Krankenhäuser geraten wegen Corona in wirtschaftliche Schieflage

27.03.2021 05:58

Die Corona-Pandemie wird für die Krankenhäuser in Sachsen immer mehr
zu einem wirtschaftlichen Kraftakt. Ihnen machen Einnahmeausfälle zu
schaffen. Die Belastung für die Mitarbeiter ist hoch.

Dresden (dpa/sn) - Durch die Corona-Pandemie geraten Krankenhäuser
nach Ansicht der Krankenhausgesellschaft Sachsen immer mehr in
wirtschaftliche Schieflage. «Es muss politisch dringend gehandelt
werden, um die Budgets und die Liquidität der Häuser in diesem Jahr
zu sichern», sagte der stellvertretende Geschäftsführer der
Krankenhausgesellschaft Sachsen, Friedrich München. Genaue Zahlen
liegen der Gesellschaft derzeit noch nicht vor. Alle Krankenhäuser
seien - wenn auch in unterschiedlichem Umfang - von Einnahmeverlusten
betroffen. Wegen Corona komme es immer wieder zu Minderbelegungen in
den Häusern, weil andere Behandlungen möglicherweise verschoben
werden. Die Kosten liefen jedoch unverändert weiter. Das
Sozialministerium hat nach eigenen Angaben keine Kenntnisse, dass
Krankenhäuser coronabedingte Zahlungsschwierigkeiten haben und
deshalb eine Schließung drohe.

Während des ersten Lockdowns seien die Häuser von März bis September

2020 durch Ausgleichszahlungen des Bundes wirtschaftlich stabilisiert
worden, sagte München. Beim zweiten Lockdown würden seit November
2020 Hilfen aber nur noch ab bestimmten Schwellenwerten wie Inzidenz
oder Intensiv-Kapazitäten und außerdem nur ausgewählten
Krankenhäusern gewährt. Das verschärfe die wirtschaftliche Situation

der Häuser.

«Die pandemiebedingten geringeren Einnahmen werden durch die
sogenannte Freihalteprämie zwar gemildert, reichen jedoch nicht aus»,
sagte der Kaufmännische Geschäftsführer des Klinikums Chemnitz, Dirk

Balster. Für einen «Maximalversorger» wie das Klinikum Chemnitz sei
es jedoch wichtig, kostendeckend zu arbeiten, um den Patienten die
Behandlung auf höchstem medizinischem Niveau garantieren zu können.

Bei wieder steigenden Infektionszahlen fielen Mitarbeiter unter
anderem aus, weil sie sich selbst infiziert hätten, erkrankt seien
oder unter Quarantäne stünden, hieß es. Deshalb könnten nicht alle

Stationen im Chemnitzer Klinikum voll betrieben und ausgelastet
werden. Zudem sei der Pflege- und Hygieneaufwandes für Covid-19-
Patienten auf der Intensivstation besonders hoch. Das binde
zusätzlich Mitarbeiter und gehe zulasten von geplanten Operationen,
weil diese dann dort fehlten. 

«Es hat sich gezeigt, dass auch bei einer Inzidenz unterhalb von 70
die Notwendigkeit bestehen kann, planbare Aufnahmen, Operationen und
Eingriffe zu verschieben, um freie intensivmedizinische
Behandlungskapazitäten zu schaffen», sagte die Pressesprecherin des
Klinikums Sankt Georg in Leipzig, Manuela Powollik. Vor diesem
Hintergrund müsse es möglich sein, die Voraussetzung für
Ausgleichszahlungen anzupassen.

Ende Januar und im Februar sei die Zahl der Covid-19-Patienten leicht
zurückgegangen, jetzt steige sie wieder an. «Wir müssen immer in der

Lage sein, zum Ausnahmezustand und der vollumfänglichen Covid-19-
Versorgung zurückkehren zu können. Personelle Engpässe seien von
Mitarbeitern anderer Stationen aufgefangenen worden, die durch den
eingeschränkten Klinikumsbetrieb vorübergehend verfügbar waren.

Aktuell sei ein Teil der Refinanzierung bis Ende März 2021
sichergestellt, sagte die Sprecherin des Städtischen Klinikums
Dresden, Viviane Piffczyk. «Von November 2020 bis Mitte Februar 2021
mussten wir geplante Eingriffe komplett verschieben. Anfänglich haben
wir dies getan, ohne zu wissen, ob es Ausgleichszahlungen geben
wird.» Ab November 2020 hätten diese dann die Situation finanziell
abgefedert. 2020 seien die Mittel des Bundes für die Freihaltung der
Betten auskömmlich gewesen. Stand 24. März 2021 wurden laut Piffczyk
65 Corona-Patienten versorgt, 13 benötigten Intensivmedizin. Die
Bettenbelegung werde wöchentlich beurteilt, damit schnell reagiert
werden könne, hieß es.

Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft hat sich die
ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser bundesweit
infolge der Corona-Pandemie dramatisch zugespitzt. «Die
Wiedereinführung von Freihaltepauschalen für die Monate November,
Dezember und Januar war wegen der sehr restriktiven
Zuordnungskriterien nur für wenige Kliniken eine wirksame
Finanzierungshilfe», sagte deren Präsident Gerald Gaß. Weniger als
jedes dritte Haus bundesweit erwarte für 2020 ein positives
Jahresergebnis und nur noch 18 Prozent der Kliniken beurteilten ihre
aktuelle wirtschaftliche Lage als gut. Für 2021 erwartet nur knapp
ein Viertel der Krankenhäuser eine wirtschaftliche Verbesserung.