Dicke Luft im Flieger: Das Pups-Problem Von Christiane Oelrich, dpa
Wer kennt das nicht: Kaum im Flugzeugsitz zurückgelehnt, kommt dicke
Luft: Viele Menschen müssen im Flieger mehr pupsen als am Boden. Das
hat etwas mit Flughöhe und Druck zu tun. Was tun?
Genf (dpa) - Schweiß, Mundgeruch, aufdringliches Parfüm - wer fliegt,
zumal in der engen Economy-Klasse, muss auf Tuchfühlung mit den
Sitznachbarn oft allerlei geruchliche Herausforderungen meistern.
Dazu kommt ein stinknormales Problem, über das wenig gesprochen wird:
der Flatus, zu Deutsch «das Abgehen von Gasen aus dem Darm über den
After», oder umgangssprachlich: der Pups.
Viele Passagiere kennen das: Kaum hat der Flieger eine gewisse
Flughöhe erreicht, drückt es zunehmend in den Gedärmen. Völlig
normal, sagt Gastroenterologin Birgit Terjung aus Bonn-Beuel der
Deutschen Presse-Agentur. «In der Höhe verändern sich die
Luftdruckverhältnisse, da sitzt die Luft im Darm lockerer und kann
entweichen», erklärt sie. Das passiere zwar auch am Boden mehrmals am
Tag, oft unbemerkt. «Aber wenn man im Flieger im eigenen Duft sitzt,
merkt man es womöglich eher.» Und womöglich auch die Sitznachbarn.
«Lass ihn fahren»
Eine Forschergruppe aus Dänemark hat dieses Phänomen schon einmal
wissenschaftlich betrachtet. Ihr Fazit, wenn die Winde im Gedärme zu
arg drücken: «Lass ihn fahren» - und daran hält Erstautor
Hans-Christian Pommergaard heute noch fest. Der dänische Chirurg mit
Schwerpunkt Leber arbeitet in Kopenhagen. Die Studie sei damals
durchaus mit einem humoristischen Touch entstanden. «Aber alles darin
ist faktisch korrekt. Wir haben aus wissenschaftlichen Studien
zitiert», sagt er der dpa.
In ihrem Papier, das 2013 in der Fachzeitschrift «New Zealand Medical
Journal» (NZMJ) erschien, haben die Autoren neben dem Fahrenlassen
noch einen anderen Vorschlag gemacht: Aktivkohle in den
Flugzeugsitzen. «Wir nutzen Aktivkohlefilter bei Patienten mit Stoma,
also künstlichem Darm- oder Harnausgang, um Gerüche zu absorbieren»,
sagt Pommergaard.
Der Unterwäsche-Pups-Test
Dass Aktivkohle sehr effektiv ist, um Pupsgerüche zu neutralisieren,
haben US-Forscher schon einmal bei einem Test mit Unterhosen
nachgewiesen. Sie füllten den Darm von Freiwilligen über einen
Schlauch mit Gasen, wie sie üblicherweise dort vorkommen, und
erfassten dann die Pupser. Das Ergebnis: «Das einzige Produkt, das
praktisch alle Schwefelwasserstoffgase adsorbierte, waren Slips aus
einem Gewebe aus Aktivkohlefasern», schrieben sie 2005 im «American
Journal of Gastroenterology» (AJG).
Die Sache mit der Aktivkohle in den Sitzen hält man beim
Flugzeughersteller Airbus aber für überflüssig. «Die
Kabinenluftzirkulation ist bereits so ausgereift, dass sie solche
Maßnahmen nicht erfordert», sagt eine Sprecherin auf Anfrage.
Airbus-Ingenieur Bruno Fargeon erklärt in einem Video, dass Luft im
Flugzeug alle zwei bis drei Minuten ausgetauscht wird, mit Frischluft
und gefilterter Luft. Von Pupsproblemen spricht er nicht direkt. Er
fasst es so: «Der Luftstrom wird von oben nach unten optimiert, um
stagnierende Luft zu entfernen und die Ausbreitung der Luft über die
verschiedenen Sitzreihen hinweg zu begrenzen.»
Rat: Wenig Luft schlucken
Die Lufthansa beschäftigt sich nicht mit dem Phänomen Pupsen an Bord.
«Zu diesem Thema ist uns nichts bekannt», teilt sie auf Nachfrage
mit. Bei Turkish Airlines wird das Thema ausführlich beleuchtet. Auf
ihrer Webseite gibt die Airline Tipps, wie man selbst vorbeugen kann:
Kräutertee statt Koffein vor dem Fliegen, oder langsam essen und
trinken. «Zu viel Luft zu schlucken, kann zu Blähungen führen.»
Gastroenterologin Birgit Terjung rät: «Lieber nicht am Flughafen noch
eine Pizza oder einen Burger essen, das liegt schwer im Magen, da
muss der Verdauungsprozess mehr angekurbelt werden.» Und das
bedeutet: mehr Gase. Kohlensäurehaltige Getränke können mehr Luft im
Darm verursachen, Alkohol lähme den Verdauungsprozess. «Tomatensaft
ist kein Problem», sagt Terjung.
Pommergaard und Kollegen haben sich in der Studie - wie gesagt, mit
dem humoristischen Touch - auch mit dem Dilemma des Piloten befasst.
«Wenn er einen Furz zurückhält, könnte das seine Konzentration
schmälern und seine Fähigkeit, das Flugzeug zu kontrollieren,
beeinflussen», schreiben sie. «Andererseits, wenn er furzt, könnte
der Copilot durch den Geruch beeinflusst sein, was auch die
Sicherheit an Bord reduzieren könnte.»
Das Dilemma der ersten Klasse
Sie haben auch Trost für die Economy Passagiere parat: In der ersten
Klasse sei die Lage womöglich noch schlimmer. Anders als die
einfachen Sitze «hinten» würden die Ledersitze vorn den Furz abstoß
en
und könnten nichts absorbieren.
Terjung rät: öfter mal im Gang auf- und abgehen, bei Druckgefühl den
Bauch von links nach rechts massieren.» Und wenn es nicht hilft? Sie
hält es mit Pommergaard: «Let it go, just do it.»
Online-Wechsel: In drei Minuten in die TK
Online wechseln: Sie möchten auf dem schnellsten Weg und in einem Schritt der Techniker Krankenkasse beitreten? Dann nutzen Sie den Online-Beitrittsantrag der TK. Arbeitnehmer, Studenten und Selbstständige, erhalten direkt online eine vorläufige Versicherungsbescheinigung. Die TK kündigt Ihre alte Krankenkasse.