Versagen des «Starliner» - Wie kehren die Astronauten heim? Von Christina Horsten, dpa

Rund eine Woche sollten zwei Nasa-Astronauten an Bord der ISS
bleiben. Weil der «Starliner» Probleme macht, sind es jetzt schon
fast drei Monate. Die Nasa steht vor einer schwierigen Entscheidung.

Washington (dpa) - Auf rund eine Woche an Bord der Raumstation ISS
hatten sich die Astronautin Suni Williams und ihr Kollege Barry
Wilmore eingestellt. Doch ihr Raumschiff macht Probleme. Inzwischen
sind seit ihrer Ankunft fast drei Monate vergangen - und noch immer
ist unklar, wie sie zurück zur Erde kommen sollen. Die Nasa muss eine
der kniffligsten Entscheidungen ihrer Geschichte fällen - und hat
sich dafür nun eine Frist bis etwa zum Monatsende gesetzt. 

Williams habe vor dem Flug Anfang Juni noch Zeit mit ihren Hunden
verbracht, Wilmore den Rasen seines Gartens gemäht, hatte es von der
US-Raumfahrtbehörde Nasa zum Start geheißen. Alles ganz normal und
unaufgeregt also. Doch es kam anders.

Das Problem heißt «Starliner». Beim ersten bemannten Testflug des
Raumschiffes zur ISS kamen Williams und Wilmore zwar heil an, doch es
traten unter anderem Heliumlecks und Probleme mit den Triebwerken
auf. Der ursprünglich für Mitte Juni geplante Rückflug wurde
abgesagt. Seither hängen Williams und Wilmore auf der Raumstation
fest. 

Risiko oder zeitraubende Alternative?

Die Nasa steht vor der schwierigen Frage: Können es die beiden
Astronauten mit dem «Starliner» zurück zur Erde schaffen? Um das
herauszufinden, führen Teams der Nasa und des Herstellers Boeing seit
Wochen Tests und Untersuchungen durch, im All und auf der Erde.
Klarheit habe das bisher nicht gebracht, heißt es. Die Teams hätten
«großartige Arbeit» geleistet, sagt Nasa-Manager Ken Bowersox -
spricht aber auch von «schmerzhaften Diskussionen». 

Diskutiert werden vor allem zwei Möglichkeiten: die riskante Rückkehr
mit dem «Starliner» oder ein Umschwenken auf einen Flug mit dem «Crew

Dragon». Für die erste Variante müssten die aufgetretenen Probleme
mit den Triebwerken und Heliumlecks abschließend geklärt und aus dem
Weg geräumt sein - was bislang nicht gelang. 

Alternativ könnte der «Starliner» ohne die beiden Astronauten zurüc
k
zur Erde fliegen, wofür eine umfangreiche, zeitintensive
Software-Rekonfiguration notwendig wäre. Der wegen der aktuellen
Probleme von August auf September verschobene Start der «Crew 9» mit
dem «Crew Dragon» von SpaceX würde dann mit nur zwei statt vier
Astronauten durchgeführt.

Williams und Wilmore würden Teil dieser Crew und mit ihren beiden
Kollegen wohl Anfang 2025 zur Erde zurückkehren. Dafür bräuchten sie

noch spezielle Raumanzüge, denn mit denen aus dem «Starliner» kann
man nicht einfach auch im «Crew Dragon» fliegen. Wer von der
ursprünglichen Crew in diesem Fall nicht mitfliegen würde, wollten
Nasa und SpaceX bisher nicht sagen. 

«Entscheidung auf Datenbasis»

«Wir wollen diese Entscheidung nicht darauf basieren, wie wir uns
fühlen», sagt Nasa-Manager Bowersox, «sondern rein auf den Daten».

Letztlich obliege die Entscheidung Nasa-Chef Bill Nelson. Der betont
via Online-Plattform X, dass oberste Priorität immer die Sicherheit
der Astronauten habe. 

Williams und Wilmore müssen sich jedenfalls noch auf weitere Zeit auf
der ISS einstellen. Mit dem «Starliner» könnten sie wohl frühestens

im September zurück zur Erde, mit dem «Crew Dragon» womöglich im
Februar - in diesem Fall wären aus ihrer Woche an Bord rund neun
Monate geworden. 

Die 58-Jährige und der 61-Jährige seien erfahrene Astronauten, es sei
nicht ihr erster Aufenthalt im All und an Bord der ISS und die beiden
seien für alle Eventualitäten ausgebildet, betont die Nasa immer
wieder. Sie seien in alle Gespräche eingebunden und «bereit zu tun,
was immer sein muss», sagt Nasa-Manager Steve Stich.

Mehr Lebensmittel werden verbraucht - und mehr Schlüpfer

«Mit so einem Testflug ist man immer auch auf die Möglichkeit
eingestellt, dass er länger dauern könnte», sagt Nasa-Manager Joel
Montalbano. «Aber es geht ihnen gut, sie sind voll integriert im Rest
der Crew und genauso beschäftigt wie jede andere Crew da oben.
Natürlich sind sie auch Menschen und das alles ist schwierig für
Crew-Mitglieder und ihre Familien, das wissen wir. Aber sie sind
professionelle Astronauten und machen das großartig.» 

Williams und Wilmore seien eine große Extra-Hilfe an Bord der ISS,
betont die Nasa immer wieder - aber die beiden verbrauchen auch
Extra-Ressourcen wie Lebensmittel und Hygiene-Artikel. Zudem sind sie
nun auch länger der dort höheren Strahlung ausgesetzt als
ursprünglich veranschlagt. 

Hat der «Starliner» eine Zukunft?

Bei allen Gedanken um die Astronauten: Im Hintergrund geht es auch um
die Zukunft des «Starliner». Das vom Luft- und Raumfahrtunternehmen
Boeing im Auftrag der Nasa entwickelte und gebaute Raumschiff sollte
eigentlich längst regelmäßig Astronauten zur ISS bringen - als
Alternative zum «Crew Dragon» der Raumfahrtfirma SpaceX von
Tech-Milliardär Elon Musk, der das schon seit Jahren zuverlässig
tut. 

Doch das teilweise wiederverwendbare Raumfahrzeug, das aus einer
Kapsel für die Besatzung und einem Servicemodul besteht, zeigt sich
extremst krisengeplagt: Beim ersten unbemannten Test kam das
Raumschiff 2019 gar nicht erst an der ISS an, ein zweiter glückte
zwar 2022, doch danach häuften sich die Probleme wieder und führten
zu zahlreichen Verschiebungen. 

Man wolle unbedingt an der Idee von zwei alternativen
Transportsystemen festhalten, betont Nasa-Manager Bowersox. Die
Probleme seien lösbar, «und dann sehe ich eine strahlende Zukunft für

den «Starliner»». Auch Boeing betont das immer wieder - so wie
Bowersox seinen «großen Respekt für das Boeing-Team». Zugleich sagt

der Manager aber auch: «Die Antwort steht immer in den Daten.»

 

 

 

 

 

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