Studie: Kinder scheiden weniger Aerosolpartikel aus als Erwachsene

17.09.2021 15:19

Berlin (dpa) - Grundschulkinder geben einer kleinen Studie zufolge
beim Atmen, Sprechen und Singen in Innenräumen deutlich weniger
kleine Schwebeteilchen in die Luft ab als Erwachsene. In der
Corona-Pandemie würden Gefährdungsbeurteilungen bisher allerdings auf
den Werten von Erwachsenen beruhen, heißt es in einer gemeinsamen
Untersuchung der Berliner Charité und der Technischen Universität
Berlin. 

Die Forscher verstehen ihre Studie als Anregung für eine Diskussion
über das Risikomanagement bei Kindern in der Pandemie, zum Beispiel
beim Präsenzunterricht in der Schule und beim Chorsingen. Denn die
Masse von ausgeschiedenen kleinen Schwebeteilchen in die Luft
(Aerosolpartikelemission) kann neben Tröpfcheninfektionen das
Ansteckungsrisiko mit dem Sars-CoV-2-Virus beeinflussen.

Für ihre Studie ließen die Wissenschaftler 4 Mädchen und 11 Jungen -

alle zwischen 8 und 10 Jahre alt - in einem Reinraum in Schutzanzügen
atmen, sprechen, singen und rufen. Alle Kids gehörten zu erfahrenen
Berliner Kinderchören. Für das Experiment saßen sie vor der Öffnung

eines Glasrohres mit einem eingebauten Laserpartikel-Zähler. Zur
Vergleichsgruppe gehörten unter gleichen Bedingungen 8 Frauen und 7
Männer im Alter von 23 bis 64, ebenfalls alles erfahrene
Chormitglieder.

Beim Vergleich der Werte zeigten sich bei den Grundschülern für
Ruheatmung, Sprechen und Singen signifikant geringere Emissionsraten.
Der Faktor zwischen Kindern und Erwachsenen betrug 2,8 bei
Ruheatmung, 5,9 beim Sprechen sowie 13,4 beim Singen, heißt es in der
Untersuchung. Beim Rufen zeigten sich dagegen keine bemerkenswerten
Unterschiede zwischen beiden Gruppen.

Als Erklärung dafür gehen die Wissenschaftler einmal von anatomischen
Unterschieden aus. So hätten Kinder kürzere Stimmlippen und zeigten
auch weniger Kontaktzeiten der Stimmlippen im Schwingungszyklus. Ein
zweiter Grund könnten die geringeren Schallpegel der Kinderstimmen
bei mittlerer Lautstärke sein. Für lautes Rufen gilt das dann schon
nicht mehr.

Die Charité-Klinik für Audiologie und Phoniatrie untersucht bereits
seit längerem Aerosolpartikel-Emissionen bei Atmung, Stimmgebung und
beim Singen. Das Hermann-Rietschel-Institut an der TU Berlin forscht
unter anderem über die Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus in der
Raumluft.