«Wie Zombies» - Prozess um Drogen in Champagnerflasche
Ein Abend mit verheerendem Ende: In einem Lokal befindet sich statt
Champagner die Droge MDMA in einer Flasche. Ein Mann stirbt nach dem
Trinken, andere kämpfen um ihr Leben.
Weiden (dpa) - Wahnvorstellungen, Muskelzittern, Übelkeit, Krämpfe,
Bewusstlosigkeit: Im sogenannten Champagner-Fall haben mehrere Opfer
vor dem Landgericht Weiden von den gravierenden Folgen berichtet. Sie
hatten im Februar 2022 in einem Lokal Champagner bestellt,
stattdessen aber die flüssige Droge MDMA ausgeschenkt bekommen. Ein
Mann starb. Sieben weitere Gäste, die tranken, wurden teils
lebensgefährlich verletzt. Bis heute kämpfen sie mit gesundheitlichen
Problemen.
Von «Horror» spricht ein Zeuge, wenn er an jene Nacht zurückdenkt.
Sichtlich aufgewühlt erzählt er, wie sich die Ereignisse
überschlugen, wie rundherum Panik ausbrach, Betroffene sich nicht
mehr auf den Beinen halten konnten, wie er versuchte, sich zu
übergeben, Halluzinationen bekam und um sein Leben fürchtete. «Ich
wusste nicht, ob ich das überlebe.» Als er noch auf einen Sanitäter
wartete, sei ein Bekannter auf einer Trage vorbeigetragen worden.
Später habe er erfahren, dass der es nicht geschafft hatte.
Dass mit dem Getränk etwas nicht stimmte, sei ihnen zuvor nicht
aufgefallen, sagten die Zeugen. Nebenbei sei der Fernsehapparat
gelaufen, sie hätten auf den Auftritt ihres Freundes gewartet und
parallel dazu angestoßen. Die Schampus-Flasche wie auch die Gläser
seien nicht transparent, sondern blickdicht gewesen.
Halluzinationen und Muskelkrämpfe
Auch Nicole Bock ist eine aus der Clique. Sie ist an dem Prozess als
Nebenklägerin beteiligt. Wie «Zombies» sollen sie ausgesehen und sich
sehr verrenkt haben, sagte sie. Das hätten ihr später Zeugen erzählt,
die den Vorfall in dem Lokal miterlebten. Sie und andere Betroffene
hätten damals starke Krämpfe und Muskelzittern erlitten.
Als sie den ersten Schluck im Mund hatte, sei ihr sofort klar
gewesen, dass etwas nicht stimmt. Sie berichtet von einem modrigen,
sauren Geschmack. Beim Blick in das Glas sei ihr dann die
bräunlich-lila Farbe des Getränkes aufgefallen. Sie habe Herzrasen
verspürt und sei auf die Toilette gerannt, um sich zu übergeben. Sie
habe sich am Fenstergriff festgehalten, gezittert, viele Lichter
gesehen und Stimmen gehört, sei kollabiert. Erst auf der
Intensivstation sei sie aufgewacht. Auch im Krankenhaus habe sie
Halluzinationen gehabt.
Ein Arzt habe ihr gesagt, sie hätten nicht gedacht, dass sie das
überleben würde. Sie könne ihren zweiten Geburtstag feiern. Bis heute
kämpfe sie mit den Folgen, habe Muskelschmerzen, Sehstörungen,
Panikattacken und sei sowohl in Physio- wie in Psychotherapie. Ihren
früheren Beruf als Kommunikationscoach habe sie aufgeben müssen.
Auf Rollstuhl angewiesen
Dauerhafte Schäden hat auch die 41-jährige Carola Potrz erlitten. Sie
war an jenem Abend zufällig zu der Gruppe gestoßen, weil sie drei der
Leute kannte, als sie in das Lokal kam. Nach dem ersten Schluck habe
sie direkt zu einer Freundin gesagt: «Wir sind vergiftet.» Da habe
sie in das Glas geschaut und die dunkle Farbe der Flüssigkeit
bemerkt. Mehrere Betroffene seien zur Toilette gelaufen. Sie habe
Panik und Herzrasen bekommen, sei ins Freie gegangen, habe laut
geschrien, sei zurück ins Lokal, wo eine Frau bereits
zusammengebrochen war.
Als sie realisiert habe, dass sie die Flüssigkeit getrunken hatte und
nichts mehr tun könne, habe sie Todesangst gehabt, sie habe an ihre
Kinder gedacht. «Ich dachte in der Nacht: Ich sterbe.» Sie habe ihr
Handy nicht mehr halten können und das Gefühl gehabt, ihre Arme und
Beine würden sich auflösen. Dann reiße ihre Erinnerung ab, später s
ei
sie in der Uniklinik Regensburg aufgewacht. Dort sei eine Hirnblutung
festgestellt worden.
Heute ist die 41-Jährige berufsunfähig und auf den Rollstuhl sowie
auf Hilfe im Alltag angewiesen. Sie könne nur noch kurze Strecken
gehen, bei kleinen Unebenheiten am Boden falle sie um. Bergauf oder
bergab könne sie auch nicht gehen. Ihre Muskeln versteiften sich
immer wieder, sie bekomme Krämpfe. Dann brauche sie den Rollstuhl.
Autofahren könne sie nicht mehr. Früher sei sie fit gewesen. Aber sie
schaue nach vorn, sagt sie. Ihre Kinder seien 19 und 15 Jahre alt.
«Aufgeben ist keine Option.»
Champagnerflasche zur Drogentarnung
Angeklagt ist ein 46 Jahre alter Niederländer. Die Staatsanwaltschaft
legt ihm fahrlässige Tötung und bandenmäßigen Drogenhandel zur Last
.
Die Verteidiger hatten zu Prozessbeginn die Vorwürfe gegen ihren
Mandanten zurückgewiesen. Der Anklage nach soll er Mitglied einer
Gruppe sein, die in großen Mengen MDMA - bekannt als Wirkstoff der
Droge Ecstasy - produziert haben soll, um es im In- und Ausland zu
verkaufen.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Champagnerflaschen
von Drogenhändlern zur Tarnung verwendet und in einem Lager
aufbewahrt wurden. Der Angeklagte soll die Rolle des Logistikers
gehabt haben. Mehrere Flaschen seien jedoch aus dem Lager gestohlen
worden und über Umwege in den Handel und eine in das Restaurant in
Weiden geraten.
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