Biontech will Impfstoff-Zulassung für Kinder bald beantragen

10.09.2021 16:38

Gibt es bald die Corona-Impfung für Unter-12-Jährige? Zumindest
möchte Biontech bald eine Zulassung beantragen. Profitieren könnte
aber zunächst möglicherweise nur eine bestimmte Gruppe von Kindern.

Mainz (dpa) - Biontech will in den kommenden Wochen die Zulassung
seines Corona-Impfstoffs auch für Kinder im Alter zwischen fünf und
elf Jahren beantragen. Dazu würden die Ergebnisse einer Studie den
Behörden weltweit, «auch hier in Europa», vorgelegt, sagte die
medizinische Geschäftsführerin und Biontech-Mitgründerin Özlem Tü
reci
dem «Spiegel». Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte dem
Redaktionsnetzwerk Deutschland: «Das ist eine gute Nachricht.» Die
Zulassung würde es ermöglichen, auch jüngere Kinder besser zu
schützen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur Ema teilte auf Anfrage
mit, sie könne noch keinen Zeitrahmen für eine mögliche Zulassung
nennen, da ja noch gar kein Antrag gestellt sei.

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und
Jugendmedizin betonte, dass von einer Corona-Impfung für Jungen und
Mädchen unter zwölf Jahren vor allem besonders gefährdete Patienten
profitieren. «Auch in der Altersgruppe der Fünf- bis Elfjährigen gibt

es natürlich Risikogruppen, deren Gesundheit und Teilhabe am sozialen
Leben deutlich verbessert wird, wenn es ein Impfangebot gibt», sagte
Jörg Dötsch der Deutschen Presse-Agentur. Als Beispiele nannte er
Kinder mit einer schweren chronischen Erkrankung oder einem
geschwächten Immunsystem.

Er könne sich vorstellen, dass sich die Ständige Impfkommission
(Stiko) nach einer Zulassung des Impfstoffs - wenn die Abläufe
ähnlich sind wie bei den 12- bis 17-Jährigen - erst einmal um die
Risikopatienten kümmern werde, sagte Dötsch. Die Stiko werde das
Risiko, dass der Impfstoff eventuell noch unerwartete Nebenwirkungen
hätte, gegen den Nutzen des Impfschutzes abwägen müssen. Für alle
anderen Kinder werde die Kommission vermutlich noch weitere Daten
abwarten, bis sie den Impfstoff empfehle. Ein Stiko-Experte für
Kinderimpfungen wollte sich vorerst auf Anfrage nicht zu den
Biontech-Plänen äußern.

Nach Ansicht von Dötsch spielt die Dosierung anders als bei der
Altersgruppe von 12 bis 17 Jahren bei den Fünf- bis Elfjährigen eine
ganz wichtige Rolle. «Das liegt zum einen daran, dass sich das
Körpergewicht bei diesen Kindern doch sehr stark von dem eines
Erwachsenen unterscheidet», erklärte Dötsch. Zum anderen gehe es um
das Immunsystem. «Die Medizin geht davon aus, dass das ab einem Alter
von etwa zwölf Jahren vollständig ausgebildet ist.» Bei Jüngeren
entwickele es sich noch. «Das sind zwei Besonderheiten, die
berücksichtigt werden müssen und weshalb man sehr sorgfältig vorgehen

muss», sagte Dötsch weiter.

Bei Biontech wird bereits die Produktion vorbereitet. «Der Impfstoff
ist derselbe, aber weniger hoch dosiert, und es muss weniger
abgefüllt werden», sagte Türeci.

Die Studienergebnisse liegen laut Biontech vor und müssten nur noch
für die Zulassungsbehörden aufbereitet werden. «Es sieht gut aus,
alles läuft nach Plan», sagte Biontech-Chef Ugur Sahin dem «Spiegel
».
Bis Ende des Jahres würden auch die Studiendaten zu den jüngeren
Kindern ab sechs Monaten erwartet.