Corona-Krise belastet Brandenburgs Kliniken finanziell stark

27.03.2021 07:25

Brandenburgs Kliniken sind in der Corona-Krise finanziell gebeutelt.
Viele Krankenhäuser rechnen in diesem Jahr mit Defiziten, denn die
Behandlung der Covid-19-Patienten bringt hohe Kosten mit sich.

Potsdam (dpa/bb) - Brandenburgs Krankenhäuser sind aufgrund der
Corona-Pandemie finanziell stark belastet. Im Vergleich zum Januar
2020 nahmen die Kliniken in den ersten vier Wochen dieses Jahres rund
62 Millionen Euro weniger ein, wie die Landeskrankenhausgesellschaft
(LKB) nach einer Umfrage mitteilte. «Die Krankenhaussteuerung war nie
so schwierig, weil wir angesichts der Rettungspakete beständig mit
neuen Vergütungssituationen kalkulieren müssen», sagte die Sprecherin

des Potsdamer Klinikums Ernst von Bergmann, Theresa Decker. Für das
vergangene Jahr ergebe sich definitiv ein Defizit, im Jahr zuvor
hatte es noch ein leichtes Plus gegeben.

Darüber hinaus kommt es der Sprecherin zufolge zu Erlösausfällen von

knapp einer Million Euro pro Woche, weil wegen der Pandemie weniger
Patienten pro Zimmer untergebracht werden dürfen. Ein finanzieller
Mehraufwand entstehe durch die Anschaffung von Schutzausrüstungen und
die Umsetzung des Schutz-, Hygiene- und Sicherheitskonzepts.

Auch am Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus ist die wirtschaftliche
Situation angespannt, wie Kliniksprecherin Anja Kabisch sagte. «Für
das Jahr 2020 wird dies zu einem negativen Jahresergebnis führen.»
Konkrete Zahlen könnten aufgrund laufender Berechnungen derzeit noch
nicht genannt werden. «Wir haben freiwillige Helfer eingestellt,
Wachschutz eingesetzt, um die coronabedingten Zugangsbeschränkungen
zum Krankenhaus zu kontrollieren. Außerdem wurde eine provisorische
Abstrichstelle eingerichtet», sagte Kabisch zum zusätzlichen Aufwand.

Im Kreiskrankenhaus Prignitz in Perleberg hatte die Einrichtung von
Isolierstationen geringere Einnahmen zur Folge. Zwei normale
Stationen mit jeweils 35 Betten waren 2020 umgewidmet worden. Eine
der beiden Isolierstationen, auf denen deutlich weniger Patienten
versorgt werden, sei zum Jahresende wieder in den normalen Betrieb
gewechselt, berichtete Kliniksprecherin Jacqueline Braun.

Die finanziellen Hilfen sind aus Sicht vieler Kliniken nicht
ausreichend. Die Ausgleichszahlungen des Bundes für die 53 Kliniken
in Brandenburg lagen im Januar 2021 bei 39 Millionen Euro, wie
LKB-Geschäftsführer Michael Jacob sagte.

«Der zweite Krankenhaus-Rettungsschirm, den es seit dem 18. November
gibt, hat uns vor allem bei der Liquidität geholfen», erklärte
Theresa Decker vom Klinikum Ernst von Bergmann. Das Geld reiche aber
nicht aus, um die Kosten für Schutzausrüstungen und Hygienekonzept zu
decken.

Aus Sorge vor einer Ansteckung verzichteten auch viele Menschen auf
die eigentlich notwendige Behandlung, etwa bei psychischen Problemen.
«Bei der ersten Welle gab es zwar finanzielle Ausgleiche, Patienten
blieben jedoch aufgrund von Angst und Besuchsverboten in diesem
Bereich über das gesamte Jahr in Größenordnungen fern», erklärte

Jacqueline Braun vom Kreiskrankenhaus in Perleberg.

Erschwerend hinzu kommen dort ein hoher Krankenstand und viele
Quarantänefälle. «Bis heute haben wir noch keinen Euro
Lohnersatzzahlungen für Quarantäne selbst für die erste Welle
erhalten», beklagte Sprecherin Braun. Anders die Lage in der
Landeshauptstadt: Weil schon viele Mitarbeiter geimpft wurden, ist
der Krankenstand am Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann dem
Krankenhaus zufolge sehr gering.