Bundeswehr-Inspekteur: Bevölkerungsschutz muss gestärkt werden

30.03.2021 13:47

Berlin (dpa) - Der Kommandeur der Corona-Amtshilfe der Bundeswehr,
Generalleutnant Martin Schelleis, begrüßt die Pläne für eine Stär
kung
des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).
Aus der Corona-Pandemie müssten umfangreich Lehren gezogen werden,
fordert Schelleis, Inspekteur der sogenannten Streitkräftebasis und
damit Nationaler Territorialer Befehlshaber, am Dienstag in einer
Telefonkonferenz mit Journalisten.

Schelleis plädierte dafür, dabei nicht nur auf den Gesundheitsschutz
zu schauen, sondern auch andere Gefahren wie einen großflächigen
Cyberangriff auf die deutsche Infrastruktur in den Blick zu nehmen.
Dann drohten katastrophale Zustände, bei denen viele Akteure des
zivilen Krisenmanagements schnell zusammenarbeiten müssten. «Darauf
müssen wir uns vorbereiten», sagte Schelleis. Das in Bonn ansässige
Bundesamt könne dann auch «operativer Stab» sein. Ein
leistungsfähiger, ziviler Pfeiler stärke auch die Gesamtverteidigung.

In der Corona-Pandemie sind nach seinen Worten weiterhin 25 000
Männer und Frauen der Bundeswehr in Bereitschaft. In der Spitze seien
20 000 Soldaten unmittelbar in Einsatzen gebunden, vor allem bei der
Kontaktnachverfolgung in den Gesundheitsämtern. Derzeit sind vor
Alten- und Pflegeheimen noch 2100 Männer und Frauen der Bundeswehr
für Schnelltests eingesetzt. Dies zeigt, dass es Ländern und Kommunen
offenkundig nicht gelungen ist, diese Aufgaben bis zum Beginn der
Osterfeiertage vollständig an zivile Helfer zu übergeben. In der
Bundeswehr ruhen derweil zahlreiche Ausbildungsvorhaben für die
Kernaufgabe der Streitkräfte.

In seiner Bilanz der vor einem Jahr begonnenen und weiter laufenden
Amtshilfeeinsätze sagte Schelleis, es seien bisher 6157 auf Corona
bezogene Amtshilfeanträge gestellt worden. Davon seien 88 Prozent
gebilligt worden. Die Soldaten hätten «beispielhafte Arbeitsmoral»
bewiesen und große Sympathien gewonnen. Zumindest derzeit sei keine
andere Organisation in der Lage, dauerhaft Hilfe in diesem Umfang zu
leisten.