Geflügelpest per Tiertransport - Keine landesweite Stallpflicht

29.03.2021 19:35

Mit einem Tiertransport aus Nordrhein-Westfalen ist die Geflügelpest,
die viele auch Vogelgrippe nennen, nach Thüringen gekommen. Der
Krisenstab des Freistaats kam am Montag erstmals zusammen.

Erfurt (dpa/th) - Nach dem Ausbruch der Geflügelpest in mindestens
vier Thüringer Landkreisen wird es zunächst im Freistaat keine
landesweite Stallpflicht für Hühner, Enten, Gänse oder Puten von
Geflügelhaltern geben. Der zur Eindämmung der Tierseuche gebildete
Landeskrisenstab entschied am Montagabend, dass die Gefahr nicht in
allen Landkreisen als so hoch einzuschätzen sei, dass eine
flächendeckende Stallpflicht angeordnet werden müsse, teilte das
Gesundheitsministerium mit.

Der derzeitige Durchzug nordischer Wasservögel könne zwar zur
überregionalen Verbreitung beitragen. Nach der aktuellen
Risikobewertung werde die Gefahr aber nicht in allen Landkreisen als
hoch eingeschätzt. Unabhängig davon gebe es für die Geflügelbetrieb
e
in den Restriktionszonen eine Stallpflicht. Ausnahmen müssten von den
Behörden genehmigt werden.

Der erste Nachweis des für Geflügel hochansteckenden Influenzavirus
H5N8 war am vergangenen Dienstag bekannt geworden. Inzwischen ist es
laut Ministerium für insgesamt 25 Betriebe in Thüringen nachgewiesen.
Verschiedene Landkreise haben bereits Allgemeinverfügungen erlassen,
in denen Tierhalter aufgefordert werden, Geflügel in den Stall zu
sperren.

Von dem Ausbruch der im Volksmund auch Vogelgrippe genannten Seuche
sind laut Ministerium Halter von Geflügel in den Kreisen Weimarer
Land, Sömmerda, Saale-Holzland-Kreis und der Stadt Erfurt betroffen.
Allein im Weimarer Land mussten nach Angaben der Kreisverwaltung etwa
1000 Tiere getötet werden, um eine Weiterverbreitung des Virus
einzudämmen. In dem Landkreis war die Tierseuche zuerst aufgetreten.

Dort hatte ein Geflügelhof in Niederreißen Tiere aus einem ebenfalls
von Infektionen betroffenen Betrieb aus der Nähe von Paderborn
(Nordrhein-Westfalen) erworben und sie weiterverkauft. Im Weimarer
Land waren bis Montag 19 Geflügelhalter bekannt, die Kontakt zu dem
Geflügelhof hatten. Es handele es sich meist um kleine Bestände
privater Tierhalter, sagte eine Sprecherin. Die Ermittlung der Käufer
werde dadurch erschwert, dass manche von ihnen beim Erwerb
Fantasie-Namen angegeben hätten.

Um den Betrieb in Niederreißen ist ein Sperrbezirk und ein
Beobachtungsgebiet eingerichtet worden. Dies gilt auch für einen sich
in den Kreis Gotha erstreckenden Bereich um den Erfurter Ortsteil
Schmira, wie das Landratsamt Gotha am Montag mitteilte. In Schmira
war am Freitag das H5N8-Virus bei gehaltenen Vögeln festgestellt
worden. Käufer von Tieren in dem Geflügelhof im Weimarer Land sollen
sich bei ihren zuständigen Veterinärämtern melden.

Das nordrhein-westfälische Umweltministerium teilte am Montag mit,
von NRW aus habe sich die Tierseuche auch nach Baden-Württemberg und
Bayern ausgebreitet. Nach dem Ausbruch in dem Legehennenbetrieb bei
Paderborn am 20. März seien infizierte Tiere per Lastwagen in andere
Bundesländer gebracht und dort vermarktet worden. Dass sie infiziert
waren, war damals laut Ministerium noch nicht bekannt. Bislang habe
es in 50 von 152 Betrieben Ausbrüche gegeben.