Breite Ablehnung zu Gebühr für Praxisbesuche
Um die Milliardenkosten für die medizinische Versorgung zu bremsen,
schlagen Ärzte und Kliniken mehr finanzielle Eigenbeteiligung vor -
das stößt auf Widerspruch.
Berlin (dpa) - Patientenvertreter und Krankenkassen weisen Rufe nach
neuen oder höheren Gebühren für Praxisbesuche und Klinikaufenthalte
scharf zurück. «Patienten und gesetzlich Krankenversicherte sind
schon jetzt die Melkkühe der Nation», sagte der Vorstand der
Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutschen
Presse-Agentur. Zusatzbeiträge, Zuzahlungen, Eigenbeteiligungen und
Selbstzahlerleistungen spülten jährlich mehrere zehn Milliarden Euro
in die Kassen auch der ambulant-ärztlichen Versorgung.
«Die Kosten steigen, weil allein die Praxen in diesem Jahr ein
Einnahmen-Plus von fast zehn Prozent zu verzeichnen haben», sagte
Brysch. Doch Qualität spiele dabei keine Rolle. «Weiterhin wird für
gute oder schlechte Leistung das gleiche Geld bezahlt.» Der
Sozialverband Deutschland nannte Forderungen nach einer
«Kontaktgebühr» für Arztbesuche unsolidarisch und sozial ungerecht.
«Sie würde besonders chronisch kranke Menschen und Menschen mit
geringem Einkommen treffen, die auf eine verlässliche medizinische
Versorgung angewiesen sind», sagte Vorstandschefin Michaela
Engelmeier.
Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen,
hatte sich in der «Bild» für eine Kontaktgebühr für Praxisbesuche
ausgesprochen, die bei drei oder vier Euro liegen könnte. Die
Klinikbranche brachte eine Verdoppelung der Zuzahlungen für
Krankenhausaufenthalte ins Gespräch.
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen
kritisierte, der stete Ruf aus der Ärzteschaft nach einer
Extra-Gebühr nur dafür, dass man überhaupt Kontakt zu einem Arzt oder
einer Ärztin habe, sei ein offenkundiges Ablenkungsmanöver. «Statt
über Reformen zu sprechen, die dann auch die Ärzteschaft betreffen
würden, wird auf die Patientinnen und Patienten verwiesen», sagte
Sprecher Florian Lanz. Das Gesundheitssystem gebe pro Tag mehr als
eine Milliarde Euro aus. Da brauche es keine zusätzlichen Einnahmen,
sondern Reformen, die den extremen Ausgabenanstieg sinnvoll bremsten.
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