Städtetag fordert klare und intensive Kommunikation zu Impfungen ein

01.04.2021 03:30

Berlin (dpa) - Der Deutsche Städtetag sieht Bund und Länder nach der
neuen Altersbeschränkung für das Präparat von Astrazeneca in der
Pflicht. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte der Deutschen
Presse-Agentur: «Wir brauchen jetzt eine klare und sehr intensive
Kommunikation von Bund und Ländern zu den Impfstoffen. Die Menschen
müssen nach dieser Astrazeneca-Entscheidung so einfach wie möglich
einen Überblick bekommen: Für welche Gruppen der Bevölkerung kommen
welche Impfstoffe zum Einsatz? Wo liegen Vorteile und Risiken der
Impfungen?»

Ganz entscheidend bleibe: Es sei dringend zu empfehlen, sich impfen
zu lassen, sagte Dedy. «Wir rechnen weiter damit, dass das Impftempo
im April an Fahrt gewinnt. Die angekündigten zusätzlichen Lieferungen
an Impfstoffen müssen uns sichtbar voranbringen. Das erwarten die
Menschen.» Dies sei nun nötig, um Vertrauen zurückzugewinnen.

Bund und Länder hatten am Dienstagabend nach einer Empfehlung der
Ständigen Impfkommission beschlossen, Astrazeneca in der Regel nur
noch für Menschen ab 60 Jahre einzusetzen. Jüngere sollen sich «nach

ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach
sorgfältiger Aufklärung» weiterhin damit impfen lassen können.
Hintergrund sind Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen.

Dedy sagte, die Impfkampagne in Deutschland habe «leider wieder»
einen Rückschlag erlitten. «Die Empfehlung, mit Astrazeneca jetzt vor
allem Menschen über 60 Jahre zu impfen, sorgt für zusätzlichen
Aufwand in den kommunalen Impfzentren. Aber wenn Hinweise auf
medizinische Risiken auftreten, muss diesen nachgegangen werden. Die
Menschen müssen Vertrauen in die Sicherheit der Impfungen haben. Das
ist das A und O.»

Kurzfristig würde eine Reihe von Impfterminen nicht eingehalten
werden können. «Aber zugleich wird schon an Alternativen gearbeitet,
um diese Menschen schnell mit anderen Impfstoffen versorgen zu
können», so Dedy. Die Akteure vor Ort seien stark gefordert, weil sie
sich auf ständig angepasste Impfstoffmengen einstellen müssten und
nun auch die neue Entwicklung bei Astrazeneca zu beachten sei. «Wenn
jetzt alle Beteiligten flexibel agieren und an einem Strang ziehen,
ist der Rückschlag aber bald zu kompensieren. Die Impfzentren der
Kommunen werden weiter gute Arbeit machen, damit das Impfen
vorankommt.»