Hälfte der Erwachsenen in Deutschland für legales Kiffen Von Thomas Strünkelnberg, dpa

Unionspolitiker sehen im Cannabisgesetz der gescheiterten Ampel einen
Irrweg, auf dem sie nicht weitergehen wollen. Aber wie beurteilen das
die Menschen im Land? Vor allem eine Frage drängt sich auf.

Hannover (dpa) - Legal kiffen oder besser nicht? Die Mehrheit der
Erwachsenen in Deutschland spricht sich einer neuen Umfrage zufolge
dagegen aus, die Teillegalisierung von Cannabis zurückzunehmen. Zuvor
hatten sich Unionspolitiker für eine Reform oder eine Rückabwicklung
des Cannabisgesetzes starkgemacht.

55 Prozent gegen Abschaffung des Gesetzes

Mehr als die Hälfte der Befragten, immerhin 55 Prozent, hält die
Teillegalisierung von Cannabis für richtig und ist gegen eine
Rücknahme des Gesetzes. Das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag der
KKH Kaufmännische Krankenkasse, die der Deutschen Presse-Agentur
vorliegt. Für die Abschaffung des Cannabisgesetzes votierten 36
Prozent der Befragten.

Für die repräsentative Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut
Forsa vom 12. bis 18. Februar 2025 online bundesweit 1.012 Menschen
im Alter zwischen 18 und 70 Jahren. Seit April 2024 ist in
Deutschland der nicht medizinische Cannabiskonsum für Volljährige mit
zahlreichen Beschränkungen legal. Erlaubt ist der Anbau von bis zu
drei Pflanzen in Privatwohnungen, aufbewahren darf man bis zu 50
Gramm Cannabis. Nicht-kommerzielle Anbauvereinigungen mit Lizenz
dürfen gemeinschaftlich Cannabis für den eigenen Konsum anbauen. 

Union beurteilt Gesetz skeptisch

Allerdings geht das Cannabisgesetz Unionspolitikern gegen den Strich:
Das Gesetz der Ampel-Koalition sei ein gefährlicher Irrweg und müsse
rückgängig gemacht werden, betonte der gesundheitspolitische Sprecher
der Fraktion, Tino Sorge, Anfang März. Studienergebnisse aus Kanada
zeigten einen besorgniserregenden Anstieg von Psychosen nach der dort
erfolgten Legalisierung von Cannabis. Der CDU-Rechtspolitiker Günter
Krings sagte: «Als Union werden wir alles daransetzen, die negativen
Auswirkungen der Cannabislegalisierung zu stoppen, Drogenkriminalität
zu bekämpfen und den Jugendschutz zu stärken.»

Nicht überraschend wohl, dass der Umfrage zufolge vor allem die
Jüngeren gegen die Abschaffung des Cannabisgesetzes sind - drei
Viertel der 18- bis 34-Jährigen sprachen sich demnach dagegen aus.
Für die Abschaffung waren in dieser Altersgruppe nur 19 Prozent.

43 Prozent sehen in Cannabis harmlose Droge

Trotzdem stimmt der Umfrage zufolge die große Mehrheit der Befragten
(73 Prozent) der Aussage zu, dass der Konsum von Drogen wie Cannabis
der Gesundheit schadet. Knapp jede und jeder Zweite (49 Prozent)
sieht demnach in Cannabis eine Einstiegsdroge, die dazu führen
könnte, auch andere Rauschgifte auszuprobieren. 39 Prozent gehen
davon aus, dass die Teil-Legalisierung übermäßigen Konsum verursachen

könne. Die Hoffnung, dass die Legalisierung dabei hilft, den
Schwarzmarkt und den Konsum von verunreinigtem Cannabis einzudämmen,
teilen 60 Prozent der Befragten. 

Die Krankenkasse, die nach eigenen Angaben mit gut 1,5 Millionen
Versicherten zu den größten bundesweiten Krankenkassen zählt, teilte

mit, 43 Prozent der Befragten hielten Cannabis für eine harmlose
Droge, die bei vielen gesundheitlichen Beschwerden helfe. Und unter
den 18- bis 34-Jährigen seien es sogar 53 Prozent - mehr als die
Hälfte.

Medizinerin: «Vorsicht geboten»

Doch tatsächlich haben Studien schon mehrfach gezeigt, dass Cannabis
vor allem den nicht ausgereiften Gehirnen Jugendlicher schadet.
Demnach könnte der Zusammenhang zwischen jugendlichem Cannabiskonsum
und psychotischen Störungen stärker sein als bisher angenommen.
Valide Daten zur Zahl junger Menschen, bei denen Neurosen durch
Cannabiskonsum diagnostiziert wurden, lagen nach Angaben der
Krankenkasse jedoch zunächst nicht vor. 

Aber: «Die Evidenz legt nahe, dass Cannabis in der Adoleszenz nicht
nur vorübergehende, sondern potenziell auch langfristige Auswirkungen
auf die Gehirnentwicklung haben kann - von kognitiven Einschränkungen
bis hin zu einem erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen wie
Angststörungen, depressive Episoden sowie Sinnestäuschungen und
Wahrnehmungsstörungen», warnte Aileen Könitz, Ärztin und Expertin f
ür
psychiatrische Fragen. «Gerade in einer Phase, in der sich das Gehirn
noch in der Entwicklung befindet, ist Vorsicht geboten.» Sie rief
dazu auf, Prävention und Aufklärung in Schulen und unter den Eltern
zu fördern. 

Krankenkasse fordert: Prävention fördern

Die Krankenkasse forderte die Politik denn auch dazu auf, sich mehr
um Präventionsprojekte zu bemühen. «Unabhängig davon, ob die
Legalisierung für Erwachsene in der nächsten Legislaturperiode wieder
aufgehoben wird oder nicht, sollte es unser gemeinsames Ziel in der
Gesellschaft bleiben, frühzeitig junge Menschen über die Risiken und
Gefahren des Cannabiskonsums aufzuklären», mahnte Justin Onyechi vom
Präventionsteam der KKH. Junge Menschen müssten darin bestärkt
werden, Nein zu sagen, wenn ihnen Cannabis an der Schulhofecke
angeboten werde. 

Unabhängig davon ergab die Umfrage, dass 59 Prozent der Befragten
meinen, jeder solle selbst darüber entscheiden, ob er Drogen nehme
oder nicht - unter den Jüngeren im Alter zwischen 18 und 34 stimmten
dem sogar 69 Prozent zu. Letztlich muss sich wohl jede und jeder die
- um den Slang-Begriff für Cannabis leicht abgewandelte -
Gretchenfrage stellen: Wie hast du's mit dem Bubatz?

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