Herr der Spritzen - Bürgermeister Tschentscher hilft im Impfzentrum Von Markus Klemm, dpa

Hamburgs Bürgermeister Tschentscher nimmt sich einen ganzen Tag Zeit,
will genau wissen, was im Impfzentrum der Stadt passiert. Als
gelernter Laborarzt hilft er auch bei der Vorbereitung des
Impfstoffs. Das stellt sich als gar nicht so einfach heraus.

Hamburg (dpa/lno) - Gelernt ist gelernt, schließlich hat er jahrelang
als Laborarzt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gearbeitet.
Peter Tschentscher weiß also, was er tut, als er den Sonntag im
Impfzentrum der Stadt verbringt. Anders als Baden-Württembergs
Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) lässt sich Hamburgs
Bürgermeister aber nicht impfen, sondern hilft in den Messehallen bei
der Vorbereitung der Impfdosen mit.

Konzentriert sitzt der SPD-Politiker im mit zahlreichen Kameras
gesicherten Laborbereich des Impfzentrums. Vor ihm auf einem
niedrigen Stahltisch mit Abzugshaube steht der begehrte Stoff -
Ampullen des Herstellers Biontech/Pfizer, die jedoch einer besonderen
Behandlung bedürfen, ehe sie verabreicht werden können. So müssen sie

zwar unter anderem geschwenkt, dürfen aber keinesfalls geschüttelt
werden, ehe der Inhalt mit einer Kochsalzlösung gemischt werden kann.

«Es geht darum, dass genau die exakte Menge des Impfstoffs am Ende
für die Patienten in der Spritze ist. Deswegen muss man hier den
Impfstoff sehr sorgfältig vorbereiten», sagt Tschentscher in einem
weißen «Hamburg impft»-Hoody, der ihn wie die neben ihm über seine

Arbeit wachende Apothekerin als Teil der Impfzentrumsmannschaft
ausweist.

Tschentscher zeigt sich ziemlich beeindruckt ob der Arbeit der
inzwischen gut 3000 akkreditierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
des von der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH) betriebenen
Impfzentrums. «Es gibt ausschließlich, jedenfalls bei mir,
ausschließlich positive Rückmeldungen.» Alles sei sehr gut
organisiert. «Hier bleibt nichts liegen, kein Impfstoff bleibt
irgendwo liegen. Alles wird unmittelbar eingesetzt.»

«Der geschwindigkeitsbestimmende Schritt für den Impffortschritt ist
nur die Lieferung des Impfstoffs. Das ist der entscheidende Engpass
hier in Hamburg.» Tschentscher betont, im Impfzentrum könnten jeden
Tag mehr als 7000 Menschen geimpft werden. Am Sonntag sind es rund
4000. Gleichwohl werde Hamburg kommende Woche erstmals Impfungen auch
in Schwerpunktpraxen anbieten. Nach Ostern sollen dann über Apotheken
auch niedergelassene Ärzte beliefert werden.

Bei der Schicht im Impfzentrum, die ihn auch in andere Bereiche
führt, appelliert Tschentscher einmal mehr an die Vernunft der
Menschen, sich an die Corona-Regeln zu halten und auf Reisen an
Ostern zu verzichten. «Wir sind sehr überrascht, dass es jetzt die
Möglichkeit gibt, nach Mallorca zu reisen, um dort Urlaub zu machen.»
Er werde bei der Gesprächsrunde der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin
Angela Merkel (CDU) am Montag jede Regelung unterstützen, die darauf
gerichtet sei, Auslandsreisen zu vermeiden.

Tschentscher erinnert daran, dass Hamburg wegen Inzidenzwerten von
über 100 schon die Notbremse gezogen und die Corona-Regeln am Samstag
wieder verschärft habe. «Ich erwarte das von allen anderen Ländern
auch.» Vereinbarungen seien dazu da, dass man sie auch umsetze, sagt
Tschentscher in Richtung jener Länder, die trotz Überschreiten des
Schwellenwerts nichts unternähmen.

Der Bürgermeister macht im Impfzentrum aber auch jenen Menschen Mut,
die ob der neuerlichen Verschärfung der Corona-Regeln langsam zu
verzweifeln drohen: «Wir haben nur noch wenige Wochen, vielleicht
Monate, in denen wir diszipliniert sein müssen», sagt er. Schon im
nächsten Quartal werde es sehr viel mehr Impfstoff geben. «Diese gute
Perspektive, dieser Impffortschritt, der schützt uns endgültig vor
den schwierigen Auswirkungen, die die Corona-Pandemie sonst hat.»

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