«Alles verbrannt»: Amanals Albträume von Heimat und Familie

26.03.2021 03:55

Berlin (dpa) - Große Sorgen um seine Familie und die Heimat werden
Amanal Petros auch auf dem Weg zum olympischen Marathon begleiten.
«Das ist brutal hart! Manchmal schläft man sehr schlecht und träumt
schlecht. Das belastet mich brutal», sagte der Leichtathlet vom TV
Wattenscheid der Deutschen Presse-Agentur. Der 25-Jährige hat seine
lange verschollene Familie inzwischen zwar aufgespürt und endlich
auch Kontakt zu den drei Frauen an der äthiopisch-sudanesischen
Grenze. Aber seine Mutter und die beiden Schwestern sind weiter in
Gefahr, denn der Krieg in der Region Tigray ist nicht vorbei.

Kontakt zu seinen Lieben hält Petros über einen guten Freund aus
Mekele, der Hauptstadt der Kriegsregion. «Dort kann ich auf keinen
Fall hin. In Tigray ist alles furchtbar, alles kaputt. Da tobt immer
noch Krieg», erzählte Petros verzweifelt. «Wir haben keine
Krankenhäuser mehr, keine Kliniken, keine Apotheke, keine einzige
Fabrik steht mehr. Alles zerstört, alles verbrannt, null.» Sein
Freund fährt einmal in der Woche zu den Frauen. «Und er sagt mir
dann, was meine Familie braucht, was sie sagt, wie die Lage ist»,
berichtete der deutsche Marathon-Rekordhalter.

Sein nächstes Ziel steht fest. «Ich muss sie unbedingt nach Sudan
bringen - da sind sie auf jeden Fall sicherer als jetzt», meinte
Petros. Eine Flucht über die Grenze sei aber «sehr gefährlich,
richtig gruselig. Da wurden schon viele Frauen vergewaltigt. Ich
suche jetzt eine sichere Lösung mit möglichst wenig Risiko», erzähl
te
der in Eritrea geborene junge Mann, der in Äthiopien aufwuchs und im
Januar 2012 als Flüchtling aus Tigray nach Deutschland kam. Im
Oktober 2015 wurde er eingebürgert.