Pharmahersteller will Zulassung von Abnehmpille beantragen

Eine neue Wirkstoffgruppe hilft bei Diabetes und Fettleibigkeit.
Bisher gab es solche Medikamente überwiegend als Spritze. Nun legt
ein Hersteller Daten zu einer Abnehmpille vor.

Berlin (dpa) - Die Nachfrage nach Abnehmspritzen wie etwa Wegovy ist
riesig - nun könnte im kommenden Jahr zudem eine Abnehmpille auf den
Markt kommen. Der US-amerikanische Pharmakonzern Eli Lilly hat
Ergebnisse einer Phase-3-Studie zu dem Wirkstoff Orforglipron
vorgelegt und will bis Ende des Jahres die Zulassung des Medikaments
beantragen. Die Tablette soll nach Unternehmensangaben eine
Alternative bieten zu den Injektionstherapien. In einer
Fachzeitschrift sind die Resultate noch nicht erschienen.

Bei Orforglipron handelt es sich - wie bei den bereits zugelassenen
Spritzen - um sogenannte GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA). Sie
werden zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und sind teils auch zur
Behandlung von Fettleibigkeit und Übergewicht zugelassen. Die
Medikamente aus der relativ neuen Wirkstoffklasse sind sehr populär. 

Studienteilnehmer verloren 12,4 Prozent ihres Gewichtes

In der Phase-3-Studie wurde Orforglipron nach Angaben des
Unternehmens Eli Lilly bei 3.127 Erwachsenen mit Adipositas oder
krankhaftem Übergewicht, aber ohne Diabetes geprüft. Sie muss einmal
am Tag eingenommen worden, getestet wurden Dosierungen zwischen 6 und
36 Milligramm. In der höchsten Dosierung verloren die Teilnehmenden
nach 72 Wochen im Mittel 12,4 Prozent ihres Gewichtes. Jene, die
einen Placebo eingenommen hatten, nahmen 0,9 Prozent ab. 

Häufigste Nebenwirkungen waren den Angaben zufolge Übelkeit,
Verstopfung, Durchfall und Erbrechen. Magen-Darm-Beschwerden werden
auch als Nebenwirkungen der Abnehmspritzen genannt. 

Zwar gibt es mit dem Präparat Rybelsus schon ein orales Medikament
auf dem Markt - es ist aber nur zur Behandlung von Diabetes Typ 2
zugelassen, aber nicht zum Abnehmen bei krankhaftem Übergewicht. In
Studien wurde mit diesem Präparat, das von dem dänischen Hersteller
Novo Nordisk stammt, eine Gewichtsabnahme von etwa 15 Prozent
erreicht.

Diabetologe hält neue Pille nicht für «Durchbruch»

Fachleute reagieren auf die Resultate zurückhaltend: «Ist das der
Durchbruch bei der Adipositasbehandlung? Wohl eher nicht, denn die
grundsätzlichen Probleme der GLP-1 basierten Gewichtsabnahme werden
sich durch eine orale Gabe nicht ändern», sagte Stephan Martin,
Chefarzt für Diabetologie und Direktor des Westdeutschen Diabetes-
und Gesundheitszentrums (WDGZ). Ein Problem sei der Jo-Jo-Effekt beim
Absetzen der Medikamente. Ob man einen Wirkstoff einmal die Woche
spritze oder täglich als Tablette nehme, spiele dabei eine
untergeordnete Rolle. 

Der Stoffwechselmediziner Stefan Kabisch vom Deutschen Zentrum für
Diabetesforschung (DZD) kritisierte, in der Studie sei die Therapie
mit der Abnehmpille lediglich mit einem Placebo verglichen worden. Es
gebe aber auch «hochwirksame Ernährungstherapien». Diese seien unter

gleichen Bedingungen ebenfalls in der Lage, einen solch starken
Gewichtsverlust zu erzielen.

Übergewicht begünstigt viele chronische Krankheiten

Übergewicht und Adipositas sind laut Robert Koch-Institut (RKI)
Mitursache für viele Beschwerden und können die Entwicklung
chronischer Krankheiten wie Diabetes Typ 2 oder von
Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Durch die Zunahme von
Adipositas bei Menschen in Deutschland und den damit verbundenen
Folgeerkrankungen entstehen beträchtliche Kosten für das Gesundheits-
und Sozialsystem. Im Jahr 2019 waren in Deutschland mehr als die
Hälfte der Erwachsenen übergewichtig oder adipös.

Die Abnehmspritzen sind auch vor diesem Hintergrund sehr begehrt. Vor
einem Jahr hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und
Medizinprodukte (BfArM) auf zeitweilige Versorgungsengpässe
hingewiesen. Apotheker berichteten darüber hinaus von
Rezeptfälschungen, mit denen versucht worden sei, an solche Präparate
zu gelangen.

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