Mainzer Sozialmediziner bereitet sich auf Mittelmeer-Einsatz vor

25.03.2021 04:30

Der Verein Resqship plant mit einem neuen Segelschiff eine
Beobachtungsmission im zentralen Mittelmeer. Um die medizinische
Ausstattung kümmert sich der Verein Armut und Gesundheit von Gerhard
Trabert.

Mainz (dpa/lrs) - Der Mainzer Verein Armut und Gesundheit in
Deutschland hat eine Partnerschaft mit einer Hamburger Initiative für
Flüchtlinge im Mittelmeer geschlossen. «Es ist für uns ganz wichtig,

ein Zeichen zu setzen in der zivilen Seenotrettung», sagte der
Gründer und Vorsitzende des Vereins, der Mainzer Sozialmediziner
Gerhard Trabert. «Wir sind die ersten in Rheinland-Pfalz, die in der
zivilen Seenotrettung eine so dichte Vernetzung haben.» Der Verein
unterstütze die Initiative Resqship finanziell und mit der
Bereitstellung von medizinischer Ausrüstung.

Trabert war bereits 2019 bei einem von neun Mittelmeereinsätzen von
Resqship dabei. Die Segelyacht «Josefa» rettete damals im Spätsommer

34 Flüchtlinge, die dann von der «Ocean Viking» übernommen wurden,

einem von den Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS
Mediterranee gecharterten Schiff.

Jetzt hat Resqship ein neues Schiff, einen 18 Meter langen
Stahlschoner, der zurzeit überholt wird und bislang noch ohne Namen
ist. Mit seiner Bauweise und seiner Robustheit sei dieses Schiff
bestens für den Einsatz auf hoher See geeignet, erklärte Resqship. Es
soll voraussichtlich im Mai unter deutscher Flagge in Richtung
libysche Küste auslaufen.

«Ich werde versuchen, bei der ersten Fahrt dabei zu sein», sagte
Trabert im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Die Mission
solle vor allem die Situation vor der libyschen Küste dokumentieren,
außerhalb der 20-Meilen-Zone. Wenn Menschen in Not seien, werde sie
das Resqship-Team aber auch aufnehmen, bis ein größeres Schiff
eintreffe. Eine Versorgung für längere Zeit sei auf dem kleinen
Schiff aber kaum möglich. Das Team von sechs bis acht
Besatzungsmitgliedern werde dazu auch Kontakt mit dem Netzwerk
weiterer Seenotretter halten, mit Gruppen wie Open Arms, Sea Watch
und Alan Kurdi. Mit der «Sea-Watch 2» war Trabert 2015 und 2016
zweimal im Mittelmeer im Einsatz, um gerettete Bootsflüchtlinge
medizinisch zu versorgen.

«Für uns ist es sehr wichtig, dass wir medizinische Ausstattung und
medizinisches Personal an Bord haben», sagte ein Sprecher des 2017
gegründeten Vereins Resqship, der von vier Ortsgruppen in Mainz,
Freiburg, Augsburg und Hamburg getragen wird. Die Aufnahme von
Geflüchteten in Seenot sei zwar nicht das primäre Ziel der
Beobachtungsmission. Es wäre aber fahrlässig, nicht in der Lage zu
sein, Menschen in Not professionelle Hilfe leisten zu können. Der
Verein Armut und Gesundheit unterstütze das Projekt auch bei der
Entwicklung eines Hygienekonzepts für die Sicherheit der Menschen an
Bord.

«Wir wollen nicht uns in den Vordergrund stellen, sondern wollen die
Geschichten erzählen von Menschen, die im Mittelmeer in Not geraten
sind», sagte der Sprecher. Daher werde der Name des neuen Schiffs wie
bei «Josefa» wieder an einen Menschen auf der Flucht im Mittelmeer
erinnern.