Viele «Ballermann»-Wirte haben kaum Interesse an Wiedereröffnung

15.10.2020 17:31

Palma (dpa) - Die Gäste fehlen: Viele Ballermann-Wirte auf Mallorca
zeigen kaum Interesse an der Wiedereröffnung wie sie jetzt bei
kleineren Lokalen wieder möglich ist. Eines der wenigen Lokale, die
ihre Türen am Donnerstag wieder öffneten, war das «Et Dömsche» mi
t
Kölsch vom Fass. Die vor allem bei deutschen Touristen beliebte
Vergnügungsmeile mit «Bier-» und «Schinkenstraße» an der Playa
de
Palma war vor drei Monaten geschlossen worden, weil sich Gäste nicht
an die Corona-Maßnahmen gehalten hatten. Mitte August wurde Mallorca
wie der Rest Spaniens außer den Kanaren zum Risikogebiet erklärt und
das Auswärtige Amt sprach eine Reisewarnung aus.

Da die Corona-Zahlen inzwischen wieder niedriger sind, hatte die
Regionalregierung die teilweise Wiedereröffnung erlaubt. Diskotheken
und größere Partytempel dürfen aber weiterhin nicht öffnen. Einige

Lokale wie das «Deutsche Eck» hatten die Eingänge zwischenzeitlich
kurzerhand von der Bierstraße zu Seitenstraßen verlegt, die nicht von
der Schließungsverfügung vom Juli betroffen waren. Sie konnten
deshalb weiter Gäste empfangen.

«Im ersten Moment habe ich einen Lachanfall bekommen», zitierte die
deutschsprachige «Mallorca Zeitung» Miki Ferrer von «Palma Beach»,

einer Initiative von Wirten für einen gehobeneren Tourismus. «Nach
allem, was passiert ist, sollen wir wieder aufmachen, wenn keine
Leute mehr da sind?», kommentierte Ferrer die Ankündigung der
Lockerungen.

Medien und Nutzer sozialer Netzwerke hatten im Juli Fotos und Videos
veröffentlicht, auf denen zu sehen war, wie Hunderte - mutmaßlich
Touristen aus Deutschland und Großbritannien - ohne Abstand und Maske
dicht gedrängt getrunken, getanzt und gefeiert hatten. Angetrunkene
Männer und Frauen hatten afrikanische Straßenhändler umarmt und
geflirtet, ohne sich um die Corona-Regeln zu scheren.

«Die positive Entwicklung der epidemiologischen Situation auf der
Insel Mallorca erlaubt es, bestimmte Einschränkungen in bestimmten
Zonen wie in Magaluf oder der Playa de Palma zu verändern», hatte die
Regionalregierung zur Begründung der Lockerung mitgeteilt. Die Zahl
der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen, die auf
den Balearen zeitweilig auf deutlich über 100 geklettert war, konnte
auf den Mittelmeer-Inseln zuletzt auf Werte um die 55 gedrückt
werden.