Mutter von Rouven Laur unter Tränen: «Er hatte keine Chance» Von Stefanie Järkel, dpa
Der Polizist Rouven Laur wurde im Mai 2024 bei einer Messerattacke
auf dem Mannheimer Marktplatz tödlich verletzt. Nun sprechen seine
Mutter und Schwester vor Gericht - und zeigen ihren Schmerz.
Stuttgart (dpa) - Petra Laur trägt Schwarz während sie über ihren
toten Sohn spricht. Die 65-Jährige beschreibt Rouven Laur als
beliebten jungen Mann, der sportlich war, gerne kochte und sich mit
seiner Arbeit als Polizist identifizierte. «Er war das Ideal für
diesen Beruf, er hatte Disziplin und ist dabei Mensch geblieben»,
sagt sie im Verfahren nach der tödlichen Messerattacke auf dem
Mannheimer Marktplatz. Während sie spricht, bricht ihr mehrfach die
Stimme. «Es fehlen mir so sehr meine Gespräche mit ihm.» Sie bricht
in Tränen aus.
Ihr Sohn wurde bei der Messerattacke auf dem Mannheimer Marktplatz am
31. Mai 2024 tödlich verletzt. Der 29-Jährige wurde mutmaßlich das
Opfer des Angeklagten Sulaiman A. - einem heute 26-jährigen Afghanen,
der nach der Flucht aus seiner Heimat 2013 nach Deutschland kam. Seit
Februar läuft das Verfahren gegen A. vor dem Oberlandesgericht
Stuttgart. Die Anklage lautet auf Mord und versuchten Mord in fünf
Fällen sowie gefährliche Körperverletzung.
«Alles war so schrecklich und unwirklich»
Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft verletzte der Angeklagte bei
dem Angriff in Mannheim sechs Menschen mit einem Messer, fünf
Teilnehmer einer Kundgebung der islamkritischen Bürgerbewegung Pax
Europa (BPE) sowie Rouven Laur. Der Beamte starb zwei Tage später an
seinen schweren Verletzungen. Der Angeklagte hatte mit seiner Frau
und den zwei kleinen Kindern bis zur Tat im hessischen Heppenheim
gelebt - rund 35 Kilometer nordöstlich von Mannheim.
Petra Laur erzählt, wie der Arzt sie im Krankenhaus nach der Tat
darüber informierte, dass Rouven nicht überleben werde. «Alles war so
schrecklich und unwirklich», sagt die Mutter. «Es fühlte sich an, als
würde ich ins Bodenlose fallen.» Zwei Tage blieb die Familie bei ihm,
bis der 29-Jährige starb. «Es war ein aussichtsloser Kampf, er hatte
keine Chance.»
Schwester Eve ist nun so alt wie ihr Bruder, als er starb
Rouvens Schwester Eve Laur spricht ebenfalls unter Tränen von ihrem
Bruder. «Rouven war ein unglaublich wichtiger Teil meines Lebens, und
mein Verstand will es auch nach mehr als einem Jahr nicht verstehen,
dass er nicht mehr da ist», sagt die 29-Jährige im schwarzen
Hosenanzug, die blonden Haare im Pferdeschwanz. Seit Kurzem erst ist
Eve Laur so alt wie ihr Bruder, als er starb.
Rouven sei einer der intelligentesten Mensch gewesen, die sie gekannt
habe, habe gerne diskutiert, habe zu fast allen Themen eine
durchdachte Meinung gehabt, sagt sie. Er habe andere inspiriert, habe
Arabisch gelernt, um Dinge besser zu verstehen.
Der jungen Frau bricht die Stimme
Der Tod ihres Bruders habe auch ihr Leben komplett verändert. «Mein
Bruder, der mich mein ganzes Leben begleitet hat, ist einfach nicht
mehr hier.» Während ihres Vortrags bricht der jungen Frau immer
wieder die Stimme. Sie seien nicht nur Geschwister, sondern auch
Freunde gewesen, sagt sie. Sie hätten sich gegenseitig unterstützt.
Rouven habe ihr beim Umzug geholfen, ihre Masterarbeit gegengelesen,
sie abends nach Partys abgeholt. «Wenn ich mal nicht weiterwusste,
hat er mir geholfen, die Dinge nicht so schwer zu sehen.» Er habe sie
etwa dafür regelmäßig beim Kleiderkauf um ihre Meinung gebeten.
Während sie spricht, hält ihr Vater Ralf die Hand seiner Frau. Von
Besuchern des Verfahrens ist immer wieder leises Schniefen zu hören.
Forderung nach lebenslanger Haft und Sicherungsverwahrung
Die Bundesanwaltschaft hat eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes
und versuchten Mordes gefordert. Außerdem forderte sie die
Feststellung der besonderen Schwere der Schuld bei dem 26-jährigen
Angeklagten. Damit wäre eine vorzeitige Haftentlassung so gut wie
ausgeschlossen.
Die Anwälte der Familie Laur forderten zusätzlich dazu die Anordnung
der Sicherungsverwahrung. Diese dient dazu, die Allgemeinheit vor
Straftätern zu schützen, die ihre Strafe bereits verbüßt haben, abe
r
weiter als gefährlich gelten.
Die Bundesanwaltschaft sieht es als erwiesen an, dass der Angeklagte
sich über Jahre vor der Tat radikalisierte und sich mit der
Terrormiliz Islamischer Staat (IS) identifizierte. Er habe nicht nur
den Islamkritiker Michael Stürzenberger von der BPE töten wollen,
sondern so viele Islamkritiker und «vermeintlich Ungläubige» wie
möglich.
Mitte September könnte ein Urteil verkündet werden
Am Donnerstag und Freitag plädieren noch die Verteidiger des
Angeklagten. Diese wollen nach eigener Aussage für den Angeklagten
eine lebenslange Haft wegen Mordes fordern. Mitte September könnte
ein Urteil verkündet werden.
«Kein Urteil dieser Welt kann uns Rouven wiederbringen», sagt Eve
Laur. Aber die Familie hoffe auf ein Urteil, das dafür sorge, dass
der Angeklagte nie wieder eine solche Tat begehen könne - und keiner
anderen Familie ein solches Leid zugefügt werde. «Ich werde nie
verstehen, wie jemand, der selbst eine Familie hat, zu so einer
Grausamkeit fähig ist.»
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