Thrombosen: Kreis setzt Astrazeneca-Impfung von Frauen unter 55 aus )

29.03.2021 18:09

Eine Frau stirbt, eine weitere erleidet ebenfalls eine Thrombose -
nach der Impfung mit dem Vakzin von Astrazeneca. Zufall oder
Zusammenhang? Der Kreis Euskirchen in Nordrhein-Westfalen will kein
Risiko eingehen und wartet nicht auf das Ergebnis der Untersuchungen.

Euskirchen (dpa) - Der Kreis Euskirchen in Nordrhein-Westfalen hat am
Montag die Corona-Schutzimpfung von Frauen unter 55 mit dem Wirkstoff
von Astrazeneca vorläufig gestoppt. Nachdem eine geimpfte Frau (47)
vergangene Woche gestorben war, sei dem Kreis nun der Verdacht auf
«eine schwerwiegende Erkrankung» einer 28-Jährigen nach der Impfung
mit Astrazeneca gemeldet worden. Beide hatten laut Kreis eine
Sinusvenenthrombose erlitten.

«Der Kreis Euskirchen hat heute Mittag die Bezirksregierung und das
NRW-Gesundheitsministerium über die neue Lage informiert und das
Moratorium vermeldet. Dabei handelt es sich um eine vorsorgliche
Maßnahme, bis die zuständigen Fachdienststellen zu einen endgültigen

Bewertung gekommen sind», hieß es in einer Mitteilung. Die
Staatsanwaltschaft Bonn leitete routinemäßig ein
Todesermittlungsverfahren ein. Nach Angaben eines Sprechers wurde die
Obduktion der Leiche angeordnet.

Der Kreis erklärte, Rückfragen bei den übergeordneten Behörden seie
n
zuvor damit beantwortet worden, dass das Paul-Ehrlich-Institut «die
Vorgänge gewissenhaft prüfe, eine abschließende Stellungnahme jedoch

nicht erfolgen könne». Landrat Markus Ramers (SPD) habe mit
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) und seinem
Staatssekretär telefoniert, «die sich persönlich für eine zeitnahe,

abschließende Klärung durch die Fachleute einsetzen.»

Der Kreis Euskirchen hatte nach dem Tod der 47 Jahre alten Frau den
Fall dem Paul-Ehrlich-Institut gemeldet, um einen möglichen
Zusammenhang mit der Corona-Impfung der Frau untersuchen zu lassen.
Das Paul-Ehrlich-Institut machte auf Anfrage der Deutschen
Presse-Agentur am Montag keine weiteren Angaben zum konkreten Fall.

Mitte März waren in Deutschland Corona-Impfungen mit dem Präparat von
Astrazeneca mehrere Tage vorsorglich ausgesetzt worden. Nach einer
erneuten Prüfung erklärte die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA)
,
das Präparat sei sicher. Doch werde in den Hinweisen eine extra
Warnung vor möglichen seltenen Fällen von Blutgerinnseln (Thrombosen)
in Hirnvenen hinzugefügt, erklärte die EMA. Astrazeneca spielt eine
wichtige Rolle in der EU-Impfstrategie. Weil das Präparat nicht so
stark gekühlt werden muss, kann es auch gut von Hausärzten gespritzt
werden.

Der Tod der Frau war dem Gesundheitsamt laut Kreis am vergangenen
Freitag durch den verantwortlichen Arzt des regionalen Impfzentrums
gemeldet worden, der die Informationen von der behandelnden Klinik
erhalten hatte. Auch der neuerliche Fall sei von dem Arzt gemeldet
worden, «nachdem er entsprechende Informationen von der behandelnden
Klinik erhalten hatte.» Die 28 Jahre alte Patientin sei in einem
stabilen Zustand und werde in einer Spezialklinik versorgt, so der
Kreis in einer Mitteilung.

«Da aktuell nicht ausgeschlossen werden kann, dass Tatsachen
vorliegen, die gegen eine alters- und geschlechtsübergreifende
Verimpfung «COVID-19 Vaccine Astrazeneca» sprechen, hat sich der
Krisenstab des Kreises Euskirchen dazu entschlossen, die Impfung mit
diesem Impfstoff bei Frauen unter 55 auszusetzen», hieß es vom Kreis.
Diese Entscheidung habe der Krisenstab nach fachlicher Beratung durch
den Leiter des Gesundheitsamtes und den leitenden Impfarzt gefällt.

Die Impfungen mit Astrazeneca für Männer sowie für Frauen über 55
gehen ebenso wie geplant weiter wie die Impfungen mit dem
Biontech-Vakzin.