Kassenärzte-Chef für Gebühr bei Praxisbesuch

Wie sind steigende Milliardenkosten für die medizinische Versorgung
zu begrenzen? Vorschläge von Ärzten und Kliniken zielen auf die
Patienten.

Berlin (dpa) - Angesichts steigender Kosten im Gesundheitswesen
flammt die Debatte über neue oder höhere Patienten-Zahlungen aus
eigener Tasche wieder auf. Der Chef der Kassenärztlichen
Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, fordert eine «Kontaktgebühr»

bei Praxisbesuchen. «Sie könnte, wie zum Beispiel in Japan, bei drei
oder vier Euro liegen und sollte von den Krankenkassen eingezogen
werden», sagte er «Bild». Die Klinikbranche brachte eine Verdoppelung

der Zuzahlungen für Krankenhausaufenthalte ins Gespräch.

Forderungen nach neuen Gebühren, die auch die Zahl der Arztbesuche
senken sollen, kommen bereits von mehreren Seiten. So schlug die
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) eine
«Kontaktgebühr bei jedem Arztkontakt» vor. Dies würde eine bessere

Steuerungswirkung entfalten als die einstige allgemeine Praxisgebühr.
Die Zahl unnötiger Arztbesuche und «Ärzte-Hopping» könnten vermie
den
und damit Wartezeiten verkürzt und Praxen entlastet werden, hieß es
in einem BDA-Positionspapier von Oktober.

Frühere Praxisgebühr kein Vorbild?

Eine generelle Praxisgebühr von 10 Euro pro Quartal hatte es für
gesetzlich Versicherte von 2004 bis 2012 gegeben. Sie brachte rund
zwei Milliarden Euro pro Jahr ein. Auch viele Ärztinnen und Ärzte
kritisierten aber den Aufwand, die Gebühr am Praxistresen
einzukassieren. Gassen sprach sich denn auch «statt einer
Praxisgebühr» für eine Gebühr aus, die die Kassen einziehen. Sie
müsse zudem «sozial verträglich gestaltet werden, damit niemand
überfordert wird».

Der KBV-Chef schlug zudem einen «digitalen Ärzte-Lotsen für
Patienten» vor, um zu mehr Effizienz zu kommen. «Durch eine solche
Koordination für Patienten könnten unnötige Doppel- und
Dreifachbehandlungen verhindert werden.» Die schwarz-rote Koalition
will ein verbindliches System einführen, bei dem Patienten primär in
eine Hausarztpraxis gehen, die sie bei Bedarf - und mit einem Termin
in einem bestimmten Zeitraum - an Fachärzte überweist.

Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte kürzlich erläutert,
dass es für einen solchen gezielteren Zugang zu Terminen «weitere
Steuerungselemente» brauchen werde. Dies könne ein Bonus sein, wenn
man sich daran hält oder eine Gebühr, wenn man doch direkt zum
Facharzt geht. Warken machte aber deutlich, dass es keine allgemeine
Praxisgebühr für Arztbesuche bedeuten soll, wie sie es einmal gab.
Dies sei damals «sehr bürokratisch» gewesen.

Höhere Zuzahlung bei Krankenhausaufenthalten?

Von den Kliniken kommen ebenfalls Forderungen nach mehr
Eigenbeteiligung. Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft,
Gerald Gaß, sagte der «Bild»: «Die Zuzahlung bei
Krankenhausaufenthalten sollte verdoppelt werden: von zehn auf 20
Euro am Tag. Das ist angemessen.» Das bringe den Kassen rund 800
Millionen Euro im Jahr. Auch wer künftig ohne Kontaktaufnahme und
Beratung durch eine Leitstelle Notfallzentren in Krankenhäuser komme,
sollte dafür eine Gebühr bezahlen. «Ich finde 30 bis 40 Euro
angemessen», sagte er. 

Regierung plant große Reform

Die Bundesregierung will im neuen Jahr eine große Reform angehen.
Ziel ist, den immer schnelleren Ausgabenanstieg für die Versorgung zu
begrenzen und weitere Beitragsanhebungen zu vermeiden. Eine
Expertenkommission soll bis März Vorschläge zur Stabilisierung ab dem
Jahr 2027 vorlegen. Bis Ende 2026 sollen weitergehende
Reformvorschläge folgen.

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