Impfungen bei Hausärzten gestartet - Patienten «total happy»

07.04.2021 15:49

Nun impfen auch Hausärzte gegen das Coronavirus. Noch können sie nur
begrenzte - und heiß begehrte - Dosen verabreichen. Doch erste
Rückmeldungen aus den Praxen sind positiv.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - In Hessen sind die Corona-Schutzimpfungen
in den Hausarztpraxen angelaufen. Die Nachfrage unter den Patienten
sei riesig und die frisch Geimpften «total happy», berichtete der
erste Vorsitzende des Hausärzteverbandes Hessen, Armin Beck, zum
offiziellen Start der Impfungen durch die Mediziner am Mittwoch. «Es
ist ein super Beginn. Das funktioniert klasse, das ist
unproblematisch, die Patienten kommen und freuen sich.» So viele
glückliche Menschen sehe man selten in einer Arztpraxis.

Bislang erhielten die Impfberechtigten in Hessen ihre Spritze gegen
das Virus vor allem in den 28 Impfzentren. Seit dieser Woche können
diese auch Hausärzte verabreichen - was die vor rund drei Monaten
gestartete Impfkampagne in Deutschland beschleunigen soll.

«Die Einbeziehung der ärztlichen Regelstruktur ist ein wichtiger
Schritt, um die Impfungen zu erweitern und in die Fläche zu bringen»,
sagte Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) am Mittwoch. «Die
gelockerten Transport- und Lagerbedingungen der Impfstoffe sowie die
größere verfügbare Menge ermöglichen nun die Einbeziehung der
niedergelassenen Ärzteschaft über Modellprojekte hinaus und neben den
wichtigen Impfzentren und ihren mobilen Teams.»

Die Menge der Präparate, die die Apotheken an die Praxen liefern
können, ist derzeit allerdings noch überschaubar: Nach Angaben des
Landes Hessen stehen zu Beginn durchschnittlich etwa 20 Dosen pro
Woche und Praxis zur Verfügung. Angesichts der vom Bund angekündigten
erhöhten Liefermengen für die kommenden Wochen solle diese Zahl dann
stetig gesteigert werden, teilte das Gesundheitsministerium weiter
mit. Für die Hausärzte, die freiwillig an der Impfkampagne
teilnehmen, gilt demnach: Sie wählen die Impfkandidaten «unter
Beachtung der Priorisierungsreihenfolge nach Corona-Impfverordnung
eigenverantwortlich aus».

Mediziner Beck hat nach eigenen Angaben für seine Praxis mit mehreren
Ärzten in Hofheim zunächst 54 Impfdosen bekommen. Die Patienten
bekommen den Piks gegen Corona in der Praxis oder bei Hausbesuchen.
Der Umgang mit dem Impfstoff sei völlig unproblematisch. Die
Präparate seien am Vortag kalt geliefert worden, über Nacht im
Kühlschrank geblieben und würden nun passend für die Impfungen
vorbereitet. Der Verbandsvorsitzende schätzte, dass zu Beginn etwa
3000 der rund 4000 Hausärzte gegen das Virus impfen. Sobald mehr
Dosen zur Verfügung stünden, gehe er von einer weitgehend
hundertprozentigen Abdeckung aus.

Bereits am Dienstagnachmittag hatten die ersten Hausärzte losgelegt,
etwa der Wiesbadener Mediziner Christian Sommerbrodt. «Die Patienten
waren ganz erleichtert, dass es endlich vorwärts geht, dass wir einen
Schritt weiterkommen», berichtete er. Die Informationen über die
Impfstoffversorgung seien aber «verwirrend» gewesen. Zunächst habe er

Patienten absagen müssen. Erst am Dienstagmittag sei dann klar
gewesen, dass es doch Impfstoff gebe und die ersten zwölf Patienten
geimpft werden konnten.

In den ersten beiden Wochen werden die Hausarztpraxen dem hessischen
Gesundheitsministerium zufolge allein das Mittel des Mainzer
Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer verabreichen. «In
den folgenden Wochen werden weitere Impfstoffe hinzukommen, die
ebenso vom pharmazeutischen Großhandel und den Apotheken vor Ort an
die Arztpraxen geliefert werden.» Das Ministerium bat Personen, die
beim Hausarzt geimpft werden, einen möglicherweise bereits
bestehenden Termin in einem Zentrum zu stornieren, «um anderen eine
Option zur Impfung zu eröffnen».

Künftig sollen in Hessen auch andere niedergelassene Mediziner gegen
das Coronavirus impfen dürfen: «Wir bereiten uns darauf vor, auch
Strukturen wie Betriebs-, Fach- und Privatärzte einzubeziehen, sobald
mehr Impfstoff zur Verfügung steht», kündigte Minister Klose an.

Bis einschließlich Dienstag wurden im Bundesland insgesamt 1,15
Millionen Spritzen verabreicht. Fast 774 000 Menschen erhielten
bislang eine erste Dosis gegen das Coronavirus, was einer Impfquote
von 12,3 entspricht. Ihre zweite Dosis bekamen 379 000 Hessen (6,0
Prozent). Die Impfungen in den 28 Impfzentren werden fortgesetzt.