Ostern in der Pandemie - Kirchen bereiten Präsenz-Gottesdienste vor

31.03.2021 04:00

Die Aufregung in den beiden Kirchen war nach der jüngsten
Ministerpräsidentenkonferenz groß: Würden an Ostern genau wie im
Vorjahr die Kirchenbänke leer bleiben? Doch inzwischen ist klar: Es
gibt Präsenz-Gottesdienste.

Bamberg/München/Kulmbach (dpa/lby) - Weniger Besucher, kein
Gemeindegesang, FFP2-Masken: Anders als im vergangenen Jahr wird es
in Bayern heuer zwar öffentliche Gottesdienste an den Kartagen und an
Ostern geben. Doch ob unter diesen Bedingungen wahre Osterfreude
aufkommt? Zum Karfreitag freilich passt die Stimmung, in den
katholischen Kirchen schweigen dann traditionell sowieso Orgelmusik
und Glockengeläut.

Überrascht bis verärgert hatten Kirchenvertreter reagiert, als nach
den jüngsten Beratungen von Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin
plötzlich die Rede davon war, an Ostern auf Präsenz-Gottesdienste zu
verzichten und sich auf Online-Angebote zu beschränken. Würden genau
wie im Vorjahr, als im ersten Lockdown das öffentliche Leben
weitgehend stillstand, die Kirchenbänke ausgerechnet an Ostern
leerbleiben? Doch inzwischen ist klar: Es dürfen Gläubige in die
Gotteshäuser kommen, wenn die beiden großen Kirchen an Jesu Leiden
und Sterben erinnern und dann seine Auferstehung feiern.

Im Landkreis Kulmbach gehen die katholischen Gemeinden allerdings
einen Sonderweg: Weil dort seit Wochen die Infektionszahlen sehr hoch
sind, haben sie fast alle Gottesdienste im April abgesagt. Hans
Roppelt, der leitende Pfarrer des Seelsorgebereichs Kulmbach, schrieb
in einer Mitteilung: Der Inzidenzwert in Kulmbach sei sehr hoch. «Das
darf uns nicht egal sein. Wir müssen alle mithelfen, dass das besser
wird. Vielleicht ist unser Verzicht auf den Gottesdienst ein Beitrag
dazu.» Die Entscheidung solle auch Vorbildwirkung haben. «Nicht
alles, was nicht verboten ist, soll auch getan werden. Wir müssen
endlich den Ernst der Lage sehen.»

In vielen Gemeinden im Freistaat müssen sich Besucher vorher für die
Gottesdienste anmelden. So auch zum Beispiel im Bamberger Dom. Und
wegen des Abstands von mindestens 1,5 Meter werden weit weniger
Gläubige in die Kirchen kommen, als sonst an Ostern üblich. In
München sind im Liebfrauendom etwa 130 Menschen zugelassen - sonst
kommen dort an Weihnachten und Ostern weit mehr als 1000. Im
Bamberger Dom gibt es nach Worten eines Sprechers circa 170 Plätze.

Zudem werden aus vielen Kirchen Gottesdienste gestreamt, damit
Interessierte von daheim aus zuschauen können. Eine Übertragung
ermögliche das Mitfeiern zu Hause, sagte der Bamberger Erzbischof
Ludwig Schick. Jeder könne entscheiden, ob er in die Kirche geht oder
zu Hause die Gottesdienste verfolgt. «Das muss jeder für sich sehen.»


Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer berichtete von
zahlreichen Zuschriften von Gläubigen, die ihn erreicht hätten. Die
Menschen wünschten sich gemeinschaftliche Gottesdienste, hieß es in
einer Mitteilung des Bistums. Das Schutzkonzept des Bistums habe sich
in den vergangenen zwölf Monaten bewährt.

Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hatte die
Präsenz-Gottesdienste an Ostern verteidigt. «Die Hygienekonzepte sind
so ausgereift, dass wir das verantworten können», hatte er erklärt.

Viele evangelische Gemeinden raten ihren Mitgliedern zu einem
Schnelltest vor dem Gottesdienstbesuch.