Homeoffice-Pflicht vor dem Ende - Was kommt nach dem 20. März? Von Basil Wegener und Andreas Hoenig, dpa

Endet mit dem Frühlingsbeginn die Zeit von Homeoffice, digitalen
Teambesprechungen und Trainingshose am PC? Der Gewerkschaftsbund
fordert von der Regierung Regeln - doch die Meinungen gehen weit
auseinander.

Berlin (dpa) - Über mögliche künftige Regeln für mobiles Arbeiten i
n
Deutschland nach dem geplanten Ende der Homeoffice-Pflicht am 19.
März gehen die Meinungen weit auseinander. Der Chef des Deutschen
Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, forderte am Donnerstag in
Berlin von der Regierung klare Regeln für das «Homeoffice der
Zukunft». Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands BDA,
Steffen Kampeter, wandte sich gegen «fixierende Regeln». Wie es genau
weitergeht, ist unklar. Klar ist aber bereits, dass viele Unternehmen
hybride Arbeitsmodelle planen.

Homeoffice-Pflicht vor dem Ende:

Nachdem die Homeoffice-Pflicht in den vergangenen Pandemie-Wellen
normale Büroarbeit von zu Hause aus ermöglichen sollte, um
Ansteckungen zu verhindern, soll diese Pflicht - wie alle
tiefgreifenderen Schutzmaßnahmen - ab dem 20. März nicht mehr gelten.
So haben es Bund und Länder am Mittwochabend beschlossen. Über die
Inhalte des weiter geplanten Basisschutzes gibt es jedoch Streit. In
puncto Homeoffice beschlossen Bund und Länder, dass Arbeitgeber es im
Einvernehmen mit den Beschäftigten weiter anbieten können, wenn keine
betrieblichen Gründe dagegen stehen und es wegen Corona geboten
erscheint - etwa bei Großraumbüros.

Forderung des DGB:

DGB-Chef Reiner Hoffmann mahnt zur Vorsicht: «Da wir in der Pandemie
leider noch lange nicht über den Berg sind, sollten die Möglichkeiten
für Arbeit im Homeoffice weiterhin ein Element des betrieblichen
Infektionsschutzes bleiben.» Auch für langfristige Lösungen sollten
die Weichen jetzt gestellt werden, sagte er der Deutschen
Presse-Agentur in Berlin. «Homeoffice sollte für die Millionen
Beschäftigten, die auch im künftigen Normalbetrieb zeitweise im
Homeoffice arbeiten wollen, leichter ermöglicht werden.» Neue Regeln
sollten auch den Arbeits- und Gesundheitsschutz fürs Homeoffice
verbindlich festlegen. Vor Entgrenzung, Überwachung, Überforderung
oder schlechter Ergonomie sollten Beschäftigte geschützt werden.

Wie der Arbeitgeberverband reagiert:

Die BDA argumentiert gegen neue Regeln. «Mobiles Arbeiten gehört in
Betrieben zum Alltag», stellte Kampeter klar. «Beschäftigte und
Arbeitgeber regeln das eigenverantwortlich. Corona hat da die
vielfältigen Möglichkeiten, aber auch die Grenzen im Turbo
aufgezeigt», sagte er der dpa. «Fixierende Regeln und lähmende
Rechtsansprüche auf Homeoffice passen nicht zu Flexibilität und
Eigenverantwortung.» Es sei kein Recht auf mobiles Arbeiten
notwendig, sondern ein «modernes Arbeitszeitgesetz», das Chancen und
Räume eröffne.

Welche politischen Pläne es gibt:

«Beschäftigte in geeigneten Tätigkeiten erhalten einen
Erörterungsanspruch über mobiles Arbeiten und Homeoffice» - so haben

SPD, Grüne und FDP es im Koalitionsvertrag angekündigt.
Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte in den Zeitungen der
Funke-Mediengruppe kurz vor der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz
bekräftigt, aus dem «coronabedingten ungeplanten Großversuch zum
Homeoffice» grundlegende Konsequenzen ziehen zu wollen. Zuhause zu
arbeiten, sei für Millionen von Menschen zur neuen Normalität
geworden.

Im Januar hatte Heil Pläne für einen Rechtsanspruch angekündigt:
Arbeitgeber sollten Beschäftigten künftig Arbeiten von zu Hause
ermöglichen müssen. «Wenn diese das ablehnen wollen, müssen
betriebliche Gründe dagegen stehen - etwa weil man im Stahlwerk am
Hochofen arbeitet und natürlich nicht von zu Hause aus arbeiten
kann.» Linke-Chefin Susanne Hennig-Wellsow sagte: «Das von
Arbeitsminister Hubertus Heil angekündigte, aber bisher nicht
eingelöste Recht auf Homeoffice sollte besonders für Menschen, die
ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben, seine
Umsetzung finden.»

Wie die Lage in den Unternehmen ist:

Viele wollen nach einer Studie des Forschungsinstituts ZEW auch nach
der Pandemie eine Mischung aus Homeoffice und Präsenz ermöglichen. 37
Prozent der Unternehmen planten Modelle, die drei Tage Homeoffice pro
Woche vorsehen. Einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Kaufmännischen
Krankenkasse (KKH) zufolge stehen drei von fünf Arbeitnehmern, die
schon einmal im Homeoffice gearbeitet haben, dieser Arbeitsform
überwiegend positiv gegenüber.

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