. Das
Statistische Bundesamt geht für das vergangene Jahr von
durchschnittlich 14,8 gemeldeten Krankheitstagen je Arbeitnehmer aus.
Das Amt erklärt den Anstieg (plus 3,6 Tage seit 2021) aber auch mit
der Einführung der elektronischen Krankschreibung, die zu einer
vollständigeren statistischen Erfassung geführt habe.
Die Arbeitgeber bezahlten laut einer Schätzung des arbeitgebernahen
Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) im vergangenen Jahr rund 82
Milliarden Euro für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
Statistisch zum Anstieg (plus fünf Milliarden Euro seit 2023)
beigetragen haben demnach aber auch die höhere Beschäftigung und die
gestiegenen Löhne.
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