Ministerium: Keine verstärkte Ausbreitung von «Pseudowut»

Jagdhunde wurden eingeschläfert, weil sie sich bei Schwarzwild mit
einer auch Pseudowut genannten Krankheit angesteckt haben. Neue
Untersuchungen zeigen aber kein stärkeres Infektionsgeschehen.

Parchim (dpa/mv) - Die jüngsten Infektionen von Jagdhunden mit der
Aujeszkyschen Krankheit durch Wildscheinkontakt sind laut
Untersuchungen kein Zeichen einer verstärkten Ausbreitung. Die
aktuellen Ergebnisse deuteten nicht auf eine neue oder
außergewöhnliche Entwicklung hin, teilte das Schweriner
Landwirtschaftsministerium mit. Vielmehr bestätigten sie ein seit
Jahren bekanntes Vorkommen des Erregers im Wildschweinbestand.

230 Blutproben von Wildschweinen wurden untersucht

Die beiden Landkreise Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg
hatten jüngst über Jagdhunde berichtet, die eingeschläfert werden
mussten. Laut Ministerium infizierten sich zuletzt in beiden
Landkreisen insgesamt vier Hunde mit bestätigtem direkten Kontakt zu
Wildschweinen.

Das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und
Fischerei (LALLF) habe daraufhin 230 Blutproben von Wildschweinen aus
dem Landkreis Ludwigslust-Parchim untersucht. Bei 26 Tieren konnten
demnach Antikörper gegen die Krankheit im Blut nachgewiesen werden,
was einem Anteil von 11,3 Prozent entspreche.

Für den Menschen ungefährlich

Der Anteil entspricht den Angaben zufolge Ergebnissen aus der
Vergangenheit. In den Jahren 2007/2008 hatten demnach rund 9,0
Prozent der untersuchten Wildschweine entsprechende Antikörper, im
Jahr 2011 waren es 12,4 Prozent. 

Die Aujeszkysche Krankheit ist demnach eine Virusinfektion, die vor
allem Schweine betrifft. Deutschland gelte seit 2003 offiziell als
frei von der Krankheit bei Hausschweinen, heißt es. Das Virus komme
jedoch weiterhin bei Wildschweinen vor. Diese zeigten in der Regel
keine Krankheitsanzeichen. Einmal infiziert blieben sie aber
lebenslang Virusträger. «Das Virus verbleibt in Nervenzellen und kann
unter Stressbedingungen reaktiviert und ausgeschieden werden.»

Für andere Säugetiere, insbesondere Hunde, verlaufe eine Infektion
jedoch immer tödlich. Die Ansteckung erfolge meist durch direkten
Kontakt mit infizierten Wildschweinen oder das Verfüttern etwa von
rohem Wildschweinfleisch. Menschen sind laut
Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) nicht empfänglich für das Virus.

Auch Pseudowut genannt

Laut FLI ähneln die Symptome insbesondere bei Fleischfressern der
Tollwut - deswegen werde die Krankheit auch Pseudowut genannt. Das
zentrale Nervensystem werde in kurzer Zeit sehr stark beschädigt.
Nach vier bis sieben Tagen treten demnach starke entsprechende
Symptome auf. Das Hauptsymptom sei starker Juckreiz, meist von den
Ohren ausgehend. Dieser könne so stark sein, dass die Tiere durch
Scheuern teils Knochen blank legen oder sich selbst verstümmeln.
Andere Symptome seien Benommenheit und Unkoordiniertheit,
Verweigerung des Futters, gelegentlich permanentes Bellen
beziehungsweise Unruhe und Angst.

Das Risiko, dass sich ein Hund bei einem infizierten Hund anstecke,
sei rein theoretischer Natur. Bislang ist laut FLI kein derartiger
Fall bekannt.

«Die aktuellen Untersuchungsergebnisse zeigen, dass wir es mit einer
bekannten und seit Jahren beobachteten Situation zu tun haben»,
erklärte der Schweriner Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD).
«Dennoch nehmen wir jeden Nachweis sehr ernst. Ich appelliere
insbesondere an Jägerinnen und Jäger, ihre Hunde konsequent vor dem
Kontakt mit Schwarzwild zu schützen und keinerlei rohes
Wildschweinfleisch oder Aufbruchmaterial zu verfüttern. Das ist der
wirksamste Schutz für Jagdhunde.»

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