) Thüringer Hausärzte und Apotheke: Praxen-Impfphase «gut angelaufen»

07.04.2021 18:45

Die nächste Corona-Impfphase ist eingeläutet: Seit Dienstag
unterstützen Hausarztpraxen die Impfzentren beim Pieksen. Mediziner
und Apotheker sprechen von einem guten Start.

Erfurt (dpa/th) - Die ersten Corona-Impfungen in den Praxen der
Hausärzte und Hausärztinnen sind nach Einschätzung des Thüringer
Hausärzteverbandes gut angelaufen. Die Impfstoff-Lieferungen des
Großhandels seien in den meisten Praxen pünktlich und problemlos im
Laufe des Dienstags angekommen, sagte der Sprecher des Thüringer
Hausärzteverbandes, Ulf Zitterbart, am Mittwoch.

Bis Dienstag seien rund 20 000 Impfdosen der Firma Biontech an die
Praxen ausgeteilt worden, berichtete der Sprecher des Thüringer
Apothekerverbandes, Stefan Fink am Mittwoch. Erwartet worden waren
laut Fink rund 5000 Dosen mehr. Die um rund 20 Prozent gekürzte Menge
sei teilweise auf die Ärzte verteilt worden. Im Schnitt habe jeder
Hausarzt und jede Hausärztin in Thüringen 18 bis 24 Dosen erhalten,
die bis zum Wochenende geimpft werden können.

Zitterbart selbst hatte 27 Impfdosen zur Verfügung gestellt bekommen,
ebenso wie die vier weiteren Ärzte in der Kranichfelder
Gemeinschaftspraxis. «Wir haben um 14.00 Uhr gestern schon gestartet
und Hausbesuche gefahren - zu Menschen, die gar nicht mehr in
Impfzentren können», sagte Zitterbart. Aktuell gehörten vor allem neu

zugezogene Pflegeheimbewohner und bettlägerige Patientinnen zu seinen
Impfpatienten. «Diese Menschen sind sehr froh von uns geimpft zu
werden.»

Die Praxen regeln die Terminvergabe selbst, beispielsweise per
Telefon oder digitaler Terminbuchungsmöglichkeit. Für den
Hausärzteverband stellt das die bei weitem Größte Hürde in der
angelaufenen Impfphase dar. Die Wartelisten seien lang, die
Terminvergabe ein unheimlicher Arbeitsaufwand. Viele auf der
Warteliste seien in der Zwischenzeit schon geimpft worden oder hätten
einen Termin in einem der Zentren erhalten.

Die Krankenärztliche Vereinigung empfiehlt den Praxen sich bei der
Terminvergabe nach der gängigen Impfpriorisierung zu richten. Auch
für die Hausarztpraxen gilt generell die festgelegte Reihenfolge, wer
zuerst geimpft werden kann. Man arbeite «von oben nach unten» ab -
zuerst kämen alle Hochrisikopatienten, also die Ältesten, an die
Reihe, sagte Zitterbart.

Rund 305 100 Thüringer und Thüringerinnen (rund 15 Prozent) sind nach
Angaben des Gesundheitsministeriums bisher erstmalig geimpft worden.
In den vergangenen 24 Stunden sind rund 5500 erste Corona-Impfungen
dazugekommen. Ihre Zweitimpfung, und damit den vollen Impfschutz,
haben den Angaben zufolge bisher rund 132 900 Thüringerinnen und
Thüringer erhalten. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von gut
sechs Prozent.

«Der Bestellprozess für die nächste Woche ist auch schon wieder
eingeläutet», sagte Fink vom Apothekerverband. 20 000 bis 25 000
Dosen sollen dann wieder thüringenweit verfügbar sein. Jede Praxis
gibt in der Apotheke ihre Bestellung auf, in der sie auch für den
sogenannten Sprechstundenbedarf bestellt. Diese Zuweisung habe sehr
gut geklappt, sagte Fink. Bisher ruckele es aber «nur, weil ein
bisschen zu wenig Impfstoff da ist». Seiner Ansicht nach könnten die
Hausarztpraxen das Dreifache der Dosen impfen.

Auch der Thüringer Hausärzteverband wünscht sich mehr Impfdosen. Die

Hausärzteschaft sei unglücklich darüber, dass bisher nur 20 bis 30
Dosen pro Arzt oder Ärztin in der Woche verfügbar seien. Einige
könnten bis zu 100 Dosen pro Woche impfen, sagte Zitterbart.

Ab kommender Woche soll das Impfstoff-Kontingent deutschlandweit laut
Apothekerverband von einer auf drei Millionen Dosen pro Woche
ansteigen. Für Thüringen bedeute das, dass die Arztpraxen von
durchschnittlich 25 auf 75 Impfungen pro Woche und Arzt aufstocken
können. «Dann müssen die Ärzte schon ganz schön doll impfen», s
agte
Fink. Ergänzend zu den Biontech-Lieferungen an die Praxen über den
Großhandel sollen in dieser Woche rund 35 000 zusätzliche Impfdosen
in den inzidenzstarken Landkreisen Greiz und Schmalkalden-Meiningen,
dem Saale-Orla Kreis, dem Wartburgkreis und der Stadt Gera zum
Einsatz kommen.