Woher kommt welcher Krach? Von Christian Schultz, dpa
Welche Lärmquellen belasten Rheinland-Pfälzer am meisten und wo? Ein
laut Landesregierung bundesweit einmaliger Atlas soll bald mehr
Transparenz bringen. Gelöst sind Probleme damit aber noch nicht.
Mainz (dpa/lrs) - Ob das Flugzeug am Himmel, ein Industriebetrieb in
der Nachbarschaft, eine vielbefahrene Straße vor der Tür oder eine
nahe Schienenstrecke - ganz unterschiedlicher Lärm kann Menschen
belasten. Entsprechend komplex ist das Thema Lärmschutz. In
Rheinland-Pfalz soll ein neues Instrument künftig geballte
Informationen bereithalten, mit dem Ziel, Kommunen zu unterstützen
und Bürgerinnen und Bürger zu informieren.
Entstehen soll ein Lärmatlas für Rheinland-Pfalz als Übersicht über
Lärmquellen und Lärmbelastung im ganzen Land. Eine vorgeschaltete
Befragung unter Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzern ist
nach Angaben von Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) inzwischen
weitgehend abgeschlossen.
Institut durch frühere Studie in Rhein-Main bekannt
Für diese Befragung hatte das Ministerium das Hagener Zentrum für
angewandte Psychologie, Umwelt- und Sozialforschung (Zeus)
beauftragt. Das war einst für die 2015 vorgestellte und im
Rhein-Main-Gebiet vieldiskutierte Norah-Studie zuständig. Bei der
ging es um Auswirkungen des Lärms von Flug-, Schienen- und
Straßenverkehr auf die Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung
in einer Flughafenregion.
Die Untersuchung fand hauptsächlich am und um den Frankfurter
Flughafen statt, widmete sich dem Ausmaß an Lärmbelästigung und
Schlafstörungen sowie einer ganzen Reihe von Gesundheitsrisiken durch
Lärm. Aufgezeigt wurde etwa, dass Flugzeuglärm, Autos und Eisenbahnen
das Risiko für Depressionen und Herzschwäche erhöhen und insbesondere
Fluglärm die Leseleistung von Grundschulkindern verzögern kann. Ein
weiterer Schluss war Zeus zufolge, dass der Einfluss von Verkehrslärm
etwa auf den Blutdruck einem komplizierten Mechanismus folgt und
Ergebnisse hierzu nicht leicht zu interpretieren sind.
Mehr als 2.000 Antworten bei Befragung
Für die jüngste Befragung für den Lärmatlas wurden per Zufall
Meldedaten aus allen 36 Landkreisen und kreisfreien Städten in
Rheinland-Pfalz ausgewählt. Im Mai wurden rund 10.000 Personen aus
dem Land angeschrieben, wie Projektleiterin Julia Kuhlmann von Zeus
erklärt.
Möglich sei eine Online-Teilnahme an der Befragung gewesen oder die
Beantwortung eines Fragebogens in Papierform. Etwas später folgte ein
Erinnerungsschreiben an Personen, die bislang noch keine Rückmeldung
gegeben hatten. Aktuell laufe die Datenbereinigung, klar sei aber
schon, dass die verlangten rund 2.000 Antworten zusammengekommen
seien.
Gefragt wurde Kuhlmann zufolge nach Lärm aus verschiedenen Quellen,
etwa Straßen-, Flug- und Schienenverkehrslärm oder Lärm durch
Industrie, Gewerbe oder Truppenübungsplätze. Auch nach
Nachbarschaftslärm sei sich erkundigt worden und danach, wie sehr
sich die Menschen in den vergangenen zwölf Monaten durch die
verschiedenen Lärmquellen in ihrem Schlaf gestört fühlten.
Auswertung der Daten bis Jahresende
Darüber hinaus wurde erfasst, wie lange die Befragten schon an ihrem
Wohnort leben, es wurde nach dem Eigentumsstatus gefragt, ob sie also
in einem eigenen Haus oder einer eigenen Wohnung leben oder
Mieterinnen oder Mieter sind, welche Kenntnisse die Menschen von der
bisherigen Lärmkartierung oder Lärmaktionsplänen vor Ort haben und
wie zufrieden sie damit sind.
Die Auswertung der Befragungsdaten werde voraussichtlich bis Ende
dieses Jahres dauern, erklärt Kuhlmann. In einem weiteren
Folgeprojekt im Auftrag des Ministeriums soll die jeweilige
Lärmbelastung vor Ort berechnet werden. All die Erkenntnisse fließen
schließlich in den Lärmatlas ein. Ziel des Ganzen ist, eine Art
Gesamtlärm-Analyse zu bekommen, in der sich auch Mehrfachbelastungen
- also geballter Lärm und verschiedene Quellen - widerspiegeln.
«Wir machen da etwas Einmaliges in Deutschland», sagt Ministerin
Eder. Eine solche Analyse sei von Lärmbetroffenen immer gefordert
worden, nun werde sie erstellt. «Damit soll Transparenz hergestellt
werden. Das ist auch ein besonderer Service für Menschen, die
irgendwo hinziehen.» Auch soll der Atlas künftig helfen,
gesundheitliche Folgen von Lärmbelastung besser abschätzen zu können.
Und er soll dazu beitragen, die Kosten für Lärmschutzmaßnahmen den
Kosten durch lärmbedingte Krankheiten gegenüberstellen zu können.
Gemeinde- und Städtebund verweist auf Kosten
Das Allheilmittel sieht der Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz
darin nicht. «Es muss klar sein: Der Atlas allein löst keine Probleme
- er ist ein Werkzeug», sagt Geschäftsführer Moritz Petry. Ob
Lärmschutzwände, verkehrsberuhigte Zonen oder eine vorbeugende
Stadtplanung, all das sei mit erheblichen Kosten verbunden, die viele
Kommunen nicht allein tragen könnten.
Klar ist im Hinblick aufs Geld: Für den Atlas, eine amtliche
Lärmkartierung inklusive der Befragung und eine bereits ebenfalls
durch Zeus erfolgte Machbarkeitsstudie, gibt das Land Rheinland-Pfalz
nach Angaben des Ministeriums über fünf Jahre hinweg insgesamt bis zu
600.000 Euro.
«Damit daraus konkrete Verbesserungen für die Bürgerinnen und Bürge
r
entstehen, braucht es auch eine verlässliche Finanzierung der
notwendigen Maßnahmen vor Ort», betont Petry. Manchmal sei auch
passiver Lärmschutz, zum Beispiel mit Schallschutzfenstern,
effektiver als kommunale Maßnahmen.
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