Leitlinie: Autofahren ist für Diabetiker heute viel sicherer

Dank moderner Technik können Diabetiker ihren Glukoseverlauf
kontinuierlich anzeigen lassen. Das wirke sich auch auf die
Fahrtüchtigkeit von Betroffenen aus, so die Deutsche Diabetes
Gesellschaft.

Berlin (dpa) - Die verbreitete Vorstellung, Menschen mit Diabetes
hätten am Steuer ein erhöhtes Unfallrisiko, ist nach Einschätzung der

Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) überholt. Die Fachgesellschaft
hat nun nach eigenen Angaben ihre Leitlinie «Diabetes und
Straßenverkehr» entsprechend aktualisiert. Die Leitlinie richtet sich
an Menschen mit Diabetes, behandelnde Teams, Behörden sowie
Gutachterinnen und Gutachter. 

Risiko für Unterzuckerung deutlich gesunken

Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes erhalten heute Medikamente, die
keine Unterzuckerungen auslösen, wie es zur Begründung in einer
DDG-Mitteilung heißt. Bei insulinpflichtigen Menschen kämen immer
häufiger Systeme zum Einsatz, die den Glukoseverlauf kontinuierlich
anzeigten oder die Insulinabgabe automatisiert anpassten. Warnsignale
machten kritische Werte früh sichtbar.

«Diese Fortschritte haben die Stoffwechselkontrolle grundlegend
verändert», erklärte ein Mitautor der Leitlinie, der Mediziner
Friedhelm Petry. Eine Unterzuckerung bleibe zwar das größte Risiko im
Straßenverkehr. Die Zahl solcher Ereignisse sei durch moderne Technik
und Schulungen aber deutlich gesunken. 

DDG: Einschränkungen für bestimmte Berufe sind veraltet

Die Leitlinie empfiehlt Diabetikern, vor dem Losfahren ihren
Glukosewert zu prüfen und nur dann zu starten, wenn er ausreichend
hoch ist. Menschen mit kontinuierlicher Glukosemessung sollten die
Warnfunktionen aktiviert haben. Bei kritischen Werten sollten
Betroffene die Fahrt unterbrechen und ihren Glukosewert
stabilisieren.

In der Leitlinie geht es auch um berufliche Einschränkungen für
Diabetikerinnen und Diabetiker. Regeln, die Menschen mit Diabetes von
bestimmten Tätigkeiten etwa bei Polizei, Feuerwehr oder im Flug- und
Schifffahrtsverkehr ausschlössen, basierten auf veralteten
Einschätzungen, heißt es. «Viele berufsbezogene Vorgaben stammen aus

einer Zeit, in der Glukosemessungen nur wenige Momentaufnahmen
lieferten», betonte Leitlinien-Koordinator Wolfgang Wagener. Eine
Person aufgrund der Erkrankung pauschal auszuschließen, sei
medizinisch nicht mehr gerechtfertigt und daher diskriminierend.

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