Kreditversicherer rechnet 2021 nicht mit großer Pleitewelle

29.03.2021 05:00

Hamburg (dpa) - Trotz des verlängerten Lockdown rechnet der
Kreditversicherer Euler Hermes in diesem Jahr nicht mit einem
drastischen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland.
Voraussichtlich werde die Zahl der Firmenpleiten lediglich um 6
Prozent steigen und damit weiterhin deutlich unter dem Niveau des
Vorkrisenjahres 2019 bleiben, prognostizierte Euler Hermes in einer
am Montag veröffentlichten Studie. Grund dafür sei die Verlängerung
und Ausweitung der Maßnahmenpakete der Bundesregierung, die die
Folgen der Covid-19-Pandemie für die Unternehmen teilweise
abfederten.

Mit einem deutlichen Anstieg der Insolvenzen rechnet der
Kreditversicherer deshalb erst im Laufe des Jahres 2022. Dann dürften
die Pleiten um rund 15 Prozent zunehmen, prognostizierte Euler
Hermes. Damit stehe Deutschland im internationalen Vergleich aber gut
da. Denn es bedeute, dass die Zahl der Insolvenzen auch 2022 nur um
etwa vier Prozent höher liegen werde als im Vorkrisenjahr 2019. Dies
entspreche in etwa dem Niveau von 2017.

Die Insolvenzentwicklung sei derzeit nicht von Marktmechanismen,
sondern von der weiteren Entwicklung und dem Fortbestand von
Unterstützungsmaßnahmen abhängig, sagte der Euler-Hermes-Chef für
Deutschland, Ron van het Hof. Sie habe sich vom tatsächlichen Zustand
der Unternehmen abgekoppelt. «Das wird nicht ewig so weitergehen.
Aber auch mit der sukzessiven Rückkehr in eine neue Normalität ist
ein umgehender oder sprunghafter Anstieg dadurch erst einmal nicht in
Sicht.»

Trotz des erneuten und verlängerten Lockdown, der viele Branchen
empfindlich trifft, seien mit zunehmendem Impffortschritt die
gesamtwirtschaftlichen Aussichten für 2021 relativ gut und am
Horizont winke voraussichtlich ab dem zweiten Halbjahr ein
«Nachhol-Boom» sowie eine deutliche wirtschaftliche Erholung.

Die Einschätzung von Euler Hermes fällt damit insgesamt deutlich
optimistischer aus, als jüngste Prognosen der Wirtschaftsauskunfteien
Creditreform und Crifbürgel. Beide hatten für dieses Jahr eine
Pleitewelle in Deutschland vorausgesagt.