Experte: Kinder-Impfung vor allem für Risikopatienten wichtig

10.09.2021 13:37

Köln (dpa) - Von einer Corona-Impfung für Jungen und Mädchen unter
zwölf Jahren können nach Ansicht eines Experten für Kindermedizin vor

allem besonders gefährdete Patienten profitieren. «Auch in der
Altersgruppe der Fünf- bis Elfjährigen gibt es natürlich
Risikogruppen, deren Gesundheit und Teilhabe am sozialen Leben
deutlich verbessert wird, wenn es ein Impfangebot gibt», sagte der
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin,
Jörg Dötsch, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Als Beispiele
nannte er Kinder mit einer schweren chronischen Erkrankung oder einem
geschwächten Immunsystem.

«Mich erreichen immer wieder Anrufe und E-Mails verzweifelter Eltern,
die sich zum Teil seit Beginn der Pandemie nicht mehr trauen, mit
ihren Kindern auszugehen, und inzwischen die Geduld fast verloren
haben», berichtete Dötsch. Er könne sich vorstellen, dass sich die
Ständige Impfkommission (Stiko) nach einer Zulassung des Impfstoffs -
wenn die Abläufe ähnlich sind wie bei den 12- bis 17-Jährigen - erst

einmal um die Risikopatienten kümmern wird. Die Stiko werde das
Risiko, dass der Impfstoff eventuell noch unerwartete Nebenwirkungen
hätte, gegen den Nutzen des Impfschutzes abwägen müssen. Für alle
anderen Kindern werde die Kommission vermutlich noch weitere Daten
abwarten, bis sie den Impfstoff empfehle.

Nach Ansicht des Experten spielt die Dosierung anders als bei der
Altersgruppe von 12 bis 17 Jahren bei den Fünf- bis Elfjährigen eine
ganz wichtige Rolle. «Das liegt zum einen daran, dass sich das
Körpergewicht bei diesen Kindern doch sehr stark von dem eines
Erwachsenen unterscheidet», erklärte Dötsch. Zum anderen gehe es um
das Immunsystem. «Die Medizin geht davon aus, dass das ab einem Alter
von etwa zwölf Jahren vollständig ausgebildet ist.» Bei Jüngeren
entwickele es sich noch. «Das sind zwei Besonderheiten, die
berücksichtigt werden müssen und weshalb man sehr sorgfältig vorgehen

muss», sagte Dötsch weiter.

Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech hatte am Freitag angekündigt,
in den kommenden Wochen die Zulassung seines Corona-Impfstoffs auch
für Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren zu beantragen.