Debeka wächst trotz Corona - Mitarbeiter von Flut betroffen

12.09.2021 03:35

Eine der größten deutschen Versicherungen wagt eine optimistische
Geschäftsprognose - trotz Pandemie und Flutkatastrophe. Eine
Bürgerversicherung im Gesundheitswesen bleibt für sie ein rotes Tuch.

Koblenz (dpa) - Die Debeka-Versicherungsgruppe ist nach eigener
Aussage trotz Corona und Niedrigzinsen weiter auf Wachstumskurs. Von
der Flutkatastrophe im Juli sind auch eigene Mitarbeiter betroffen.
Vorstandschef Thomas Brahm sagte der Deutschen Presse-Agentur, das
Unternehmen sei trotz seiner deutlichen Beitragssteigerung in der
Krankenversicherung zu Jahresbeginn «in allen Bereichen gewachsen».

Die Beitragseinnahmen der Debeka-Versicherungen sind demnach im
ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,2
Prozent auf 6,157 Milliarden Euro gestiegen. Die Prognose für das
Gesamtjahr 2021 liege bei 12,3 Milliarden Euro, so Brahm weiter -
nach 11,44 Milliarden Euro im Vorjahr.

Von der Hochwasserkatastrophe am 14. und 15. Juli in Teilen von
Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen waren laut Brahm auch 63
Debeka-Beschäftigte betroffen, «15 davon in extremer Form». In Bad
Neuenahr-Ahrweiler sei das Wasser in die Debeka-Geschäftsstelle
eingedrungen - nun arbeite sie in Containern. Für Flutopfer hätten
«Debekaner» gut eine halbe Million Euro gespendet. Beim «größten

Schaden in der Geschichte der Debeka Allgemeinen Versicherung»
rechnet Brahm nach eigenen Worten mit einer Gesamtauszahlung von rund
60 Millionen Euro, wovon Rückversicherer wohl etwa die Hälfte
übernähmen.

Auch Corona hält die Debeka weiter in Atem: Sie hat laut ihrem
Vorstandsvorsitzenden bislang mit 50 650 Erkrankungen zu tun gehabt,
fast 9750 davon mit Klinikaufenthalt, und mit 2315 Covid-19-Toten.
Für Corona-Behandlungen habe die Versicherung bisher ohne
Berücksichtigung der Beihilfe für Beamte 60 Millionen Euro gezahlt,
hinzu kommen weitere 39 Millionen Euro für Corona-Hygiene wie Masken,
Handschuhe und Desinfektionsmittel. Von den rund 16 500
Debeka-Beschäftigten arbeiteten noch mehr als 90 Prozent im
Homeoffice. Von diesem Montag (13.9.) an gebe es eine «behutsame
Rückkehr» in die Büros - Ziel seien in der Arbeitswoche zwei Tage zu

Hause und drei bei der Debeka.

Angesichts einer Umfrage von Infratest-dimap im Auftrag des
ARD-Magazins «Monitor», bei der sich kürzlich eine klare Mehrheit f
ür
eine sogenannte Bürgerversicherung im Gesundheitswesen ausgesprochen
hatte, bekräftige Brahm seine Kritik an solchen Überlegungen. Die
Aufgabe des bestehenden Parallelsystems von gesetzlichen und privaten
Krankenversicherungen «würde die Qualität des Gesundheitssystems
insgesamt verschlechtern». Brahm betonte: «Eine Bürgerversicherung

mit mehr Beitragseinnahmen führt auch zu mehr Leistungsausgaben.» Das
«beste Gesundheitssystem der Welt» werde von der Privatversicherung
überdurchschnittlich mitfinanziert. Ohne diese würden sich etwa viele
Landarztpraxen nicht mehr lohnen. Für den «Boulevardwahlkampf» vor
der Bundestagswahl am 26. September sei das Thema zu komplex.

Die 1905 gegründete Debeka ist ein genossenschaftlich geprägter
Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit mit traditionell vielen
Beamten unter ihren Millionen Mitgliedern. Sie ist nach eigenen
Angaben eine der größten deutschen Versicherungsgruppen und
Marktführer in der privaten Krankenversicherung.