Pflegerin soll falsche Arznei gegeben haben - Prozess um Mordversuch

24.09.2021 05:00

Tatort Altenheim: Eine Pflegerin soll zwei betagten Frauen
absichtlich ein Medikament gegeben haben, das diese gar nicht
brauchen. Die Seniorinnen kämpfen danach um ihr Leben. Nun startet
der Prozess.

Würzburg/Volkach (dpa/lby) - Eine Altenpflegerin soll mit einem
Medikament versucht haben, zwei Seniorinnen in einem Heim im
unterfränkischen Volkach zu töten. Wegen Mordversuchs und
gefährlicher Körperverletzung muss sich die 49-Jährige nun vor dem
Landgericht Würzburg verantworten. Der Prozess beginnt am kommenden
Mittwoch (29. September). Die Kammer hat insgesamt vier
Verhandlungstage angesetzt.

In ersten Aussagen kurz nach der Tat Ende November 2020 hatte die
Angeklagte der Staatsanwaltschaft zufolge davon gesprochen, sie habe
den Opfern helfen wollen. So habe sie mit der Gabe falscher Arznei
bezwecken wollen, dass die heute 81 und 85 Jahre alten Frauen von
einem Arzt behandelt werden. Was genau die Angeklagte damit meinte,
blieb unklar.

Die Deutsche sitzt seit Ende November 2020 in Untersuchungshaft -
nachdem sie sich selbst der Polizei gestellt hatte. Die Seniorinnen
waren Anfang November 2020 in ein Krankenhaus gekommen, als sich ihr
Gesundheitszustand rasant verschlechtert hatte. Es bestand
Lebensgefahr. Die Ermittler vermuteten schnell falsche Medikamente
als Ursache. Anhaltspunkte für zurückliegende ähnliche Delikte der
Angeklagten aus dem Landkreis Schweinfurt gibt es laut
Staatsanwaltschaft nicht.

In Deutschland stehen immer mal wieder Pflegekräfte vor Gericht, die
Pflegebedürftigen absichtlich falsche Medikamente verabreicht haben -
etwa aus Geltungssucht. Besonders bekannt sind die Taten des
Krankenpflegers Niels Högel, der 2019 wegen Mordes an 85 Patientinnen
und Patienten in Oldenburg und Delmenhorst (Niedersachsen) zu
lebenslanger Haft verurteilt wurde. Högel wollte sich als
erfolgreicher Notfallhelfer profilieren.