Tausende protestieren gegen Corona-Politik - Demos fürs Impfen

Und wieder Corona-Demos: Auch am Montag gehen Menschen auf die
Straße. Doch neben den Protesten gegen die staatlichen Maßnahmen
formiert sich eine Gegenbewegung: Immer mehr Menschen treten bei
Versammlungen fürs Impfen ein - darunter auch Politiker.

München (dpa/lby) - Erneut sind am Montagabend an zahlreichen Orten
in Bayern Menschen aus Protest gegen die Corona-Maßnahmen auf die
Straße gegangen. Allein im südlichen Oberbayern zählte die Polizei
rund 30 Veranstaltungen. Vielerorts gab es dieses Mal kleinere
Gegendemos - immer mehr Menschen befürworten nun öffentlich die
Maßnahmen der Politik und das Impfen. «Corona macht krank. Querdenken
macht Dumm», war in Bayreuth auf Transparenten zu lesen.

Bis zum Abend blieben die meisten Versammlungen laut Polizei
friedlich. Allerdings gab es Dutzende Verstöße gegen
Allgemeinverfügungen mit entsprechenden Bußgeldverfahren. In
Schweinfurt wurde eine Frau nach einer Beißattacke festgenommen.

In Nürnberg formierten sich laut Polizei rund 3900 Teilnehmer zu
einem Zug gegen die Corona-Politik. In Bamberg gingen rund 2400
Menschen auf die Straße; in Bayreuth waren es 1500. Rund 200 Menschen
traten hingegen ausdrücklich für die Pandemie-Maßnahmen ein.

Auch in Augsburg gingen beide Seiten auf die Straße. Rund 2000
Menschen protestierten gegen die Corona-Politik. Einige Male habe
hier eingeschritten werden müssen, sagte ein Polizeisprecher. In
einem Fall werde wegen eines Hitlergrußes ermittelt. Bei einem
anderen Teilnehmer seien ein Messer und ein Teleskopschlagstock
sichergestellt worden, zudem gebe es Verfahren wegen Beleidigung.

In Unterhaching bei München folgten rund 300 Menschen dem Aufruf von
Studenten, die ein Zeichen der Solidarität mit Pflegekräften in
Krankenhäusern und Altersheimen setzen wollten und für das Impfen
warben. Mit dabei waren Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU),
die Grünen-Abgeordneten Claudia Köhler und Markus Büchler, die
SPD-Abgeordnete Natascha Kohnen sowie Ärzte und Pfleger. CSU, Grüne
und SPD wollten gemeinsam ein Zeichen setzen, sagte Schreyer.
Ärztinnen und Ärzte sowie das Pflegepersonal kämpften seit zwei
Jahren an vorderster Front gegen die Pandemie. «Sie sollen sehen,
dass wir als Politiker sie unterstützen.»

Ebenfalls 300 Menschen demonstrierten in dem Münchner Vorort gegen
die Corona-Politik. Bei einigen wurden die Personalien festgestellt,
wie eine Polizeisprecherin berichtete.

In München selbst blieb es ruhig. Die Landeshauptstadt hatte erneut
per Allgemeinverfügung für Montag und Mittwoch alle Demos verboten,
die nicht ordnungsgemäß angemeldet waren.

«Alles ruhig», hieß es zunächst auch im unterfränkischen Schweinf
urt,
wo es bei früheren Demos zu Aggressionen und Gewalt gekommen war. Im
Verlauf des Abends gab es aber dann doch eine Versammlung, bei der
sich rund 150 Teilnehmer entgegen der Allgemeinverfügung der Stadt zu
einem Aufzug formierten. Gegen rund 70 Menschen wurden
Bußgeldverfahren eingeleitet, wie die Polizei mitteilte. Eine
51-Jährige versuchte, eine Polizeikette zu durchbrechen, griff einen
Beamten an - und biss ihn ins Bein. Der Beamte wurde leicht verletzt,
die Frau wurde vorläufig festgenommen.

In Regensburg in der Oberpfalz demonstrierten an die tausend
Menschen. Die Demo blieb wie eine spontane Gegenkundgebung einer
Handvoll Teilnehmer friedlich. Im niederbayerischen Vilshofen
protestierten etwa 780 Personen gegen die Maßnahmen. Bei einer
zeitgleichen Veranstaltung erinnerten rund zwei Dutzend Menschen an
die Opfer von Corona und würdigten die besonders belasteten Menschen.