Bessere Abos, saubere Bahnen: Verkehrsbetriebe buhlen um Fahrgäste

17.10.2020 05:30

Abos gegen Flaute: Wegen der Corona-Pandemie steigen weniger Gäste in
Bus und Bahn. Die Verkehrsbetriebe versuchen nun mit Kampagnen und
strengen Hygienekonzepten wieder mehr Menschen zurückzugewinnen.

Halle/Magdeburg (dpa/sa) - Mit Sparangeboten, Hygieneversprechen und
Werbekampagnen bemühen sich die Verkehrsbetriebe im Land um mehr
Fahrgäste. Ob in Magdeburg, Halle oder Dessau-Roßlau - vielen
Verkehrsbetrieben macht nach eigenen Angaben die Corona-Pandemie
weiterhin zu schaffen. Noch immer führen weniger Menschen mit Bus und
Bahn als vor der Corona-Krise, hieß es von den Unternehmen. Den
Verkehrsbetrieben drohten Millionenverluste.

«Wir rechnen für das Gesamtjahr mit einem Umsatzrückgang von sechs
Millionen Euro netto», sagte die Sprecherin der Magdeburger
Verkehrsbetriebe (MVB), Laura Luise Bode. Noch immer liege die
Auslastung in den Bussen und Straßenbahnen mit 70 bis 75 Prozent
«deutlich unter dem Vorjahresniveau», so die MVB-Sprecherin.

Auch in Halle stiegen wegen der Corona-Pandemie weniger Fahrgäste in
Busse und Straßenbahnen. Nach einem Rekordtief mit einem Rückgang um
70 Prozent gegenüber dem sonstigen Fahrgastaufkommen liege die
Auslastung nun bei rund 86 Prozent im Vergleich zum Vorjahresniveau,
wie der Vorstand der Halleschen Verkehrs-AG (Havag), Vinzenz Schwarz,
erklärte. Im gesamten Vorjahr nutzten rund 56,7 Millionen Fahrgäste
die Angebote der Havag.

In Dessau-Roßlau brachen die Fahrgastzahlen Ende März um fast 80
Prozent ein. Auch hier sei noch immer nicht das Vorjahresniveau
erreicht, sagte der Sprecher der Dessauer Versorgungs- und
Verkehrsgesellschaft, Christian Mattke. Jedoch bleibe die Zahl der
Abo-Card-Nutzer stabil.

Die Gründe für den Rückgang sind den Verkehrsbetrieben zufolge
vielseitig. Viele Menschen arbeiteten wegen der Corona-Pandemie im
Homeoffice, zwischenzeitlich geschlossene Schulen und Kitas sorgten
zur Anfangszeit der Krise für weniger Fahrgäste. Auch Verunsicherung
wegen einer potenziellen Ansteckungsgefahr spiele eine Rolle, hieß
es.

Um die Situation zu entschärfen, bemühten sich die Verkehrsbetriebe
wieder um mehr Fahrgäste. «Unser Verkehrsunternehmen hat auch in
Kooperation mit dem Mitteldeutschen Verkehrsbund und dem Verband
Deutscher Verkehrsunternehmen viele Kampagnen gestartet, um Fahrgäste
für eine Bus- und Bahnnutzung wieder zurückzugewinnen», sagte Schwarz

von der Havag. Unter anderem sei die Laufzeit des sogenannten «Wind
und Wetter»-Abos verkürzt worden, an Wochenenden im Oktober und im
Advent könnten zwei Fahrgäste auf einem Ticket fahren. Zudem sei eine
Corona-Umfrage zur Zufriedenheit der Fahrgäste bei der Havag ins
Leben gerufen worden.

Auch in Magdeburg gibt es laut MVB bessere Abo-Angebote. In
Dessau-Roßlau konnten Fahrgäste den Angaben nach im September einen
Tag lang kostenlos Bus und Bahn fahren. Wie auch andernorts gebe es
Rabatte und Vorteile beim Ticketkauf durch die Mehrwertsteuersenkung.

Statistiker bestätigten die günstigeren Fahrpreise. Laut
Statistischem Landesamt in Halle wurden im September Busfahrten im
Vergleich zum Vorjahresmonat um 17 Prozent günstiger. Die Preise für
Zugfahrten gingen insgesamt um 14,7 Prozent zurück.

Zudem werde ein besonderes Augenmerk auf die Hygienemaßnahmen gelegt,
hieß es von den Unternehmen. Tagsüber würden alle Busse und
Straßenbahnen der MVB an den Endhaltestellen gereinigt, die Türen der
Trams öffneten weiterhin automatisch, teilt das Unternehmen mit. In
den Fahrzeugen bestehe - wie in allen öffentlichen Verkehrsmitteln -
nach wie vor Maskenpflicht.

In Dessau-Roßlau wurden die Fahrscheinkontrollen nach eigenen Angaben
durch Kontrollen der Alltagsmasken ergänzt. Das Personal der Havag
sei außerdem speziell zur Einhaltung des Mund-Nasen-Schutzes geschult
worden. «In Halle halten sich fast alle Fahrgäste an die Pflicht des
Tragens einer textilen Barriere im Sinne eines Mund-Nasen-Schutzes im
ÖPNV», sagte Schwarz. Die Polizei unterstütze das Havag-Personal bei

Kontrollen.