Lungenkrebs-Früherkennung kommt - Was heißt das für Raucher? Von Mia Bucher, dpa
Jährlich erkranken rund 56.500 Menschen in Deutschland an
Lungenkrebs. Oft wird der Krebs erst spät diagnostiziert. Eine
kostenlose CT-Untersuchung für starke Raucher soll das ändern.
Berlin (dpa) - Langjährige starke Raucherinnen und Raucher können
künftig einmal im Jahr eine kostenlose Untersuchung zur Früherkennung
von Lungenkrebs in Anspruch nehmen. Ab April haben Betroffene
Anspruch auf die jährliche Untersuchung mittels
Niedrigdosis-Computertomographie (CT). Allerdings könnte es noch
etwas dauern, bis Termine flächendeckend verfügbar sind. Eine Auswahl
wichtiger Aspekte:
Wer kann die Lungenkrebs-Früherkennung nutzen?
Das Angebot richtet sich an starke Raucherinnen und Rauchern im Alter
von 50 bis 75 Jahren. Es geht nur um Zigaretten, nicht um andere
Tabakprodukte. Die Personen müssen mindestens 25 Jahre ohne lange
Unterbrechung geraucht haben und mindestens 15 Packungsjahre haben.
Die Packungsjahre errechnet man, indem man die Zahl der pro Tag
gerauchten Zigarettenpackungen mit der Zahl der Raucherjahre
multipliziert.
«Auch Ex-Raucher können an den Untersuchungen teilnehmen, insofern
sie nicht länger als zehn Jahre abstinent waren», erklärte Stefan
Sauerland vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im
Gesundheitswesen (IQWIG) dazu. Das IQWIG gibt auf seiner Website
ausführliche Hinweise.
Wie viele Menschen betrifft das?
Nach Angaben von Sauerland gibt es geschätzt zwei Millionen Menschen
in Deutschland, auf die die Kriterien zutreffen. Bislang konnten
Raucherinnen und Raucher nur eine Computertomographie machen lassen,
wenn sie Symptome hatten, zum Beispiel Bluthusten.
Ab wann kann das Angebot kostenlos genutzt werden?
Bis das neue Screening überall genutzt werden könne, sei noch etwas
Geduld erforderlich, erklärte Bernhard van Treeck, unparteiisches
Mitglied des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) und Vorsitzender des
Unterausschusses Methodenbewertung kürzlich. «Ärztinnen und Ärzte,
die bei den Versicherten die Voraussetzungen für eine
Screening-Teilnahme prüfen und anschließend an eine radiologische
Praxis überweisen dürfen, benötigen eine besondere Fortbildung.»
Radiologinnen und Radiologen bräuchten zusätzlich zur Fortbildung die
Genehmigung einer Kassenärztlichen Vereinigung, eine NDCT-Aufnahme
anfertigen und begutachten zu können.
Gab es die Untersuchung schon früher?
Theoretisch können Betroffene die CT-Untersuchung schon seit Juli
2024 in Anspruch nehmen - allerdings vorerst auf eigene Kosten.
Damals trat die Verordnung des Bundesministeriums für Umwelt,
Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz in Kraft, die
Grundlage für den GBA-Beschluss ist.
Wie können Betroffene am Screening teilnehmen?
Versicherte können sich an eine allgemeinmedizinische oder
internistische Praxis wenden, die sich an der
Lungenkrebs-Früherkennung beteiligt, wie der GBA erklärte. Die Ärztin
oder der Arzt klärt, ob die Kriterien auf die Person zutreffen.
Was sind die Vorteile?
Je früher Krebs entdeckt wird, desto höher sind die Chancen auf
Heilung und desto niedriger ist die Zahl der Todesfälle. Durch die
Niedrigdosis-CT kann Lungenkrebs nach Angaben des Deutschen
Krebsforschungszentrums (DKFZ) mit hoher Sicherheit erkannt werden,
bevor Krankheitszeichen auftreten.
«Wir wissen aus Studien, dass man durch die Früherkennung 20 Prozent
der Krebstodesfälle in dieser Zielgruppe vermeiden könnte», sagte
Sauerland. Wenn alle zur Früherkennung gehen würden, könnten dem Arzt
zufolge in Deutschland bis zu 1.000 Krebstodesfälle pro Jahr
verhindert werden.
Ohne eine Früherkennung wird Lungenkrebs nach Angaben des
Universitätsprofessors in drei Viertel der Fälle erst in einem
fortgeschrittenen Stadium festgestellt. Die Prognose ist dann in der
Regel schlecht. «In den folgenden fünf Jahren sterben rund 80 Prozent
dieser Menschen.»
Gibt es Risiken?
Wie bei jeder Röntgenuntersuchung gibt es bei der CT-Untersuchung
eine Strahlenbelastung, die möglicherweise selbst zur Entstehung von
Krebs beitragen kann. Das Bundesamt für Strahlenschutz schätzt, dass
bei weniger als 3 von 1.000 Frauen und bei rund 1 von 1.000 Männern
innerhalb von 25 Jahren Krebs entsteht. Im Verhältnis zur normalen
Krebsinzidenz sei das aber akzeptabel, sagte Sauerland.
Außerdem sei möglich, dass es falsch-positive Ergebnisse gebe und
verdächtige Veränderungen sich am Ende als gutartig herausstellen.
Patienten müssten sich dann möglicherweise einer Untersuchung
unterziehen, etwa einer Biopsie, obwohl das nicht nötig gewesen wäre.
Insgesamt überwiegt für die Zielgruppe der Nutzen die Risiken, so die
Einschätzung des Bundesamts für Strahlenschutz. Dafür sei aber ein
stringentes Qualitätsmanagement für den gesamten
Früherkennungsprozess und eine regelmäßige Evaluation der Maßnahme
wichtig.
Wie viele Menschen erkranken jährlich an Lungenkrebs?
Jedes Jahr erkranken nach Angaben des DKFZ rund 56.500 Menschen in
Deutschland an Lungenkrebs. Bei Männern ist Lungenkrebs demzufolge
mit rund 28.000 Verstorbenen pro Jahr die häufigste
Krebs-Todesursache. Bei Frauen ist es mit 17.000 Todesfällen die
zweithäufigste.
In Deutschland seien bei Männern vermutlich neun von zehn, bei Frauen
mindestens sechs von zehn Lungenkrebserkrankungen auf das aktive
Rauchen zurückzuführen.
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