Viele NRW-Städte setzen auf Schnelltests statt Komplett-Lockdown

28.03.2021 16:57

Düsseldorf (dpa) - Trotz Auslösen der Corona-Notbremse wegen hoher
Infektionszahlen in zahlreichen Kommunen Nordrhein-Westfalens wollen
die meisten Städte und Kreise das Einkaufen und den Museumsbesuch mit
negativem Schnelltest weiter ermöglichen. Nach Angaben des
Gesundheitsministeriums vom Wochenende haben 25 der 31 kreisfreien
Städte und Kreise, in denen ab Montag die Corona-Notbremse angeordnet
wurde, erfolgreich beantragt, die neu geschaffene Testoption ab
Montag umzusetzen. Unter anderem die Millionenstadt Köln will es
zunächst anders machen.

In Städten wie Aachen, Duisburg, Dortmund, Essen und auch vielen
ländlich geprägten Kreisen in NRW sollen Menschen mit tagesaktueller
Bescheinigung von einer Schnelltest-Stelle dann weiter Gartenmärkte,
Bekleidungsläden, Museen oder Zoos besuchen können. Sowohl Köln als
auch Hagen hatten dagegen angekündigt, am Montag aufgrund sprunghaft
gestiegener Infektionszahlen erstmal tatsächlich auf die Bremse zu
treten und die am 8. März unter Auflagen geöffneten Läden, die nicht

den täglichen Bedarf sichern, sowie Kulturstätten vorerst dicht zu
machen. Der Krisenstab Kölns wolle die Frage allerdings am Montag auf
Basis der aktuellen Infektionslage erneut beraten, so ein Sprecher.

Nachdem Bund und Länder angekündigt hatten, die vereinbarte Notbremse
für Kommunen mit anhaltend hohen Neuinfektionszahlen über 100 pro 100
000 Einwohner binnen einer Woche konsequent umsetzen zu wollen,
hatten die Bestimmungen in der ab Montag gültigen
Corona-Schutzverordnung von NRW überrascht: Demnach müssen Läden,
Sportstätten und Kultureinrichtungen nicht landesweit wieder
schließen, sondern nur in Kreisen und kreisfreien Städten, in denen
die 100er-Marke drei Tage in Folge überschritten wird. Zudem besteht
dort die Möglichkeit, mit Schnelltestkonzept trotzdem zu öffnen.

«Die Test-Option ist keine aufgeweichte Notbremse», teilte
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) mit. Die
Ansteckungen fänden vor allem im Privatbereich statt, «nicht in
Geschäften mit begrenzter Kundenanzahl und Maske». Wolle man eine
Ausbreitung vermeiden, müssten mehr Infektionswege durch mehr
Testungen aufgedeckt werden.

Am Wochenende war die Inzidenz in NRW weiter in die Höhe geklettert.
Am Sonntag vermeldete das Robert Koch-Institut eine Neuinfektionsrate
pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche von 128,8. Eine Woche zuvor
war der Wert erstmals seit Ende Januar wieder dreistellig geworden.