ProSieben-Primetime für Pflegekräfte

31.03.2021 22:27

Motto #Nichtselbstverständlich: Die Entertainer Joko und Klaas haben
bei ProSieben wieder freie Sendezeit erspielt und sie diesmal
genutzt, um stundenlang auf den Pflegenotstand hinzuweisen.

Berlin/Münster (dpa) - In einer außergewöhnlichen Aktion hat der
Privatsender ProSieben am Mittwochabend sein Programm freigeräumt, um
aus dem Alltag von überlasteten Pflegekräften in Deutschland zu
berichten. Unter dem Motto «Nicht selbstverständlich» kamen
zahlreiche Frauen und Männer aus Krankenhäusern und Altenheimen zu
Wort, die auf die Probleme in der Pflege hinwiesen.

Die Entertainer Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf hatten
wieder freie Sendezeit erspielt und nutzen sie diesmal, um auf den
Pflegenotstand hinzuweisen.

Um 20.15 Uhr begann eine Sendung bei dem für Unterhaltung berühmten
Privatsender, die weit länger dauerte als die üblichen 15 Minuten -
bis in den frühen Donnerstag hinein.

Optisch begleiteten die Zuschauerinnen und Zuschauer per kleiner
Kamera eine Schicht der Gesundheits- und Krankenpflegerin Meike Ista
im Knochenmark- und Transplantationszentrum der Uniklinik Münster
(dokumentiert als vom 18. März 2021).

Vor allem zu Beginn der Sendung wurden Stimmen und Köpfe anderer
Pflegekräfte wie etwa Alexander Jorde aus Hildesheim oder Franziska
Böhler aus Frankfurt/Main eingespielt, die auf die Not in deutschen
Krankenhäusern hinwiesen. Sie machten vor allem die hohe Belastung
und schlechte Bezahlung deutlich. Seit Jahrzehnten versäumten es
Politik und Gesellschaft, faire Bezahlung und machbare Arbeitsmengen
zu organisieren.

Der Kölner Krankenpfleger Dustin Struwe sagte, es sei traurig, dass
eine Pandemie wie Corona nötig gewesen sei, um die schlimme Situation
der Pflege in Deutschland zu verdeutlichen. Die Bottroper
Altenpflegerin Flora Reiling sagte zum Beispiel, es sei schlimm, dass
manchmal nur zwei Pflegende für 35 Pflegebedürftige zuständig seien.


Der Bielefelder Intensivpfleger Ralf Berning wies auf die andauernde
Überlastung hin. Er kenne Leute, die 23 Tage am Stück arbeiteten, das
sei «völlig unmenschlich». Er sei lange Soldat gewesen und ginge
lieber wieder nach Afghanistan als noch einmal so etwas Schlimmes zu
erleben wie während der zweiten Corona-Welle im Herbst.

Der Düsseldorfer Krankenpfleger Metin Dogru sagte, er liebe seinen
Beruf, aber viele gäben auch auf, weil es zu anstrengend sei.

Die beiden Entertainer Joko Winterscheidt (42) und Klaas
Heufer-Umlauf (37) behandeln in ihrer Sendung «Joko & Klaas Live»
immer wieder gesellschaftlich relevante Themen.

Die freie Sendezeit hatten sich die Moderatoren in der am Dienstag
ausgestrahlten Show «Joko & Klaas gegen ProSieben» erspielt, in der
sie in mehreren Wettkämpfen gegen ihren Arbeitgeber antreten.

Erstmals in der besonderen Geschichte von «Joko & Klaas Live» seit
2019 hatten die Entertainer diesmal ProSieben gebeten, mehr Sendezeit
als die sonst übliche Viertelstunde zugestanden zu bekommen.

«Sowas stellt nämlich in so'nem Sender ein bisschen was auf den Kopf
und widerspricht genau genommen jeder Regel des Fernsehens», leitete
Klaas die auf viele Stunden angelegte Pflegenotstand-Sondersendung
ein. Joko ergänzte: «Ein Thema, das uns alle betrifft, mitten aus dem
Leben, und dennoch zu oft ganz am Rand der allgemeinen Wahrnehmung.
Viele Themen im Leben bekommen erst dann den Stellenwert, den sie
verdient haben, wenn man die Gelegenheit bekommt, sich in ein Leben
hineinzuversetzen, das nicht zwangsläufig das eigene ist.»

Joko und Klaas dankten dem Sender in Unterföhring bei München. «Wir
freuen uns sehr, dass sie diese - für einen Fernsehsender sehr
ungewöhnliche - Idee mit uns umsetzen wollen», hatten beide schon am
Nachmittag mitgeteilt. ProSieben-Chef Daniel Rosemann hatte erklärt:
«Joko und Klaas haben wirklich eine besondere Idee für eine
außergewöhnliche Aktion. Diese Idee will ProSieben unterstützen.»