2G auf Hamburger Kiez: «Endlich wieder tanzen und trinken» Von Luise Evers, dpa

18.09.2021 07:30

Der Hamburger Kiez pulsiert wieder. Feierwütige ziehen durch die
Kneipen. Obwohl das seit drei Wochen geltende 2G-Optionsmodell großen
Anklang findet, gibt es neben moralischen Zweifeln auch Anfeindungen.

Hamburg (dpa/lno) - Rauch steht nebelartig im Raum. Lametta funkelt
an den Wänden, während der Bartresen im schummrigen Licht steht.
Barchef Kevin steht am Eingang seiner vor zwei Monaten neu-eröffneten
«Lucky Bar» in Hamburg-St. Pauli. «Drinnen muss man keine Maske mehr

tragen, wenn man geimpft oder genesen ist. Die Atmosphäre ist gut»,
meint der 23-Jährige. Seine Bar hat das seit drei Wochen geltende
2G-Optionsmodell realisiert. Demnach dürfen nur Geimpfte und Genese
in der Kneipe feiern. Kevin lenkt ein: «Ich finde aber, dass auch
Ungeimpfte Party machen sollten».

Die Hansestadt hat Ende August als erstes Bundesland das
2G-Optionsmodell eingeführt. Demnach können Betreiber selbst
entscheiden, ob sie nur Geimpfte und Genesene reinlassen, die dann
von vielen Corona-Beschränkungen befreit sind. Hierfür müssen sie
sich beim Senat online anmelden. Bisher hätten 720 Betriebe vom
2G-Optionsmodell Gebrauch gemacht, zudem würden 471 Anzeigen für
Veranstaltungen vorliegen, teilte ein Senatssprecher mit. «Mit der
2G-Option wird dem Infektionsschutz Rechnung getragen und viele
Einrichtungen erhalten überhaupt wieder die Möglichkeit, ihre
Angebote zu unterbreiten», sagte er.

Verstöße seien bisher nur sehr wenige festgestellt worden. Wird
jemand erwischt, verwirke er die Möglichkeit an 2G-Angeboten
teilzunehmen, sagte der Sprecher. «Das ist eine eiserne Regel, und
die setzt die Polizei auch um.»

Die «Bergsteigerbar» befindet sich am Hamburger Berg, einer
Party-Straße mitten auf St. Pauli. Zwei Türsteher kontrollieren
draußen die Impf- und Genesenennachweise. Das 3G-Modell habe sich für
ihn nicht gelohnt, sagt Barchef Nio. «Pro zehn Quadratmeter eine
Person - dann säßen wir hier mit fünf Leuten.» Auch eine Außenbar
sei
nicht möglich, da dort Alkohol nur bis 23.00 Uhr ausgeschenkt werden
dürfe. Mit 2G sei die Bar wieder zum Leben erwacht. «Die Stimmung ist
super. Die Leute freuen sich, dass sie endlich wieder tanzen und
trinken können.»

Peter Arndt, der mit seiner Frau zusammen die Kneipe «Nordlicht»
betreibt, hat ein Hybridmodell eingeführt. «Um unsere Gäste, die noch

nicht geimpft sind, nicht zu verlieren, haben wir uns dazu
entschlossen, unter der Woche das 3G- und am Wochenende das 2G-Modell
zu nutzen», sagt Arndt. «Einige mosern, aber die meisten nehmen es
positiv auf.» Ein ungeimpfter Bargast betont, dass die Freiheiten,
die das 2G-Modell mit sich bringe, definitiv eine Überlegung wert
seien, sich impfen zu lassen.

«Kiez Klause»-Barchefin Manu ist selbst auch noch nicht geimpft, ihre
Bar läuft weiterhin unter 3G. «Ich finde es unfair, ich verstehe
nicht, warum es nicht weiter mit Tests laufen kann.» Es gebe auch
Stammgäste, die angekündigt hätten, nicht mehr zu kommen, sollte die

Kneipe das 2G-Modell übernehmen. In den sozialen Medien gebe es
Anfeindungen gegen 2G-Betreiber. In Hamburg-Ottensen hatte ein Wirt,
der sofort auf 2G umstellte, sogar eine Bombendrohung erhalten.
Dennoch will auch Barchefin Manu das 2G-Modell umsetzen, wenn sie
denn geimpft ist.

«Die Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger ist geimpft», heißt es

vom Senatssprecher. Und auf die Impfquote müsse der Senat reagieren,
wenn er seine Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung festlege. In Hinsicht
auf die Corona-Neuinfektionen habe sich die Situation in der
Hansestadt zudem auf hohem Niveau stabilisiert. Auch die Lage in den
Krankenhäusern sei stabil.

Hamburg war mit dem 2G-Modell bundesweit Vorreiter. Inzwischen haben
andere Länder nachgezogen, etwa Berlin, Brandenburg, Niedersachsen,
Baden-Württemberg, Hessen und Sachsen.