Merkel: Ebola-Impfstoff «große Beruhigung» - Lernen für Covid-19

17.09.2021 15:11

Auf einer Art Abschiedstour besucht die Kanzlerin niedersächsische
Unternehmen. In der Nähe von Hannover macht Angela Merkel bei zwei
Firmen Station. Es geht um Hightech-Laser und den ersten zugelassenen
Ebola-Impfstoff - davon könne man in der Corona-Pandemie noch lernen.

Burgwedel/Garbsen (dpa) - Der in Deutschland produzierte Impfstoff
gegen das Ebola-Virus ist nach Einschätzung von Kanzlerin Angela
Merkel (CDU) eine wichtige Absicherung gegen mögliche neue Ausbrüche
der oft tödlichen Infektionskrankheit. «Dass wir einen solchen
Impfstoff haben, ist eine große Beruhigung für die Welt», sagte die
scheidende Regierungschefin am Freitag in Burgwedel bei Hannover.

Dort besuchte Merkel den Standort des Pharmaunternehmens MSD Sharp &
Dohme, das nördlich der niedersächsischen Landeshauptstadt seit 2017
ein Vakzin gegen den Zaire-Ebola-Erreger herstellt und von hier aus
in mehrere Länder ausliefert. Der Zugriff auf einen guten Immunschutz
im Fall neuerlicher Ebola-Infektionen sei wertvoll, betonte Merkel.
«So wird Prävention betrieben, dass man schnell reagieren kann.»
Zuvor war sie beim Familienunternehmen Laseroptik in Garbsen bei
Hannover.

Das Serum aus Burgwedel - laut MSD ab Ende 2019 als erster Impfstoff
gegen die Zaire-Ebola-Variante zugelassen - ist ein Präparat, das
nach dem sogenannten Vektor-Prinzip funktioniert. Dabei schleust ein
weiteres, unschädliches Trägervirus Teile des Ebola-Erbguts in die
menschlichen Körperzellen ein, damit anschließend eine Immunreaktion
aufgebaut werden kann - ähnlich wie bei den aktuellen
Corona-Impfstoffen von Astrazeneca oder Johnson & Johnson.

«Vieles davon kam man für die Bekämpfung von Covid-19 lernen», sagt
e
Merkel. Nach dem letzten größeren Ebola-Ausbruch 2014/2015 in
Westafrika mit mehreren Tausend Toten habe es große Sorgen gegeben,
dass sich die regionale Epidemie zur Pandemie ausweiten könnte.
«Ebola ist noch sehr, sehr viel tödlicher als zum Beispiel Covid-19»,

so die Kanzlerin. «Mit so einem Impfstoff haben wir natürlich sehr
viel mehr Sicherheiten, wenn wieder ein Ausbruch entsteht.»

In Guinea hatte es im vergangenen Frühjahr neue Ebola-Fälle gegeben,
die nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) inzwischen aber
weitgehend eingedämmt sind. Genetisch habe es sich hierbei allerdings
wohl um denselben Virustyp gehandelt wie bei der großen
Infektionswelle vor einigen Jahren, hieß es jüngst aus dem RKI.

MSD hat seinen Hauptsitz in den USA, wo die Firma unter dem Namen
Merck & Co bekannt ist. Sie forscht auch an weiteren Impfstoffen und
arbeitet mit dem Konzern Johnson & Johnson bei dessen
Corona-Impfstoff zusammen. Außerdem sind derzeit nach Angaben des
Unternehmens die Entwicklung eines Covid-19-Medikaments sowie
Forschungen an neuen Antibiotika gegen bakterielle
Infektionskrankheiten in Arbeit.

Die Lizenz für den Ebola-Impfstoff hatte MSD 2014 ursprünglich von
der Gesundheitsbehörde Kanadas übernommen und die Forschungen dann
weitergeführt. In Burgwedel gibt es derzeit rund 400 Beschäftigte,
gut die Hälfte davon in der Herstellung des Ebola-Vakzins.

Vor der Station bei dem Pharmaunternehmen hatte Merkel einen Rundgang
bei der Firma Laseroptik in Garbsen gemacht. Der Betrieb stellt
Beschichtungen und Spiegel für alle Arten von Laser her - in
Industrie, Medizin, Raumfahrt und Wissenschaft. «Wir sind eine
Hightech-Firma vom Dorf und genießen Weltruf», meinte Geschäftsführ
er
Wolfgang Ebert.

Merkel sprach mit Beschäftigten und zeigte sich von der Ausstattung
mit eigener Kita beeindruckt: «Das ist gelebte soziale
Marktwirtschaft.» Schule und duale Ausbildung in Deutschland müssten
aber mit den technologischen Entwicklungen Schritt halten, betonte
die Kanzlerin: «Die Welt schläft nicht.»