Datencheck im Dauermodus: Die Crux der Corona-Nachverfolgung Von Helmut Reuter, dpa

15.10.2020 15:05

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt auch in Niedersachsen
täglich. Je mehr Fälle, desto mehr Kontaktpersonen. Das bedeutet viel
Arbeit für die Gesundheitsbehörden. Auch die Bundeswehr hilft.

Hannover (dpa/lni) - Angesichts der hohen Arbeitsbelastung durch die
zunehmenden Corona-Neuinfektionen haben Kreise und Kommunen ihre
Gesundheitsämter personell teils massiv aufgestockt. Dies sei in den
vergangenen Wochen und Monaten schnell und flexibel geschehen, sagte
Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD). Meist sei
die Verstärkung durch eigene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus
anderen Bereichen erfolgt. Im Gesundheitsamt des Kreises Cloppenburg
wurde etwa das Personal von 57 auf derzeit über 100 nahezu
verdoppelt. Dort sind in Amtshilfe auch zwölf Bundeswehrsoldaten
sowie das Deutsche Rote Kreuz tätig.

«Die Kontaktnachverfolgung ist ein zentraler Baustein - das A und O,
um Infektionsketten zu unterbrechen und so das Risiko einer
unkontrollierten Ausbreitung des Virus zu minimieren», sagte Reimann
der dpa. «Angesichts steigender Zahlen wächst auch die
Herausforderung für die Gesundheitsämter, diese zentrale Aufgabe zu
meistern.»

Wie andere Kreise kämpft auch Cloppenburg gegen einen starken Anstieg
der Infektionszahlen. Laut Landesgesundheitsamt lag dort die Zahl der
Neuinfektionen bei 96,7 gerechnet auf 100 000 Einwohner binnen sieben
Tagen (7-Tage-Inzidenzwert, Stand: 15. Oktober). Cloppenburg gilt
neben vier weiteren Kreisen, der Stadt Delmenhorst und auch der Stadt
Bremen mit einem Inzidenzwert von über 50 als Corona-Hotspot. «Die
Zahlen gehen rapide hoch», sagte der Sprecher des Kreises
Cloppenburg, Sascha Sebastian Rühl. Ein Grund, warum das
Gesundheitsamt umstrukturiert und rund ein Dutzend Teams mit
unterschiedlichen Schwerpunkten gebildet wurden.

So gibt es Extra-Teams unter anderem für die Datenerfassung, die
Anordnung sowie die Aufhebung von Quarantänemaßnahmen, das
Bürgertelefon und für die Kontaktnachverfolgung, wo auch die zwölf
Soldaten Amtshilfe leisten. Aus der Veterinär-Abteilung seien sechs
Mitarbeiter für die Abstriche von Corona-Tests abgeordnet worden.
Beim Gesundheitsamt der Region Hannover wurden von Montag bis
Mittwoch 40 Bundeswehrsoldaten des Heeres geschult. Der Einsatz ist
zunächst bis 30. November befristet, dürfte aber wohl verlängert
werden.

Insgesamt seien derzeit 80 Soldaten in Niedersachsen allein bei der
Nachverfolgung im Einsatz, sagte Jasmin Henning vom Landeskommando
Niedersachsen. Insgesamt wurden während der Corona-Pandemie in
Niedersachsen 75 Amtshilfeanträge gebilligt. «Dieser Einsatz im
Gesundheitsamt ist natürlich für die Soldaten eher ungewöhnlich, weil

wir so etwas noch nicht gemacht haben. Bisher gab es eben Einsätze im
Rahmen der Hilfeleistung bei Hochwasser, bei Schneekatastrophen, bei
Waldbränden, aber das ist wirklich eine besondere Herausforderung»,
so Pressestabsoffizier Jürgen Engelhardt.

Wie viele Kontaktpersonen letztlich auf einen positiv getesteten Fall
kommen, lässt sich aus Sicht der Gesundheitsbehörden nur sehr schwer
sagen. «Jeder Fall ist anders gelegen», betonte der Sprecher des
Landesgesundheitsamtes, Holger Scharlach. Es hänge vom Alter, dem
Beruf, der jeweiligen Lebenssituation und den sozialen Aktivitäten
ab. Im Kreis Cloppenburg geht man von bis zu 40 Kontakten aus, die
eine Person gehabt haben könnte.

Um dabei zu helfen, Kontaktpersonen schneller und effektiver
nachzuverfolgen, sind in Niedersachsen auch 50 Containment-Scouts des
Robert Koch-Institutes im Einsatz. Das Institut unterstreicht auf
seiner Internetseite die Wichtigkeit der Arbeit: «Das Isolieren von
Erkrankten und die Nachverfolgung von Kontaktpersonen ist seit Beginn
des Corona-Geschehens in Deutschland eine zentrale Säule der
Bekämpfungsstrategie.»