Kritik an Corona-Protest vor Jenaer Uniklinikum

Jena/Erfurt (dpa/th) - Das Universitätsklinikum Jena (UKJ) hat mit
Kritik auf eine Protestaktion gegen die Corona-Politik vor dem
Klinikum reagiert. Das Personal kämpfe an vorderster Front in dieser
Pandemie und brauche in dieser herausfordernden Zeit die Solidarität
und Unterstützung aller Thüringer, äußerte der medizinische Vorstan
d
des UKJ, Otto Witte, am Dienstag. «Aktionen wie diese in
unmittelbarer Nähe der Patientenversorgung, durch die Mitarbeitende,
Patientinnen und Patienten verunsichert werden, sind daher
unangemessen», erklärte der Neurologe.

Bei den landesweiten Protesten gegen die Pandemie-Schutzmaßnahmen am
Montagabend hatten sich nach Polizeiangaben auch etwa 120 Menschen
vor dem Haupteingang des Klinikums zum Protest versammelt.

In dem Gebäudekomplex befinden sich auch die Frauenklinik mit
Geburtsstation und die Kinderklinik. Die Gruppe sei dann durch das
Wohngebiet Jena-Lobeda gezogen und dabei auf rund 200 Personen
angewachsen, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Der Zug sei von
der Polizei gestoppt und aufgelöst worden. Ein auf Twitter
verbreitetes Foto zeigt, wie sich Protestierende und Einsatzkräfte
vor dem Klinikum gegenüberstehen.

Landesweit hatten sich am Montagabend 21 000 Personen an 87
Kundgebungen und Aufzügen beteiligt, wie die Polizei mitteilte. Die
überwiegende Anzahl der Protestierenden missachtete laut Polizei
während der Zusammenkünfte die geltenden Infektionsschutzregeln. Die
Polizei sprach 159 Platzverweise und 39 Strafanzeigen aus. Außerdem
erstattete sie 172 Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten. Sie stellte
die Identität von 217 Teilnehmenden fest.

In Jena waren auch Menschen gegen die regelmäßigen Proteste gegen die
Corona-Maßnahmen auf der Straße. Unter dem Motto «Ausspaziert» hatt
e
das Bündnis «Jena solidarisch» zu Kundgebungen an verschiedenen Orten

in der Innenstadt aufgerufen. Die Veranstalter hatten nach Angaben
der Stadt Ausnahmegenehmigungen für die Versammlungen. Laut Thüringer
Corona-Verordnung sind Kundgebungen derzeit eigentlich auf 35
Menschen begrenzt.

Auf der Hauptkundgebung am Marktplatz steuerte auch ein UKJ-Mediziner
einen Redebeitrag bei. Der Leiter der Geburtsmedizin, Ekkehard
Schleußner, rief zum Impfen gegen Covid-19 auf.