Getrübte Oster-Vorfreude an den Küsten Schleswig-Holsteins

01.04.2021 12:02

Füße im Sand, Kopf in der Sonne, eine frische Brise vom Meer. Was zu
Ostern so schön sein könnte an Nord- und Ostsee, soll wegen Corona
ausfallen. Die Urlaubsorte in Schleswig-Holstein fürchten, es könnten
zu viele Menschen kommen.

Sylt/Grömitz (dpa/lno) - Kurz vor Ostern ist die Stimmung in den
schleswig-holsteinischen Badeorten ziemlich gedämpft. Wo in normalen
Zeiten Zehntausende Gäste mit Freude begrüßt werden, macht man sich
in diesem Jahr Sorgen wegen der Menschen, die trotz der
Corona-Pandemie anreisen. Eigentümer, die ihre Ferienwohnungen und
-häuser nicht selbst nutzen, dürfe sie Verwandten oder Freunden
unentgeltlich überlassen. Der Bürgermeister der Gemeinde Sylt,
Nikolas Häckel, appelliert an alle, zu Hause zu bleiben.

Was ist im Norden zu Ostern nach der Corona-Landesverordnung erlaubt?

Kontakte außerhalb des eigenen Haushalts sind auf das absolut Nötige
zu beschränken. Generell dürfen sich zwei Haushalte mit insgesamt
maximal fünf Personen treffen. Gehören zu einem Haushalt mehr als
fünf Personen, darf nur noch eine weitere Person dazukommen. Liegt
die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen
in einem Kreis oder einer kreisfreien Stadt drei Tage nacheinander
über 100, sind nur noch Begegnungen eines Haushalts mit einer
weiteren Person erlaubt. Kinder unter 14 Jahren werden nicht
mitgezählt.

Es gilt ein touristisches Beherbergungsverbot. In Hotels, Pensionen
und anderen Quartieren darf nur übernachten, wer aus beruflichen oder
medizinischen Gründen reist.

Freizeitparks und Schwimmbäder bleiben geschlossen. Museen,
Gedenkstätten, Bibliotheken, Archive, Botanische Gärten, Tierparks,
Wildparks, Aquarien, Angelteiche, Strandkorbvermietungen,
Sonnenstudios und Zoos können dagegen öffnen. Es gilt eine
Beschränkung der Besucherzahl pro Fläche, es müssen Kontaktdaten
erhoben werden.

Öffnungen im Einzelhandel sind vom Inzidenzwert abgängig, also der
Zahl der Menschen, die sich bezogen auf 100 000 Einwohner innerhalb
von sieben Tagen mit dem Coronavirus infizieren. In den Kreisen
Segeberg und Pinneberg sowie der Stadt Flensburg müssen die Geschäfte
auf «Click & Collect» umstellen, weil die Inzidenz auf mehr als 100
gestiegen ist.

Wie ist die Situation in Nordfriesland?

Sylts Bürgermeister Häckel rechnet trotz des touristischen
Beherbergungsverbots mit vermehrten Anreisen an den Ostertagen. Sein
Wunsch: Wer in seine Zweitwohnung reise, sollte sich regelmäßig
testen lassen. «Auch Tagesgäste mögen sich bitte testen - eine
Teststation haben wir unmittelbar am Bahnhof Westerland
eingerichtet», sagte Häckel. Er kündigte zudem an, das bestehende
Beherbergungsverbot weiter zu kontrollieren.

Auch St. Peter-Ording rechnet je nach Wetterlage mit mehr
Zweitwohnungsbesitzern und Dauercampern. Die Gemeinde appelliert an
die Gäste, sich an die Corona-Regeln zu halten, Masken zu tragen und
gezielt Orte aufzusuchen, die wenig frequentiert werden. Zudem wird
Campern dringend abgeraten nach St. Peter-Ording zu reisen, da es
keine Stellplätze gebe. «Wildes Campen ist verboten und wird mit
Geldbußen von 100 Euro zuzüglich Bearbeitungsgebühr bestraft», sagt
e
Tourismus-Direktorin Katharina Schirmbeck.

Auf der Seebrücke gibt es eine Maskenpflicht. Am Osterwochenende soll
es verstärkte Kontrollen geben. Tagestourismus ist nicht verboten,
die Gemeinde weist aber darauf hin, dass es vor Ort nur ein sehr
eingeschränktes Angebot gibt. So werde keine Außengastronomie
angeboten «und wir haben keine Strandkörbe rausgestellt».

Der Kreis Nordfriesland hat bereits am Wochenende die
Allgemeinverfügung zur Maskenpflicht auf Straßen und Plätzen im
Kreisgebiet verlängert und um Regelungen für die Gemeinde Sylt
ergänzt.

Wie reagieren Küstenorte an der Ostsee?

Auch im Kreis Ostholstein wurde die Pflicht zum Tragen eines
Mund-Nasen-Schutzes für einige Orte ausgeweitet. So gilt jetzt auch
in Burg auf Fehmarn sowie in den Jachthäfen Burgstaaken und Orth auf
der Ostseeinsel die Maskenpflicht. Gleiches gilt für den Jachthafen
Grömitz. In Scharbeutz und Timmendorfer Strand müssen auch am
Ostermontag Masken getragen werden. Zuvor galt diese Pflicht nur an
den Wochenenden.

In Grömitz gibt es etwa 3800 Zweitwohnungen. Ob die allerdings
tatsächlich nur von den Eigentümern und deren Familien genutzt
werden, lässt sich nach Angaben des Tourismus-Service Grömitz nicht
feststellen. Dort werden wie auch in Timmendorfer Strand an den
Feiertagen Polizei und Ordnungsamt unterwegs sein.