Drohnen-Alarm an sensiblen Orten im Südwesten nimmt zu
Über konkrete Zahlen schweigen sich die Verantwortlichen aus - aus
Sicherheitsgründen. Doch der Trend ist klar und wird mitunter als
«Teil hybrider Kriegführung» bewertet.
Stuttgart (dpa/lsw) - Ob zu Spionagezwecken oder für einen
Terror-Angriff: Drohnen können es auf kritische Infrastruktur in
Bereichen wie Energieversorgung, Verkehr und Verteidigung abgesehen
haben. Auch in Baden-Württemberg werden immer mehr unbemannte
Fluggeräte gesichtet.
«Teil hybrider Kriegführung»
So berichtet das Landeskommando Baden-Württemberg der Bundeswehr,
dass seit Beginn des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskriegs
auf die Ukraine im Februar 2022 mehr Drohnensichtungen gemeldet
wurden als zuvor. «In den vergangenen Monaten beobachten wir auch in
Baden-Württemberg eine deutliche Zunahme sicherheitsrelevanter
Drohnenvorfälle über ziviler wie militärischer Infrastruktur», teil
te
ein Sprecher in Stuttgart mit. Welche Standorte und Übungsplätze
besonders betroffen sind, blieb unklar.
Die Verursacher könnten oft nicht eindeutig zugeordnet werden, räumte
der Sprecher ein. «Wir nehmen diese Vorfälle sehr ernst und bewerten
sie in den meisten Fällen als Teil hybrider Kriegführung gegen uns.»
Ausländische Nachrichtendienste nutzten grundsätzlich alle
verfügbaren technischen Mittel, um an Informationen zu gelangen. Dazu
zähle auch der Einsatz von Drohnen.
Basis der Meldungen sei neben reinen Beobachtungen auch technische
Detektion, erklärte der Sprecher. Dadurch sei die Möglichkeit zum
Erkennen und Melden von Drohnen erhöht worden.
Eher zufällig entdeckt
Auch beim Energieversorger EnBW wurden 2025 mehr Drohnensichtungen
gemeldet als in den Vorjahren, wie ein Sprecher erklärte. «Da Drohnen
oft nur zufällig entdeckt werden, sind wahrscheinlich nicht alle
entsprechenden Fälle dokumentiert.»
Sofern es sich um mutmaßlich nicht authentifizierte Drohnenflüge über
Einrichtungen des Karlsruher Konzerns handele, würden die
Sicherheitsbehörden verständigt. Gerade in diesen Fällen seien meist
keine Rückschlüsse auf Urheberschaft und Absicht möglich, hieß es
auch hier.
Zu konkreten Zahlen machen die Einrichtungen keine Angaben. Auch die
Deutsche Bahn oder die für Bahnanlagen zuständige Bundespolizei
äußern sich dazu nicht. «Im Bahnverkehr ist Sicherheit in jeder
Hinsicht oberstes Gebot», teilte eine Bahnsprecherin mit. Pläne von
Bund und Ländern für eine Drohnenabwehr seien daher auch eine gute
Nachricht für alle Kundinnen und Kunden. Bei der
Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft waren Drohnensichtung
über Krankenhäusern bislang den Angaben nach kein Thema.
Weniger Zwischenfälle an Flughäfen als andernorts
Immerhin: An Flughäfen in Baden-Württemberg gab es weit weniger
Zwischenfälle als andernorts. So zählte die Deutsche Flugsicherung
(DFS) 2025 bis einschließlich November am größten deutschen Flughafen
in Frankfurt 45 Drohnensichtungen. Ein Drohnen-Pilot sei festgenommen
worden. Häufigen Drohnenalarm gab es auch in Köln/Bonn (14 Fälle),
Hamburg (13) und München (12). Am Flughafen Stuttgart gab es 2025
einer Sprecherin zufolge keine Beeinträchtigungen des Flugbetriebs
durch einschlägige Vorfälle.
Innenminister Thomas Strobl (CDU) erklärte Ende November: «Die
Drohnen-Terrorgefahr ist jetzt in Baden-Württemberg nicht so, dass
wir das Bedrohungsland Nummer eins in der Bundesrepublik Deutschland
sind.» Gleichwohl forderte er mehr Tempo und mehr Zusammenarbeit von
Industrie und Wissenschaft, um das Aufspüren und die Abwehr von
Drohnen zu verbessern. Anfang 2026 soll es eine Innovationskonferenz
zu Drohnen geben.
Abwehrsysteme und geschultes Personal
Ein Sprecher des Rüstungsunternehmens Diehl Defence mit Sitz in
Überlingen am Bodensee teilte mit: «Angaben zu Bedrohungen und
Einzelheiten zu den getroffenen Schutzmaßnahmen, einschließlich der
Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden, können wir alleine schon
aus Vertraulichkeitsgründen nicht nennen.» Als Unternehmen der
wehrtechnischen Industrie verfolge man die Sicherheitslage sehr genau
und ergreife alle erforderlichen Maßnahmen, um die Liegenschaften zu
schützen.
Auch das Landeskommando Baden-Württemberg hat Schutzkonzepte für
sicherheitsrelevante Grundstücke und Gebäude der Bundeswehr im
Südwesten. «Diese beziehen sich immer auf die Gegebenheiten vor Ort,
also darauf, welche Gefährdung existiert bzw. was vor Ort
schutzbedürftig ist», erläuterte der Sprecher. «An besonders zu
schützenden Standorten halten wir geschultes Personal und
Abwehrsysteme z.B. gegen Klein- und Kleinstdrohnen bereit.»
EnBW hat Mitarbeiter im Rahmen einer Aufklärungs- und
Informationsmaßnahme für das Thema sensibilisiert. Durch neue
Gesetzgebung muss der drittgrößte Energieversorger in Deutschland
darüber hinaus für die wichtigsten Einrichtungen geeignete
Schutzmaßnahmen sicherstellen. «Ziel muss sein, in einem engen
Schulterschluss von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft einen
umfassenden und einheitlichen Schutzschirm über die für die
Versorgung der Bevölkerung Kritischen Infrastrukturen zu spannen»,
hieß es.
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