Steinmeier mit Astrazeneca geimpft - «Vertraue Impfstoffen»

01.04.2021 15:53

Das Misstrauen gegenüber dem Impfstoff von Astrazeneca ist groß - da
lässt sich der Bundespräsident demonstrativ damit impfen. Das Zeichen
ist bewusst gesetzt. Steinmeier verbindet es mit einem Appell an die
Bürger.

Berlin (dpa) - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat seine
erste Corona-Schutzimpfung erhalten. Dem Staatsoberhaupt wurde am
Donnerstag im Bundeswehr-Krankenhaus in Berlin der Impfstoff von
Astrazeneca gespritzt, wie das Bundespräsidialamt mitteilte. Der
65-Jährige appellierte im Anschluss an alle Bürger, seinem Beispiel
zu folgen: «Das Impfen ist der entscheidende Schritt auf dem Weg aus
der Pandemie. Nutzen Sie die Möglichkeiten. Machen Sie mit!»
Steinmeier kündigte zudem für den Karsamstag eine Fernsehansprache
zur aktuellen Lage in der Corona-Pandemie an.

Der Bundespräsident hatte immer betont, dass er erst geimpft werden
wolle, wenn er nach der Priorisierung an der Reihe sei. Dies trat nun
ein, weil Bund und Länder am Dienstag der Empfehlung der Ständigen
Impfkommission (Stiko) gefolgt sind, das Präparat von Astrazeneca in
der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahren einzusetzen. Dadurch
kann nun auch schon die Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen für
dieses Mittel in die Impfkampagne einbezogen werden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte an diese Altersgruppe
appelliert, das Impfangebot auch anzunehmen. Nun zeigte er sich
erfreut, dass sich Steinmeier impfen ließ. Der Bundespräsident sei
damit auch Vorbild für andere. Dies zeige, «wie dieser kleine Piks
dann eben doch einen großen Unterschied machen kann für einen selbst,
aber vor allem auch für uns alle im gegenseitigen Schutz».

Steinmeier versuchte auch, Bedenken gegen den Impfstoff zu
zerstreuen. «Ich vertraue den in Deutschland zugelassenen
Impfstoffen», erklärte er in einer Mitteilung. Hintergrund für den
weitgehenden Impfstopp mit dem Wirkstoff von Astrazeneca für unter
60-Jährige sind Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen.
Mitte März hatte es deswegen schon einmal eine Impfpause von einigen
Tagen und neue Überprüfungen gegeben.

Dass sich Steinmeier mit diesem Stoff impfen ließ, stieß auf große
Zustimmung. FDP-Chef Christian Lindner sah darin eine «wichtiges
Signal» und betonte: «Der Kreis der für Astrazeneca Impfberechtigten

sollte bundesweit über die ersten beiden Impfgruppen hinaus
ausgeweitet werden.» Auch auf Steinmeiers Facebook-Seite gab es viele
positive Stimmen. «Vorbildlich, Herr Bundespräsident! Sie haben
gewartet, bis Sie an der Reihe waren und den zu Unrecht verpönten
Impfstoff genommen», schrieb zum Beispiel eine Frau.

Bislang sind erst wenige Spitzenpolitiker geimpft. Einer von ihnen
ist Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Steinmeiers Frau
Elke Büdenbender, die bei der Priorisierung in einer anderen Stufe
als ihr Mann ist, wurde nach dpa-Informationen ebenfalls bereits vor
kurzem erstmals geimpft.

In die Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen fällt auch Kanzlerin
Angela Merkel (CDU), die nach eigenen Angaben ebenfalls bereit ist,
den Impfstoff von Astrazeneca zu nehmen. «Die Möglichkeit, sich
impfen zu lassen, ist für mich nähergerückt. Das ist richtig», hatt
e
sie am Dienstagabend nach der Entscheidung von Bund und Ländern zum
Impfstoff von Astrazeneca gesagt. Sie müsse sich aber erst einmal
über das Verfahren in Berlin informieren.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (71) will sich jedoch nicht mit
diesem Vakzin impfen lassen. Das sagte eine Ministeriumssprecherin am
Donnerstag. Dagegen hatte Baden-Württembergs Ministerpräsident
Winfried Kretschmann (72) im März eine erste Impfung mit diesem
Wirkstoff erhalten.

Eine Fernsehansprache des Bundespräsidenten ist ein ungewöhnlicher
Schritt. Normalerweise wendet er sich immer nur zu Weihnachten an die
Bürger. Schon in der ersten Corona-Welle im vergangenen Jahr hatte
Steinmeier aber diesen Weg gewählt, ebenfalls an Ostern. In den
vergangenen Wochen zeigte er wiederholt Verständnis für die wachsende
Unzufriedenheit der Bürger mit der Krisenbewältigung in Deutschland,
rief aber zugleich zum Durchhalten und zu Zuversicht auf.