Knieschleifer und genervte Nachbarn - wieder Streit um Motorradlärm Von Rolf Schraa, dpa
An beliebten Motorradstrecken in der Eifel, dem Schwarzwald oder dem
Voralpenland gibt es alljährlich Streit um den Zweiradlärm. Anwohner
sehen ihre Gesundheit in Gefahr, die Fahrer fühlen sich gegängelt.
Können leisere Motoren und Auspuffanlagen das Problem lösen?
Berlin (dpa) - Am langen Himmelfahrts-Wochenende steigen wieder
Tausende Biker auf ihre Maschinen und steuern beliebte kurvenreiche
Motorradstrecken an. Für die direkten Anwohner der Biker-Hotspots ist
es dann mit der Feiertagsruhe vielfach vorbei: Wenn an einem einzigen
Tag 1000 Motorräder und mehr an der Terrasse vorbeidonnern, wie an
sonnigen Tagen an manchen Orten im Schwarzwald oder auf der
Schwäbischen Alb, fürchten die Nachbarn um ihre Gesundheit und den
Wert ihrer Grundstücke. Auf der anderen Seite stehen die berechtigten
Freizeitwünsche der Biker - ein Dauerkonflikt, der mit dem Beginn der
Motorradsaison jedes Jahr wieder auflebt und heftig ausgetragen wird.
WO SIND DIE HOTSPOTS?
Motorrad-Hotspots finden sich in bergigen Regionen im Sauerland und
der Eifel, im Schwarzwald, der Schwäbischen Alb zum Beispiel im
Lautertal, dem Voralpenland und am Feldberg in Hessen. Etwa 30 an
Wochenenden oder komplett für Motorradfahrer gesperrte Strecken zählt
der Bundesverband der Motorradfahrer in einer Liste auf, die meisten
in NRW, Bayern und Baden-Württemberg. Dazu kommen noch zahlreiche für
Zweiräder gesperrte Ortsdurchfahrten und Nachtfahrverbote.
Die Sperrungen beschäftigen immer wieder die Gerichte. Vielfach
werden sie dabei kassiert - so untersagte etwa das oberste
Verwaltungsgericht von NRW vor knapp zwei Jahren ein
Sommer-Verkehrsverbot für Motorräder auf einer Straße im Märkischen
Kreis als unverhältnismäßig.
Aus Sicht der Anwohner-Initiativen gibt es dabei bundesweit noch viel
mehr Lärm-Hotspots als Streckensperrungen - in einer Liste des
Arbeitskreises Motorradlärm im BUND werden rund 90 aufgezählt.
WAS SAGEN DIE BETROFFENEN?
«Der Lärm belästigt die Menschen an den Straßen, macht sie krank un
d
entwertet ihre Grundstücke», klagt der Sprecher des Arbeitskreises,
Holger Siegel. Anwohner kritisieren vor allem, dass manche
Motorradfahrer ihre Zweiräder durch Manipulationen am Auspuff
absichtlich lauter machen. Auspuffklappen, die während der Fahrt
geöffnet werden können, ermöglichten vorschriftsmäßige Werte auf
dem
Prüfstand und «unerträglichen Lärm» auf der Straße, sagt Siegel
.
Lautstärkemessungen der Polizei bei angehaltenen Motorrädern seien
häufig nicht gerichtsfest, berichtet der Bürgermeister des
Biker-Hotspots Nideggen in der Eifel, Marco Schmunkamp. Und das
«Blitzen» vorbeifahrender Zweiräder sei mangels Frontkennzeichen
erschwert. Der Zusammenschluss von rund 40 betroffenen Kommunen
«Silent Rider», in dessen Vorstand Schmunkamp sitzt, fordert deshalb
PIN-Codes an den Helmen der Fahrer zur Identifikation der Fahrer von
vorne und die rechtliche Möglichkeit zur sofortigen Stilllegung
manipulierter Motorräder.
UND DIE MOTORRADFAHRER?
Auch die Motorradfahrer sind in zahlreichen Verbänden gut
organisiert. In einem Strategiepapier wiesen sie noch vergangene
Woche bei einem Treffen mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer
(CSU) Vorwürfe entschieden zurück. Bei fast 4,4 Millionen Zweirädern
mit amtlichem Kennzeichen sei das Sicherheitsbewusstsein hoch, die
Zahl der tödlichen Unfälle gehe seit vielen Jahren zurück.
Motorradfahren sei ein Milliarden-Wirtschaftsfaktor - nicht nur für
die Industrie, sondern auch für Tourismus und Gastronomie und
obendrein ressourcenschonender als Auto fahren, heißt es in dem
Papier der Bundesarbeitsgemeinschaft Motorrad.
Die Fahrer, die am Auspuff schrauben, Gänge unnötig hochdrehen und
Straßen als Rennstrecken missbrauchen, müssten durch verstärkte
Kontrollen gestoppt werden, fordern die Motorradfahrer. Für diese
Kontrollen reichten die bestehenden Vorschriften, nötig sei aber mehr
Personal bei den lokalen Behörden. Schon jetzt könne ein Motorrad
beschlagnahmt werden, wenn es für illegale Straßenrennen genutzt
wird.
LÖSUNGSMÖGLICHKEITEN?
Lösungen liegen im Gespräch der beiden Lager. «Wir wollen keine
Streckensperrungen», betont Silent-Rider-Vorstand Schmunkamp. Damit
bestrafe man ja die 90 Prozent der Fahrer, die sich an alle Regeln
halten. Seine Stadt lebe vom Tourismus. «Wir begrüßen die
Motorradfahrer, aber nicht die Krachschläger - die gehören auf den
Nürburgring.»
Verständnis auch bei den Motorradfahrern: Auch die Biker müssten
einen Beitrag leisten und alte Leitbilder überwinden, heißt es in dem
Papier der Motorradfahrer: «Satter Sound heißt nicht für Dritte
nervtötend.»
Außerdem seien neue Motorräder durch verschärfte europäische
Grenzwerte schon wesentlich leiser geworden, zuletzt zum Ende 2020,
betont der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Motorradindustrie
in Deutschland, IVM, Reiner Brendicke - wenn sie nicht manipuliert
sind, wohlgemerkt.
Am einfachsten lasse sich der Lärmausstoß schlicht mit der Hand am
Gasgriff regulieren, betont der ADAC. Damit die Fahrer bei der
Ortsdurchfahrt niedrige Gänge meiden und den Motor nicht aufheulen
lassen, bietet der Club den Kommunen jetzt auf Wunsch kostenlose
Hinweisschilder zum Aufstellen an: «Leise fahren, Lärm ersparen»
heißt es darauf - oder etwas plakativer: «Bitte nicht rööööhren
».
BKK firmus: Auch 2026 günstigste Krankenkasse
In drei Minuten in die BKK firmus wechseln: Nutzen Sie das Online-Beitrittsformular der BKK firmus. Wechseln Sie schnell, sicher und bequem online.
Online-Wechsel: In drei Minuten in die TK
Online wechseln: Sie möchten auf dem schnellsten Weg und in einem Schritt der Techniker Krankenkasse beitreten? Dann nutzen Sie den Online-Beitrittsantrag der TK. Arbeitnehmer, Studenten und Selbstständige, erhalten direkt online eine vorläufige Versicherungsbescheinigung. Die TK kündigt Ihre alte Krankenkasse.