Preisexplosion bei Heilmitteln
Krankenkassen und Patienten geben heute doppelt so viel für
Physiotherapie aus wie vor zehn Jahren. Dabei ist die Zahl der
Verordnungen gar nicht gestiegen.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Krankenkassen und Patienten zahlen viel
mehr Geld für Heilmittel wie Physiotherapie als früher. Therapeuten
würden trotzdem in ihrem Beruf nicht reich, sagte der
VDB-Physiotherapieverband. Das Wissenschaftliche Institut der AOK
fand heraus, dass die Kosten für Heilmittel - darunter fallen zum
Beispiel Physio- und Ergotherapie - in Hessen innerhalb von zehn
Jahren auf das fast Doppelte gestiegen sind.
Die Gesamtkosten für Heilmitteltherapien lagen 2023 bei
AOK-Versicherten in Hessen bei 191 Millionen Euro. Im Vergleich zu
2014 ist das eine Steigerung von 89,7 Prozent, wie das Institut
berechnete. Bundesweit liegt die Steigerungsrate demnach sogar bei
112,8 Prozent.
«Dabei ist die Zahl der Verordnungen für AOK-Versicherte sogar leicht
gesunken, ebenso die Zahl der Patientinnen und Patienten», erklärte
die AOK. Als Grund für diese Entwicklung nannte die Kasse die «enorm
gestiegenen Preise für Behandlungen».
«Alles hat sich brutal verteuert»
Die größte Steigerung ist laut AOK im Bereich der podologischen
Verordnungen
zu verzeichnen, also bei Füßen. Dazu tragen Maßnahmen bei, die in den
vergangenen Jahren neu dazugekommen sind, etwa die
Nagelspangenbehandlung.
Laut VDB-Physiotherapieverband ist es keineswegs so, dass Therapeuten
heute doppelt so viel verdienen wie vor zehn Jahren. «Alles hat sich
brutal verteuert», sagte Bundesvorsitzender Herrn Marcus Troidl der
Deutschen Presse-Agentur. Neben der allgemeinen Inflation seien auch
die Mieten für die Praxen gestiegen, die Heizkosten in den
Praxisräumen oder die Spritkosten für Hausbesuche.
Seit die Verhandlungen bundeseinheitlich geführt würden und nicht
mehr auf Länderebene, habe es auch «deutliche Steigerungen bei den
Gehältern» gegeben, erklärte Troidl. Die Gehälter seien auf einen
Schlag um 30 Prozent verteilt auf drei Jahre angehoben worden. Die
gestiegenen Kosten hätten das aber weitgehend aufgezehrt.
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